Wirkung von Schokolade auf die Psyche

Generell liefern süße Nahrungsmittel Kohlenhydrate in Form von Zucker, wobei Kohlenhydrate die Insulinproduktion ankurbeln und Insulin die Aufnahme der Aminosäure Tryptophan ins Gehirn beschleunigt.  Der menschliche Organismus ist nicht in der Lage, diese Aminosäure herzustellen, sodass er auf die Zufuhr mit der Nahrung angewiesen ist. Schokolade besteht im Wesentlichen aus Kakao, Kakaobutter, Milcheiweiß und Zucker, und da Kakao und Milcheiweiß viel Tryptophan enthalten, wird die Synthese von Glückshormonen angeregt.

Aus Tryptophan entsteht übrigens auch Serotonin, das für Ruhe und Harmonie sorgt, denn es synchronisiert die einzelnen Gehirnregionen und so verbreitet dadurch ein absolutes Glücksgefühl. Gleichzeitig ist Tryptophan auch eine Vorstufe für die Melatoninsynthese, das vor allem in der Dunkelheit produziert wird und schläfrig macht.
Die Aminosäure Tryptophan kommt in unserer Nahrung übrigens selten vor und ist in Avocados, Bananen, Datteln, Erdbeeren, Wassermelonen, Gurken, Karotten, Kopfsalat, Kartoffeln, Knoblauch, Tomaten, Sellerie, Hülsenfrüchte, Haferflocken, Weizenkeime, Haselnüsse, Mandeln, Pistazien, Huhn, Pute, Thunfisch, Rindfleisch, Topfen, Käse zu finden.

Nach neueren Hypothesen wird, sobald Menschen auch nur Schokolade sehen, die opiumähnliche Substanz Enkephalin von einem kleinen Gehirnareal freigesetzt, die dann wird im Gehirn den “Iss jetzt”- und “Iss mehr davon”-Befehl auslöst. Die Versuche wurden allerdings nur an Ratten durchgeführt, deren Enkephalinproduktion stieg, sobald sie Schokolade sahen und zu fressen begannen. Injizierten die Forscher zuvor eine kleine Menge dieser Substanz, verschlangen sie sogar doppelt so schnell und viel: 17 Gramm Schokolade pro Ratte, was beim Menschen 3,6 Kilogramm entspräche.

Experimente zeigen, dass die Schokolade als stimmungsaufhellende Anregung durch die Kombination von Zucker und Fett besonders wirksam ist, wobei bereits der Geruch als Erinnerungstrigger ausreicht, um das Belohnungszentrum im Gehirn zu aktivieren. Dieses System springt an, wenn der Mensch Dinge isst, die er mag und die für ihn eine positive emotionale Bedeutung haben, wobei es für die meisten Menschen süße und fette, dadurch energiereiche Lebensmittel sind. Das liegt daran, dass Menschen im Laufe der Evolution darauf achten mussten, ihren Körper mit ausreichend Energie zu versorgen, wofür der Körper mit guter Stimmung belohnt. Ähnlich wirksam wie Schokolade ist die Banane, denn schon beim Bananenduft beginnt eine Wirkungskette, die zunächst die Produktion von Insulin anregt, das den Botenstoff Tryptophan in Gang setzt, woraus dann Serotonin gebildet wird. Übrigens kann man sich tagelang nur von Bananen ernähren, denn ihre Vitamine, Mineralstoffe, Enzyme und Hormonsubstanzen sorgen dafür, ohne unter Mangelerscheinungen zu leiden, wobei Bananen mit hohem Kohlenhydratanteil auch sehr kalorienreich sind.

Flavanole sind eine Untergruppe pflanzlicher Flavonoide, die in Kakao, Trauben, Äpfeln, Tee, Beeren und anderen Lebensmitteln enthalten sind, wobei bekannt ist, dass sie sich positiv auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit auswirken. Gratton et al. (2020) haben in einer Untersuchung nun gezeigt, dass Flavanole auch die geistige Beweglichkeit bei komplexen Denkaufgaben steigern kann. In einer Studie wurde bei jungen Probanden die Durchblutung des Gehirns künstlich reduziert, indem man die Atemluft mit Kohlendioxid angereichert hat. Bei jener Gruppe, die zuvor Kakao getrunken hatten, stellte sich nicht nur bis zu eine Minute schneller wieder ein hoher Sauerstoffgehalt im Blut ein, sondern der Anstieg war auch deutlich stärker als bei denen, die ein anderes Getränk eingenommen hatten. Allerdings zeigte sich dies nur, wenn die Aufgaben ausreichend kompliziert waren, denn nur wenn Menschen bei Aufgaben stärker gefordert werden, benötigte ihr Gehirn einen höheren Blutsauerstoffgehalt, um die Herausforderung dann zu bewältigen. Dies lässt vermuten, dass Flavanole bei anspruchsvollen Denkaufgaben nützlich sein könnten.


