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Grundlagen

In einer Pause beim Lernen übt das Gehirn im Schnelldurchlauf

Man weiß schon seit langem, dass die Einführung von Pausen, die mit dem Üben von Fertigkeiten verbunden sind, die Konsolidierung dieser Fertigkeiten im Wachzustand stärkt. Allerdings sind die Mechanismen, durch die das Gehirn diskrete Handlungsrepräsentationen zu konsolidierten, zeitlich hoch aufgelösten Fähigkeitssequenzen während der wachen Ruhe bindet, nicht näher bekannt. Um diese Frage zu klären, haben Buch et al. (2021) die Magnetoenzephalographie während des Erwerbs und der schnellen Konsolidierung einer sequenziellen motorischen Fertigkeit aufgezeichnet. Dabei mussten die Probanden… Weiterlesen »In einer Pause beim Lernen übt das Gehirn im Schnelldurchlauf

Wie kann das Gehirn Eigenbewegung und Fremdbewegung unterscheiden?

Die Erkennung von Objekten, die sich in der Umgebung bewegen, ist eine grundlegende Berechnung, die das visuelle System des Menschen durchführt. Diese Berechnung wird durch die Eigenbewegung des Betrachters erheblich erschwert, da sich dabei ja die meisten Objekte über das Netzhautbild bewegen. Verhaltensstudien deuten darauf hin, dass das visuelle System lokale Konflikte zwischen der Bewegungsparallaxe und den binokularen Disparitätssignalen für die Tiefe erkennen und diese Signale verwenden kann, um sich bewegende Objekte zu erkennen. Kim et al.… Weiterlesen »Wie kann das Gehirn Eigenbewegung und Fremdbewegung unterscheiden?

Neurobiologisches Modell kreativer Prozesse

Kreativität wird mit dem Finden neuartiger, überraschender und nützlicher Lösungen in Verbindung gebracht. Khalil & Moustafa (2022) argumentieren in ihrer Arbeit, dass kreative kognitive Prozesse, divergentes Denken, Abstraktion und Improvisation auf verschiedenen neuheitsbezogenen Prozessen des menschlichen Gehirns beruhen, obwohl viele glauben, dass die Kreativität nur einer einzigen Gehirnregion zugeordnet ist, was aber nicht der Fall ist. Der präfrontale Cortex spielt bei der kreativen Ideenfindung eine Rolle, indem er einen Kontrollmechanismus bereitstellt. Darüber hinaus aktiviert das Nachdenken über… Weiterlesen »Neurobiologisches Modell kreativer Prozesse

Das geburtshilfliche Dilemma in der Evolution des Menschen

Menschliche Säuglinge kommen bekanntlich neurologisch unreif zur Welt, was möglicherweise auf den widersprüchlichen Selektionsdruck zwischen zweibeiniger Fortbewegung und Gehirnentwicklung zurückzuführen ist, wie die Hypothese des geburtshilflichen Dilemmas nahelegt, das Frémondière et al. (2022) untersucht haben. Australopithecinen waren dabei ideal für die Untersuchung dieses Zielkonflikts, da diese ein zweibeinig angepasstes Becken, aber relativ kleine Gehirne besaßen. Geburtssimulationen zeigten, dass die Rotationsgeburt nicht allein aus der Knochenmorphologie abgeleitet werden kann, da verglichen mit den Menschenaffen die Geburt bereits bei… Weiterlesen »Das geburtshilfliche Dilemma in der Evolution des Menschen

Schlafmangel verändert die Wahrnehmung von Gesichtern

Gesichtsausdrücke sind bekanntlich entscheidend für soziale Interaktionen. Wie man weiß, erhöht akuter Schlafmangel die Reaktionsfähigkeit des Gehirns auf positive und negative affektive Reize. Van Egmond et al. (2022) überprüften daher die Hypothese, dass Menschen trotz der bekannten verminderten Aufmerksamkeit aufgrund von akutem Schlafmangel länger auf glückliche, wütende und ängstliche Gesichter blicken als auf neutrale Gesichter, wenn sie unter Schlafentzug leiden. Sie untersuchten auch, ob Gesichtsausdrücke nach akutem Schlafverlust anders wahrgenommen werden. An der vorliegenden Studie nahmen junge… Weiterlesen »Schlafmangel verändert die Wahrnehmung von Gesichtern

