Die Bedeutung von Regel für den Menschen

Roland Pfister von der Universität Würzburg untersuchte den Einfluss von Regeln auf das Verhalten des Menschen, was vermutlich daran liegt, dass Regeln für das Gehirn eine große Bedeutung haben. Wer sich regelwidrig verhält und dabei erwischt wird, dem drohen Strafen, doch sind Sanktionen nicht der Hauptgrund dafür, warum Menschen sich meist an Regeln halten, vielmehr ist es für Menschen generell schwierig, Regeln zu brechen. Auch unbeobachtet halten sich Menschen an Regeln und haben große Schwierigkeiten, dagegen zu verstoßen.

Menschen suchen in den meisten Situationen nach Strukturen, an die sie sich halten können, d. h., Regeln und Regelmäßigkeiten sind sehr wichtig für das Gehirn, denn ohne Regeln würde die Welt völlig chaotisch erscheinen. Wenn nun Regeln für das Gehirn eine so große Bedeutung haben, können sie nicht einfach ausgeblendet werden, und jedes Mal, wenn Menschen eine Regel übertreten, zögern sie innerlich kurz, was in Computerexperimenten an der Art und Weise sichtbar wurde, wie Versuchspersonen sich zum Zeitpunkt eines Regelbruchs verhalten. In einem aktuellen Experiment etwa schlüpfen die Versuchspersonen in die Rolle von Pizzaausfahrern. Sie wissen, dass sie in eine bestimmte Straße nicht hineinfahren dürfen. Allerdings würde die Benutzung dieser Straße eine erhebliche Abkürzung bedeuten. Im Schnitt verstößt aber jeder zweite Versuchsteilnehmer zumindest gelegentlich gegen die Straßenregel. Allerdings zögern alle für einen Moment, bevor sie jene Computertaste drücken, die in die Einbahnstraße hineinführt.

Regeln haben daher generell für das menschliche Gehirn eine große Bedeutung, denn Menschen suchen in den meisten Situationen nach Strukturen, an die sie sich halten können, da ohne Regeln die Welt völlig chaotisch erscheinen würde. Da Regeln für das Gehirn eine so große Bedeutung haben, können sie nicht einfach ausgeblendet werden, sodass man jedes Mal, wenn man eine Regel übertreten will, innerlich kurz zögert. Wichtig ist dabei aber auch, wie Regeln kommuniziert werden, denn ob man sich an Regel hält oder diese bricht, liegt aber auch daran, wie Regeln kommuniziert werden, also ob sie als Gebot oder als Verbot daherkommen. Pfister et al. (2016, 1920) hat dazu Experimente durchgeführt, die vermuten lassen, dass Verbote weniger effektiv sind als Gebote, was am Wort ‚nicht‘ liegt, das in Verboten auftaucht. Mit einer Negation kann ein Gehirn wenig anfangen, da jede Negation letzlich auch das beinhalten muss, woran man gerade nicht denken soll. Für Roland Pfister ist Regelverhalten ein äußerst spannendes Thema, denn zum einen betrifft es jeden Menschen, zum anderen können die Erkenntnisse, die aus den Forschungen resultieren, von großer Bedeutung für die Gesetzgebung und den Gesetzesvollzug sein. Erhärtet sich die These, dass Verbote weniger wirksam sind als Gebote, müsste neu über die Formulierung von Vorschriften, Anweisungen und Gesetzen nachgedacht werden. Interessant ist darüber hinaus die Frage, aus welchem Grund Menschen Regeln verletzen. Viele Gründe sind theoretisch denkbar.

Interessant ist darüber hinaus die Frage, aus welchem Grund Menschen Regeln verletzen. Regeln werden etwa dann leichter übertreten, wenn der Verstoß Vorteile mit sich bringt. Ein weiterer Grund für Regelverletzungen kann sein, dass es widersprechende Informationen oder zu inklare Formulierungen gibt, wobei manche Menschen gewisse Regeln auch für unsinnig halten. Übrigens werden in abstrakten Experimenten auch solche Regeln befolgt, die keinerlei Nutzen und keinerlei Relevanz haben, denn so halten sich viele Versuchspersonen an die Anweisung, auf einem iPad bestimmte Wischbewegungen zu machen, auch wenn es keinen Schaden verursachen würde, in die andere Richtung zu wischen. Generell zeigt sich, dass der Mensch für Regelbrüche nicht gemacht ist, und selbst dort, wo Regeln gebrochen werden, kann sich das Gehirn nicht ohne Weiteres darüber hinwegsetzen, sondern bleibt immer von aktuell geltenden Regeln beeinflusst.

Literatur

Pfister, R., Wirth, R., Weller, L., Foerster, A., & Schwarz, K. A. (2019). Taking shortcuts: Cognitive conflict during motivated rule-breaking. Journal of Economic Psychology, 71, 138-147.
Pfister, R., Wirth, R., Schwarz, K., Steinhauser, M., & Kunde, W. (2016). Burdens of non-conformity: Motor execution reveals cognitive conflict during deliberate rule violations. Cognition, 147, 93-99.
https://idw-online.de/de/news756180 (20-11-12)