Einsamkeit als Stressfaktor

Es macht bekanntlich einen Unterschied, ob man die Ruhe der Einsamkeit aus der sozialen Integration heraus sucht, oder ob man unfreiwillig viele Stunden am Tag, vielleicht sogar viele Tage die Woche, allein ist, wobei es in der Bewertung und Stressbelastung des Gehirns einen gehörigen Unterschied macht, ob man im Trubel der Arbeit und des Alltages seine Einsamkeit in Ruhe und Muße sucht, oder ab man sich alleingelassen fühlt, ausgeschlossen aus Gemeinschaften und keinen Anschluss findet.

Einsamkeit durch soziale Isolation führt wie Schmerzen aus einer körperlichen Ursache zu Dauerstress im Körper, der einige Areale im Gehirn aktiviert, die über Hormone die Freisetzung von Stresshormonen im Blut fördert, die sich bei langer Dauer negativ auf das Blutgefäßsystem, das Herz und am Ende rückwirkend auch auf das Gehirn auswirken. Dies kann auf Dauer zu Schädigungen und zu Fehlregulation im Gehirn führen, sodass stimmungsaufhellende Neurotransmittersysteme nicht mehr aktiviert werden. Dadurch kann Einsamkeit ein unentdeckter Krankheitsverursacher sein, bis hin zu Herzinfarkten, Schlaganfällen, Demenz und Depression.

Siehe auch Risikofaktor Einsamkeit .


Die Einsamkeit
hockt wie eine Bettlerin
vor meinem Haus.

Sie fordert nichts –
und keine Gabe
öffnet ihre Faust.

Ihr leerer Blick
durchdringt die Tür,
die ich vergeblich
vor ihr verschließe.

Ihr lautes Schweigen
dringt in jeden Raum,
in den ich fliehe.

Sie nistet achtlos
wie ein schwarzer Vogel
in den Gedanken.

Der Mantel der Nacht
kann mich nicht wärmen,
aus dem Zerrbild der Träume
gebiert sich ein neuer Tag.


Quelle
Stangl, W. (2018). Die Einsamkeit. SIEB.10 @ 4711.
WWW: http://literatur.stangl.eu/die-einsamkeit/ (2018-06-09).