In einer Tageszeitung steht daher als Überschrift:

Studie: Kakaotrinken könnte Intelligenz fördern


Ein weiterer Bestandteil vom Schokolade ist Epicatechin, das zu den Flavonoiden gehört und nicht nur in Schokolade sondern auch in grünem Tee und Rotwein zu finden ist. Zwar wurde dunkler Schokolade mit hohem Kakaoanteil bereits verschiedene gesundheitsfördernde Effekte zugeschrieben, etwa dass sie die Durchblutung verbessert,  den Cholesterinspiegel und den Blutdruck senkt, die Alterung verlangsamt und auch Gedächtnis und geistige Leistungsfähigkeit verbessert. Allerdings ist es schwierig, die Wirkung eines einzigen Nahrungsmittels auf ein so komplex reguliertes System wie das menschliche Gedächtnis von der anderer Einflussfaktoren zu trennen. Jedoch ist es kanadischen Forschern 2012 in einem komplexen Experiment gelungen, bei Wasserschnecken eine Verbesserung ihrer Gedächtnisleistung zu erreichen. Der Inhaltsstoff Theobromin aus der Kakaobohne wirkt zwar anregend und die in Schokolade enthaltene Menge ist für Menschen weitgehend ungefährlich, ist allerdings für Hunde und Katzen gefährlich, denn diese können sogar daran sterben.

Dunkle Schokolade und Vitamin D

Vitamin D ist wichtig für die Stabilität der Knochen und das Immunsystem, wobei die meisten Menschen nicht ausreichend damit versorgt sind, vor allem im Herbst und Winter leiden viele unter einem erheblichen Mangel. Der Großteil des Bedarfs an Vitamin D muss von der Haut durch die Einwirkung von Sonnenstrahlen gebildet werden, denn über die Nahrung lässt sich keine ausreichende Menge aufnehmen, wobei Vitamin-D-haltige Lebensmittel vor allem fetter Fisch, Hühnereier und Pilze sind, also Lebensmittel, die nicht alle Menschen schätzen. Aber auch Kakaobutter und dunkle Schokolade enthalten dieses Vitamin. Kakaobohnen werden nämlich nach der Fermentation getrocknet, indem man sie auf Matten legt und sie ein bis zwei Wochen der Sonne aussetzt, wobei sich die Vorstufen des Vitamins in den Kakaobohnen, die vermutlich aus harmlosen Pilzen stammen, zu Vitamin D2 umwandeln. In den fertigen kakaohaltigen Produkten variiert der Gehalt allerdings sehr stark, wobei in dunkler Schokolade relativ viel Vitamin D enthalten ist, in weißer Schokolade hingegen nur wenig. Allerdings müsste müsste man Unmengen an Schokolade essen, um darüber den Bedarf an Vitamin D2 zu decken, was aufgrund des hohen Zucker- und Fettanteils extrem ungesund ist.

Ein Forschungsprojekt an der Universität Freiburg, das an der Sonne getrocknete Champignons untersuchte, fand darin ebenfalls beträchtliche Mengen Vitamin D. Für eine Tagesdosis genügt es, 30 Gramm in fünf Millimeter dicke Scheiben geschnittene Pilze an einem Sommertag 30 Minuten in die Mittagssonne zu legen.

Schokolade und Gedächtnis

Nach einer Studie (Brickman et al., 2014) kann ein speziell zubereiteter Kakaotrunk mit hohem Anteil an Flavonoiden einem altersbedingtem Gedächtnisverlust entgegen wirken, wobei Flavonoide in unterschiedlicher auch in Trauben, Heidelbeeren, Äpfeln und anderen Früchten sowie in einigen Gemüse- und Teesorten enthalten sind. In der Studie nahmen ProbandInnen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren täglich ein kakaohaltiges Getränk zu sich, wobei eine unterschiedlich hohe Dosis an Flavonoiden verabreicht wurde (900 Milligramm  vs Milligramm). Wenn die Gruppe der 900-Milligramm-Probanden zu Beginn der Studie das Erinnerungsvermögen von typischen 60-Jährigen hatten, wiesen sie nach drei Monaten im Schnitt die Gedächtnisleistung eines 30- bis 40-Jährigen auf. Für die Studie wurden die Flavonoide allerdings mit einem speziellen Verfahren aus den Kakaobohnen extrahiert, sodass der ausschließliche Konsum von mehr Schokolade nicht hilfreich ist.

