Forschung

In dieser Kategorie werden die neuesten Forschungsergebnisse aus der Psychologie und Pädagogik berichtet.

Jüngere und ältere Menschen suchen unterschiedlich nach Wörtern

Wenn Menschen älter werden, fällt es ihnen zunehmend schwerer, im entscheidenden Moment die richtigen Wörter parat zu haben, und das, obwohl ihr Wortschatz im Laufe des Lebens eigentlich kontinuierlich anwächst. Nun haben Martin et al. (2021)  herausgefunden, dass es die Netzwerke im Gehirn sind, die ihre Kommunikation im Laufe der Zeit verändern, was sie ineffizienter macht. Man hat zwei Gruppen untersucht, und zwar jüngere ProbandInnen zwischen 20 und 35 Jahren und ältere zwischen 60 und 70 Jahren.… Weiterlesen »Jüngere und ältere Menschen suchen unterschiedlich nach Wörtern

Episodisches Gedächtnis bei Männern und Frauen leicht unterschiedlich

Sich daran zu erinnern, was man gestern getan hat, ist typisch für eine alltägliche Aufgabe für das episodische Gedächtnis. Asperholm et al. (2019) haben Studien aus vierzig Jahren zu Geschlechtsunterschiede im episodischen Gedächtnis untersucht und fanden einen allgemeinen weiblichen Vorteil bei Aufgaben, die überwiegend verbalisierbar sind, und einen männlichen Vorteil bei Aufgaben, die ein hohes Maß an räumlicher Verarbeitung erfordern. Auch wenn die Differenzen nicht allzu groß sind, gibt es doch kognitive Verschiedenheiten zwischen den zwei Geschlechtern… Weiterlesen »Episodisches Gedächtnis bei Männern und Frauen leicht unterschiedlich

Bedeutung des Geruchs aus psychologischer Sicht

Der Geruchssinn ist entwicklungsgeschichtlich einer der ältesten Sinne, denn keine andere Wahrnehmung empfinden Menschen so unmittelbar wie das Riechen. Während Sehen, Hören, Fühlen und Schmecken kognitive vorgefiltert werden, gelangen Geruchsinformationen unmittelbar ins Gehirn, da die Riechnerven direkt in die Nase reichen, wobei die Gerüche in annähernd der gleichen Gehirnregion wie Emotionen verarbeitet werden. Dieser ausgeprägte Geruchssinn hat in der Evolution den Menschen vermutlich geholfen, Mitglieder ihrer Familie oder ihrer Gruppe wahrzunehmen und so ein ausgeprägtes Sozialverhalten zu… Weiterlesen »Bedeutung des Geruchs aus psychologischer Sicht

Wie Menschen im Raum navigieren

Menschen navigieren in einer Umgebung und erinnern sich später an Orte, wobei Nervenzellen Richtungen und Entfernungen relativ zum navigierenden Organismus kodieren. Kunz et al. (2021) entdecken einen neuen Zelltyp im Gehirn und fanden Hinweise, wie er an Navigation und Gedächtnis beteiligt ist. Um die zellulären Mechanismen zu untersuchen, zeichnete man im Gehirn die Aktivität von mehr als tausend Neuronen bei Probandinnen eines Epilepsiezentrums auf, denen für diagnostische Zwecke Elektroden implantiert worden waren. Die ProbandInnen lösten Aufgaben am… Weiterlesen »Wie Menschen im Raum navigieren

Lässt sich eine konservative oder liberale Einstellung im Gehirn ablesen?

Parteipolitische Verzerrungen bei der Verarbeitung politischer Informationen tragen zur zunehmenden Spaltung der Gesellschaft bei. Leong et al. (2020) haben untersucht, wie solche Verzerrungen im Gehirn entstehen können, indem sie die neuronale Aktivität von Probanden gemessen haben, die Videos zum Thema Einwanderungspolitik sahen, die Nachrichtenclips, Wahlkampfspots und öffentliche Redenenthielten. Obwohl sie die gleichen Videos sahen, zeigten konservative und liberale Teilnehmer unterschiedliche neuronale Reaktionen. Diese neuronale Polarisierung zwischen den Gruppen trat im dorsomedialen präfrontalen Cortex auf, der mit der… Weiterlesen »Lässt sich eine konservative oder liberale Einstellung im Gehirn ablesen?

