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Forschung

In dieser Kategorie werden die neuesten Forschungsergebnisse aus der Psychologie und Pädagogik berichtet.

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wirken bei Depressionen offenbar indirekt

Neuroplastizität ist die Fähigkeit des Gehirns, sich anzupassen, Neues zu verarbeiten und Aufgaben umzuverteilen, etwa wenn es zu einer körperlichen Einschränkung oder Sinnesbehinderung kommt. Jüngst hat sich gezeigt, dass auch selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (Selective Serotonin Reuptake Inhibitor – SSRI), häufig verschriebene Antidepressiva im Gehirn das Neurotransmitter-Regime und neuronale Netzwerke verändern und dabei auch die Neuroplastizität ankurbeln und so bestimmte Lernprozesse im Gehirn erleichtern. Reed et al. (2021) ist es mit bildgebenden Verfahren gelungen zu zeigen, dass Serotonin-Wiederaufnahmehemmer eine… Weiterlesen »Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wirken bei Depressionen offenbar indirekt

Unterschiede zwischen Trauer und Depression

Es kommt auch immer wieder vor, dass Menschen nach einem Verlust aufgrund ihrer Trauerreaktion von ÄrztInnen die Diagnose Depression erhalten und deshalb medikamentös behandelt werden. Zwar ist Denken und Fühlen von Trauernden tatsächlich ähnlich war wie bei einer Depression, aber es gibt auch deutlich Unterschiede: Bei den Trauernden kommen Aspekte wie die Sehnsucht nach der verlorenen Person und ein starkes Gefühl der Nähe zu ihr hinzu, wobei sich mit zunehmendem Abstand bei den Betroffenen diese Gedanken  auch… Weiterlesen »Unterschiede zwischen Trauer und Depression

Wie entstehen im Gehirn Kategorien?

Kategorisierung ist ein fundamentales Element nicht nur des menschlichen Denkens, denn jedes Mal, wenn ein Kind einen Sessel sieht, speichert es dieses konkrete Erlebnis, wobei es später basierend auf Ähnlichkeiten zwischen diesen abstrahiert, sodass das Gehirn des Kindes für die Eigenschaften und Funktionen von Sesseln eine eigene Kategorie Sessel bildet. So kann das Kind später neue Sessel schnell mit dieser Kategorie und dem darin enthaltenen Wissen verknüpfen, also etwa, dass man darauf sitzen kann. Diese Fähigkeit, sensorische… Weiterlesen »Wie entstehen im Gehirn Kategorien?

Richtiger Schlaf kann durch Ruhephasen nicht ersetzt werden

Übrigens sind Ruhephasen kein Ersatz für Schlafphasen, denn Schlaf fördert die Anpassung des Verhaltens und die zugrunde liegende neuronale Plastizität im Vergleich zum aktiven Wachzustand. Nissen et al. (2021) ließen Probanden üben, bestimmte visuelle Muster zu erkennen und zu unterscheiden. Im Anschluss war eine Gruppe wach und sah dabei Videos oder spielte Tisch­ten­nis, während eine andere Gruppe für eine Stunde schlief und eine dritte Gruppe in einem abge­dunkelten Raum ohne äußere Reize und unter kontrollierten Schlaflaborbedingungen wach… Weiterlesen »Richtiger Schlaf kann durch Ruhephasen nicht ersetzt werden

Erinnern vs Lernen – stabile und flexible Netzwerke im Hippocampus

Erinnerungen sind ein wichtiger Teil des Lebens, wobei über die Sinne Erlebtes in das Gehirn gelangt, wo es Netzwerke aus Nervenzellen erst zu einer Erinnerung kodieren. Daher bilden stabile Verbindungen zwischen Nervenzellen die wesentliche Grundlage von Erinnerungen. Castello-Waldow et al. (2020) haben den Hippocampus, also den Teil des Gehirns, der für Erinnerungen und das Lernen wichtig ist untersucht. Dabei hatte man sieben Tage lang mit der „Deep-Brain Two-Photon Mikroskopie“ die Struktur und Funktion von tiefliegenden Gehirnregionen von… Weiterlesen »Erinnern vs Lernen – stabile und flexible Netzwerke im Hippocampus

Verstellt ein Happy End den Blick auf die Vorgeschichte?

