Jüngere und ältere Menschen suchen unterschiedlich nach Wörtern

Wenn Menschen älter werden, fällt es ihnen zunehmend schwerer, im entscheidenden Moment die richtigen Wörter parat zu haben, und das, obwohl ihr Wortschatz im Laufe des Lebens eigentlich kontinuierlich anwächst. Nun haben Martin et al. (2021)  herausgefunden, dass es die Netzwerke im Gehirn sind, die ihre Kommunikation im Laufe der Zeit verändern, was sie ineffizienter macht. Man hat zwei Gruppen untersucht, und zwar jüngere ProbandInnen zwischen 20 und 35 Jahren und ältere zwischen 60 und 70 Jahren. Beide sollten im MRT-Scanner liegend Wörter nennen, die zu bestimmten Kategorien gehören, darunter Tiere, Metalle oder Fahrzeuge. Beide Altersgruppen waren zwar gut darin, Begriffe zu finden, jedoch die Jüngeren waren etwas schneller, was in den unterschiedlichen Gehirnaktivitäten lag, denn bei den Jüngeren waren nicht nur die Sprachareale selbst aktiver, sondern es zeigte sich auch ein intensiverer Austausch innerhalb von zwei Netzwerken, dem Netzwerk für das semantische Gedächtnis, in dem Faktenwissen abgespeichert ist, und dem exekutiven Netzwerk, das für allgemeine Funktionen wie Aufmerksamkeit und Gedächtnis zuständig ist. Bei den Älteren hingegen zeigten exekutive Areale stärkere Aktivität, was darauf hinweist, dass die Aufgabe für diese Personen insgesamt schwieriger zu bewältigen war. Auch war der Austausch innerhalb der entscheidenden Netzwerke weniger effektiv als bei den Jüngeren, d. h., am ehesten profitierte die ältere Gruppe vom Austausch zwischen den Netzwerken, was allerdings mit Einbußen verbunden war, denn die Kommunikation innerhalb von neuronalen Netzwerken ist effizienter und damit schneller als zwischen verschiedenen Netzwerken. Noch ist unklar, warum sich diese Aktivitätsmuster mit dem Alter verschieben, aber man vermutet, dass Menschen sich im Laufe der Jahre mehr auf ihr Sprachwissen verlassen, sodass der Austausch zwischen Netzwerken in den Fokus rückt, während sich jüngere Menschen stärker auf ihr schnelles Arbeitsgedächtnis und kognitive Kontrollprozesse verlassen. Auch könnte auf struktureller Ebene der Abbau von grauer Hirnsubstanz eine Rolle spielen, der durch den Austausch zwischen den Netzwerken kompensiert werden muss.

Anmerkung: Dass älteren Menschen aufgrund des größeren Wortschatzes das Finden einzelne Wörter schwer fällt, könnt auch schlicht daran liegen, dass eben in einem größeren Kompendium gesucht werden muss.

Literatur

Martin, Sandra, Saur, Dorothee & Hartwigsen, Gesa (2021). Age-Dependent Contribution of Domain-General Networks to Semantic Cognition, Cerebral Cortex, doi:10.1093/cercor/bhab252.
https://www.mpg.de/17418358/0902-nepf-warum-uns-mit-dem-alter-woerter-schlechter-einfallen-149575-x (21-09-01)


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