Schokolade und Haschisch

Das in der Schokolade enthaltene Anandamid dockt übrigens im Gehirn am selben Rezeptor an wie Tetrahydrocannabinol (THC) an, hat aber in der geringeren Konzentration eine sehr viel schwächere Wirkung als THC, ist aber dennoch aktiv. Es ist aber Unsinn zu behaupten, dass Schokolade denselben chemischen Wirkstoff enthalte wie Haschisch.

Forschungsarbeiten zur Duftwirkung von Schokolade

Sogar die Hirnaktivität kann der Duft von Schokolade beeinflussen, ergab ein Experiment. Überraschendes Ergebnis: Geruch von Kaffee oder faulendem Fleisch hat keine Wirkung. “Kein anderer Geruch, den wir testeten, hatte derart starke Effekte wie der von Schokolade”, erklärt der Londoner Neuropsychologe Neil Martin. Zusammen mit Kollegen hatte er in einer Studie die Wirkung verschiedener Düfte auf den Menschen untersucht. Die Probanden saßen dabei in speziellen Räumen mit geruchsneutraler Luft, trugen Augenklappen und Ohrschützer, sodaß sie sich voll auf das Riechen konzentrieren konnten. Und während sie also mit diversen Aromen konfrontiert wurden, wurden ihre Gehirnaktivitäten gemessen. “Schokolade stellte sich in unserem Geruchsexperiment als Star heraus”, betont Martin.

Schokolade-Aroma erhöhte die Alpha- und die Beta-Aktivität der Hirnströme

Weder Pfefferminze noch das von gebackenen Bohnen konnten im Gehirn derartige Wirkungen auslösen wie Schokolade. Als “wohltuend, angenehm und sehr entspannend” empfanden die “Riecher” den Schokoladeduft. “Er scheint das Gehirn gleichzeitig zu entspannen und zu erregen, aber auch geistig wach zu machen”, schildert Martin.
Das Schokolade-Aroma erhöhte gleichzeitig die Alpha- und die Beta-Aktivität der Hirnströme. “Alpha wird häufig bei entspannten, aber wachsamen Erwachsenen gefunden, Beta wiederum bei Menschen, die eine Art mentaler Arithmetik betreiben”, erklärt Martin, der sich erwähnte Wirkungen der Schokolade nicht erklären kann. Vielleicht – mutmaßt er – wird das emotionale Zentrum im Gehirn aktiviert. Aber das wiederum ließe die Frage offen, warum nicht auch andere angenehme Düfte derlei Effekte auslösen.

Allerdings: Pfefferminztee fördert das Gedächtnis

Nach einer Studie wirkt sich der mentholhaltige Tee aus den Blättern der Pfefferminze positiv auf das Langzeitgedächtnis und das Arbeitsgedächtnis von Studienteilnehmern aus und machte sie aufmerksamer. Dabei unterscheidet er sich in dieser Hinsicht deutlich von Kamillentee, denn Tee aus Kamillenblüten reduziert sogar die Aufmerksamkeit und verlangsamt die Schnelligkeit des Gedächtnisses. Diese Ergebnisse stehen dabei im Einklang mit den Eigenschaften, die man den beiden Kräutern schon bisher zuschrieb. Die kann man auch in einem Hochbeet anpflanzen!

Macht Süßes Männer depressiv?

In einer Studie (Knüppel et al., 2017) fand man übrigens heraus, dass bei Männern, die gerne Süßes essen, ein erhöhtes Risiko für Depressionen oder Angststörungen besteht, wobei unklar bleibt, ob Männer mit psychischen Problemen nicht einfach häufiger zu Süßigkeiten greifen als Männer ohne diese Gestimmtheit. Zuckerschübe lassen den Blutzuckerspiegel erst schnell steigen und dann schnell wieder sinken, was möglicherweise langfristige Folgen haben könnte.


Der weiße Belag auf Schokolade

Der bei Schokolade manchmal auftretende weiße Belag hat mit Schimmel nichts zu tun, sondern es handelt sich um Fettreif, manchmal auch um Zuckerreif. Die weißliche Substanz besteht demnach entweder aus feinen Fett- oder Zuckerkristallen und macht die Schokolade nicht ungenießbar, jedoch kann der Geschmack etwas leiden, weil sich das Gefühl im Mund ändert und die Aromastoffe der Schokolade weniger spürbar sind. Dieser weiße Belag entsteht bei Fett durch Fettmigration, beim Zuckerreif ist hingegen Feuchtigkeit die Ursache, denn wenn sich diese auf Schokolade niederschlägt, kann sich Zucker aus der Substanz lösen und dann schließlich an der Oberfläche ausblühen. Das kommt vor allem dann vor, wenn man Schokolade im Kühlschrank lagert.