Die menschliche Fähigkeit, eine Erfahrung rückblickend zu bewerten, ist wichtig, weil sie es erlaubt, en Erfolg oder Misserfolg in einem Gesamtwert zusammenzufassen, wobei dieser zusammenfassende Wert dann später als Leitfaden bei der Entscheidung diene kannn, ob diese Erfahrung eine Wiederholung verdient oder ob sie stattdessen lieber vermieden werden sollte. Dabei neigen Menschen dazu, dem späteren Teil einer Erfahrung ein unverhältnismässig hohes Gewicht beizumessen, was zu einer schlechten Entscheidung bei der Wiederholung oder dem Vermeiden von Erfahrungen führen… Weiterlesen »Verstellt ein Happy End den Blick auf die Vorgeschichte?

Die Bedeutung von Regel für den Menschen

Roland Pfister von der Universität Würzburg untersuchte den Einfluss von Regeln auf das Verhalten des Menschen, was vermutlich daran liegt, dass Regeln für das Gehirn eine große Bedeutung haben. Wer sich regelwidrig verhält und dabei erwischt wird, dem drohen Strafen, doch sind Sanktionen nicht der Hauptgrund dafür, warum Menschen sich meist an Regeln halten, vielmehr ist es für Menschen generell schwierig, Regeln zu brechen. Auch unbeobachtet halten sich Menschen an Regeln und haben große Schwierigkeiten, dagegen zu… Weiterlesen »Die Bedeutung von Regel für den Menschen

Wie die Bildung von Erinnerungen im Hippocampus funktionieren könnte

Fredes et al. (2020) haben die Bildung von Erinnerungen untersucht, indem sie den Signalweg im Hippocampus im Gehirn kontrollierten und zeigten, wie dieser die Bildung von Erinnerungen beim Erleben neuer Umgebungen steuert. Der Hippocampus ist bekanntlich jener zentraler Bereich im Gehirn, der eine zentrale Rolle bei der Übertragung von Informationen aus dem Kurzzeitgedächtnis in das Langzeitgedächtnis spielt. Dabei konzentrierte man sich in dieser Untersuchung auf die Verbindung zwischen den Moos-Zellen, die Signale von Sinneseindrücken über die Umwelt… Weiterlesen »Wie die Bildung von Erinnerungen im Hippocampus funktionieren könnte

Zelluläre und molekulare Mechanismen zur Steuerung der lernsensiblen Phasen

Die postnatale Entwicklung des Gehirns ist nach der Geburt durch zeitlich begrenzte, funktionsspezifische Fenster hoher Plastizität gekennzeichnet, die man als kritische oder sensible Phasen bezeichnet. Diese lernsensiblen Phasen treten auf, indem bestimmte Bereiche des Gehirns durch Reifungs- und Differenzierung-Prozesse weiter ausgebaut werden und somit leicht und schnell neuronale Verknüpfungen entstehen, die die Plastizität des Gehirns erhöhen. So ist der natürliche Spracherwerb bei Säuglingen das bekannteste Beispiel für solch eine sensible Phase. Die neuronale Plastizität gibt dem Gehirn… Weiterlesen »Zelluläre und molekulare Mechanismen zur Steuerung der lernsensiblen Phasen

Kann man mit Rückwärtszählen Schmerzen lindern?

Bisherige Untersuchungen zeigten, dass eine erhöhte Aufmerksamkeit und emotionale Faktoren das Schmerzempfinden verstärken können, denn konzentriert man sich auf den Schmerz, erscheint er oft schlimmer, während es andererseits Hinweise darauf gibt, dass Ablenkung die Schmerzen dämpfen kann. Allerdings ist die genaue Art, wie sich dabei die Vernetzungen im gesamten Gehirn verändern, insbesondere bei sich lindernden Schmerzen, noch unklar, sodass nun von Schulz et al. (2020) untersuchten, wie kognitive Interventionen bzw. kognitive Strategien zur Schmerzlinderung die Gehirnaktivität beeinflussen… Weiterlesen »Kann man mit Rückwärtszählen Schmerzen lindern?