Das Verhören bei ähnlichen Lauten beginnt schon in den Ohren

Heeringa & Köppl (2022) haben untersucht, welche Informationen der Hörnerv von Mongolischen Wüstenrennmäusen als elektrische Reize ans Gehirn überträgt, wenn den Tieren unterschiedliche Laute vorgespielt werden. Da es eine wesentliche Herausforderung beim Hören ist, die gewünschten Informationen von anderen, Menschen und Tiere ständig umgebenden Hintergrundgeräuschen abzugrenzen, spielten sie den Tieren nicht nur verschiedene einsilbige Sprachproben vor, sondern gleichzeitig Nebengeräusche, die einem Stimmengewirr ähnelten. Diese Geräuschkulisse aus Sprachproben und Nebengeräuschen gelangt als Schallwelle, die das Trommelfell vibrieren lässt,… Weiterlesen »Das Verhören bei ähnlichen Lauten beginnt schon in den Ohren

Gehirngröße und Fleischkonsum

Viele wesentliche menschliche Merkmale wie größere Gehirne treten erstmals beim Homo erectus auf. Die Entwicklung dieser Merkmale wird gemeinhin mit einer grundlegenden Ernährungsumstellung in Verbindung gebracht, die mit einem erhöhten Verzehr von Fleisch einherging. Frühe archäologische Stätten, die Beweise für Fleischfresser enthalten, liegen vor dem Auftreten von Homo erectus, aber größere, gut erhaltene Stätten erscheinen erst nach der Ankunft von Homo erectus. Dieses qualitative Muster ist ein Schlüsselthema für den Standpunkt „Fleisch hat uns menschlich gemacht“, aber… Weiterlesen »Gehirngröße und Fleischkonsum

Wenn das Gehirn von Hören auf Zuhören umschaltet

Die sensorische Verarbeitung im Gehirn variiert bekanntlich je nach Verhaltenskontext und verändert sich auch, wenn das bloße Hören zum Zuhören wird. Die Hörbahn im Gehirn besteht aus mehreren Kernarealen und leitet die akustische Information von der Cochlea zur primären Hörrinde. De Franceschi & Barkat (2021) fragten sich, wie die Beschäftigung mit einer Aufgabe die Neuronen im auditorischen System moduliert, und trainierten Mäuse in einer einfachen Aufgabe zur Tonerkennung und verglichen die neuronale Aktivität während des passiven Hörens… Weiterlesen »Wenn das Gehirn von Hören auf Zuhören umschaltet

Jüngere und ältere Menschen suchen unterschiedlich nach Wörtern

Wenn Menschen älter werden, fällt es ihnen zunehmend schwerer, im entscheidenden Moment die richtigen Wörter parat zu haben, und das, obwohl ihr Wortschatz im Laufe des Lebens eigentlich kontinuierlich anwächst. Nun haben Martin et al. (2021)  herausgefunden, dass es die Netzwerke im Gehirn sind, die ihre Kommunikation im Laufe der Zeit verändern, was sie ineffizienter macht. Man hat zwei Gruppen untersucht, und zwar jüngere Probanden und Probandinnen zwischen 20 und 35 Jahren und ältere zwischen 60 und… Weiterlesen »Jüngere und ältere Menschen suchen unterschiedlich nach Wörtern

Wie Menschen im Raum navigieren

Menschen navigieren in einer Umgebung und erinnern sich später an Orte, wobei Nervenzellen Richtungen und Entfernungen relativ zum navigierenden Organismus kodieren. Kunz et al. (2021) entdecken einen neuen Zelltyp im Gehirn und fanden Hinweise, wie er an Navigation und Gedächtnis beteiligt ist. Um die zellulären Mechanismen zu untersuchen, zeichnete man im Gehirn die Aktivität von mehr als tausend Neuronen bei Probanden und Probandinnen eines Epilepsiezentrums auf, denen für diagnostische Zwecke Elektroden implantiert worden waren. Die Probanden und… Weiterlesen »Wie Menschen im Raum navigieren