Die Wirkung von Licht auf negative Emotionen

Licht verbessert bei Menschen und Tieren bekanntlich die Stimmung, wobei die Amygdala eine entscheidende Rolle bei der Regulierung von Emotionen spielt, einschließlich angstbezogener Reaktionen. Bei Nagetieren etwa erhält die Amygdala direkten Lichteinfall von der Netzhaut, wobei Licht möglicherweise auch eine Rolle beim angstbezogenen Lernen spielt. Eine direkte Wirkung von Licht auf die Amygdala stellt daher einen plausiblen Wirkmechanismus für die stimmungsaufhellende Wirkung auch von Licht beim Menschen dar. McGlashan et al. (2021) legten dazu ProbandInnen in einen… Weiterlesen »Die Wirkung von Licht auf negative Emotionen

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wirken bei Depressionen offenbar indirekt

Neuroplastizität ist die Fähigkeit des Gehirns, sich anzupassen, Neues zu verarbeiten und Aufgaben umzuverteilen, etwa wenn es zu einer körperlichen Einschränkung oder Sinnesbehinderung kommt. Jüngst hat sich gezeigt, dass auch selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (Selective Serotonin Reuptake Inhibitor – SSRI), häufig verschriebene Antidepressiva im Gehirn das Neurotransmitter-Regime und neuronale Netzwerke verändern und dabei auch die Neuroplastizität ankurbeln und so bestimmte Lernprozesse im Gehirn erleichtern. Reed et al. (2021) ist es mit bildgebenden Verfahren gelungen zu zeigen, dass Serotonin-Wiederaufnahmehemmer eine… Weiterlesen »Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wirken bei Depressionen offenbar indirekt

Unterschiede zwischen Trauer und Depression

Es kommt auch immer wieder vor, dass Menschen nach einem Verlust aufgrund ihrer Trauerreaktion von ÄrztInnen die Diagnose Depression erhalten und deshalb medikamentös behandelt werden. Zwar ist Denken und Fühlen von Trauernden tatsächlich ähnlich war wie bei einer Depression, aber es gibt auch deutlich Unterschiede: Bei den Trauernden kommen Aspekte wie die Sehnsucht nach der verlorenen Person und ein starkes Gefühl der Nähe zu ihr hinzu, wobei sich mit zunehmendem Abstand bei den Betroffenen diese Gedanken  auch… Weiterlesen »Unterschiede zwischen Trauer und Depression

Wie entstehen im Gehirn Kategorien?

Kategorisierung ist ein fundamentales Element nicht nur des menschlichen Denkens, denn jedes Mal, wenn ein Kind einen Sessel sieht, speichert es dieses konkrete Erlebnis, wobei es später basierend auf Ähnlichkeiten zwischen diesen abstrahiert, sodass das Gehirn des Kindes für die Eigenschaften und Funktionen von Sesseln eine eigene Kategorie Sessel bildet. So kann das Kind später neue Sessel schnell mit dieser Kategorie und dem darin enthaltenen Wissen verknüpfen, also etwa, dass man darauf sitzen kann. Diese Fähigkeit, sensorische… Weiterlesen »Wie entstehen im Gehirn Kategorien?

Richtiger Schlaf kann durch Ruhephasen nicht ersetzt werden

Übrigens sind Ruhephasen kein Ersatz für Schlafphasen, denn Schlaf fördert die Anpassung des Verhaltens und die zugrunde liegende neuronale Plastizität im Vergleich zum aktiven Wachzustand. Nissen et al. (2021) ließen Probanden üben, bestimmte visuelle Muster zu erkennen und zu unterscheiden. Im Anschluss war eine Gruppe wach und sah dabei Videos oder spielte Tisch­ten­nis, während eine andere Gruppe für eine Stunde schlief und eine dritte Gruppe in einem abge­dunkelten Raum ohne äußere Reize und unter kontrollierten Schlaflaborbedingungen wach… Weiterlesen »Richtiger Schlaf kann durch Ruhephasen nicht ersetzt werden