Tipps zu Aufbewahrung

Auch bei Hitze sollte man Schokolade nicht im Kühlschrank aufbewahren, denn dort bröckelt sie und verliert ihren Glanz. Die optimale Temperatur für Schokolade liegt zwischen 12 und 18 Grad. Bei der Aufbewahrung ist darauf zu achten, Schokolade trocken und geruchsneutral zu lagern, denn in der Nähe stark riechender Lebensmittel nimmt sie deren Gerüche an, wobei das vor allem für weiße Schokolade gilt. Auch Luft und Licht schaden der Schokolade, denn dadurch oxidieren die Fette, was den Geschmack verändert und Schokolade unangenehm riechen lässt.


Literatur

Adam M. Brickman, Usman A. Khan, Frank A. Provenzano, Lok-Kin Yeung, Wendy Suzuki, Hagen Schroeter, Melanie Wall,Richard P. Sloan & Scott A. Small (2014). Enhancing dentate gyrus function with dietary flavanols improves cognition in older adults. Nature Neuroscience. doi:10.1038/nn.3850.
Gratton, Gabriele, Weaver, Samuel R., Burley, Claire V., Low, Kathy A., Maclin, Edward L., Johns, Paul W., Pham, Quang S., Lucas, Samuel J. E., Fabiani, Monica & Rendeiro, Catarina (2020). Dietary flavanols improve cerebral cortical oxygenation and cognition in healthy adults. Scientific Reports, 10, doi10.1038/s41598-020-76160-9.
Knüppel, A., Shipley, M. J., Llewellyn, . H. & Brunner, E. J. (2017). Sugar intake from sweet food and beverages, common mental disorder and depression: prospective findings from the Whitehall II study. Scientific Reports, doi:10.1038/s41598-017-05649-7.
Stangl, W. (2018). Schimmel auf der Schokolade? – ? bemerkt.
WWW: http://bemerkt.stangl-taller.at/schimmel-auf-der-schokolade/ (2018-12-17).
Die Presse vom 12. Juni 1997
OÖN vom 10. Juni 2010
http://de.wikipedia.org/wiki/Tryptophan
http://www.fr.de/wissen/gesundheit/gesundheit-dunkle-schokolade-enthaelt-vitamin-d-a-1616419 (18-11-10)


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2 Gedanken zu „Wirkung von Schokolade auf die Psyche“

  1. Zuckersüchtige trinken fast ausschließlich Cola, Limo und ähnlich süße Getränke, denn ohne Zucker sinkt deren Laune rapide. Zuckersüchtige belohnen sich mit Zucker, essen gerne Dips, Soßen und herzhafte Nahrungsmittel mit viel Zucker, d. h., ihr Zuckerkonsum erhöht sich stetig, wobei Frühstück und Zwischenmahlzeiten meist aus süßen Snacks bestehen. Dabei sind die Folgen von zu viel Zucker alles andere als harmlos, denn Übergewicht, Diabetes, Karies und Fettleber sind die allgemein bekannten Folgen, doch Zucker sorgt auch für das Wachstum von Tumorzellen, denn Zucker lässt viele Krebsarten überhaupt erst entstehen. Jugendliche, die viel Zucker konsumieren, haben weniger Dopamin-Rezeptoren als ihre Altersgenossen, was zur Folge hat, dass sie mehr Zucker aufnehmen müssen, um das gleiche Glücksgefühl beim Essen zu erreichen. Hier hilft nur, komplett auf Zucker und Süßungsmittel zu verzichten, denn der Organismus gewöhnt sich daran und das Verlangen nach Süßem lässt nach, wobei auch Schlaf eine große Rolle spielt, denn wer zu wenig schläft, nimmt meist zu und wenn die Energie nachlässt, steigt die Lust auf Zucker. Auch Stress beeinflusst das Zucker-Bedürfnis, denn Süßes wirkt auf die Serotonin-Produktion, und wenn jemand viel Stress hat, greift er öfter nach Schokoriegeln und Kuchen. Man vermutet übrigens, dass Bewegung das Gehirn animiert, das Verlangen nach Süßem einzustellen, sodass man Sport oder ausgedehnte Spaziergänge in seinen Tagesablauf einbauen sollte.

    Siehe dazu Haushaltsdroge Industriezucker?

  2. Vielen Dank für den übersichtlichen Artikel über die Wirkung von Schokolade auf die menschliche Psyche.

    Es wird so oft und gerne von den Wirkungen der Schokolade gesprochen, jedoch nur gespeist aus einer Mischung von Alltagserfahrung und Legende (“Schokolade macht glücklich.” oder “Schokolade tröstet.”)

    Dieser Artikel erhellt die Zusammenhänge auf solider Grundlage und ist dabei sehr gut zu lesen.

    Nochmals Danke und
    viele Grüße
    Uli

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