Studien über Gefahren im Internet für Kinder und Jugendliche

Mobbing im Internet (Cybermobbing) belastet birgt für Jugendliche auch Risiken, deren Auswirkungen auf die Psyche noch wenig erforscht sind. Mit solchen negativen Erfahrungen junger Internetnutzer (1300 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren) befasste sich eine Studie von Thomas Bliesener am Institut für Psychologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Jugendliche suchen im Internet häufiger soziale Kontakte als Erwachsene, etwa drei Viertel sind auf einer Netzwerkseite wie “SchülerVZ” aktiv.
Neben Mobbing im Internet ist für SchülerInnen auch der leichte Zugang zu Pornografie und Gewaltszenen problematisch, denn viele Jugendliche berichten über sexuelle Angebote in Foren und Chats (Gleichaltrige oder Pädophile). Eher selten sind hingegen Kontaktversuche durch Sekten oder politische Gruppen. Jugendlichen haben zwar das Gefühl, dass diese Leute ihnen in der Realität nichts anhaben können und melden den betreffenden User dem Chat- oder Forenbetreiber, so dass er gesperrt wird, gleichzeitig wissen die meisten recht gut Bescheid über das Gefahrenpotential.

Cybermobbing ist für Kinder und Jugendliche meist schlimmer als reales Mobbing in der Schule, denn sie sind dann in der Regel zu Hause oder in ihrem Freizeitbereich sicher. Wenn aber intime Dinge über Jugendliche im Netz stehen oder peinliche Fotos verbreitet werden, können die Opfer dem nicht entkommen. Die Studie hat gezeigt, dass viele Jugendliche nichts ihren Eltern berichten, wenn sie im Internet negative Erfahrungen machen, da sie wohl zu Recht befürchten, dass dann der Zugang generell verboten wird. Daher besprechen SchülerInnen solche Probleme meist nur unter sich. Eltern sollten ihre Kinder dahingehend unterweisen, keine persönlichen Daten oder private Fotos online zu stellen.

Durch den vereinfachten Zugang zum Internet werden immer mehr Jugendliche mit sexuell expliziten Inhalten konfrontiert, wobei sich bisherige Forschungen vor allem auf die Auswirkungen von Internetpornografiekonsum auf Jugendliche konzentriert haben, nicht jedoch, wie Jugendliche Pornografie in ihren Alltag integrieren, welche Erfahrungen sie machen und welche Vorstellungen sie mit Internetpornografie in Verbindung bringen. Vor allem weibliche Jugendliche wurden bisher in Bezug auf ihren Internetpornografiekonsum überhaupt erst wenig erforscht. Nicht nur männliche Jugendliche, sondern auch Mädchen sehen häufig Pornografie im Internet, wobei sie sich eher schamhaft bzw. distanzierend verhalten und unbehagliche Kritik an sexistischen Darstellungen äußern. Der Kontakt mit Pornografie im Internet erfolgt bei den Mädchen sowohl zufällig als auch gezielt. Zwar kommen sie über Webportale oft unbeabsichtigt mit pornografischen Inhalten in Kontakt, doch geben sie zu, auch willentlich Pornos aufgerufen zu haben. Dabei zeigen sich als wesentliche Handlungsorientierung Neugier und “just for fun”. Auffällig ist allerdings, dass diese Handlungen gleichzeitig einer Rechtfertigung in Bezug auf die Peergruppe bedürfen, wobei sich dieser Rechtfertigungsdrang zum einen in Erklärungen manifestiert, wie es zum Konsum gekommen ist, etwa durch nicht-pornografische Internetseiten, oder durch Gruppendruck im FreundInnenkreis, zum anderen auch in (distanzierenden) Bewertungen des Gesehenen. Trotz des betont lockeren Umgangs zeigt sich auch Verunsicherung einerseits gegenüber der Pornografie und anderseits gegenüber der eigenen Sexualität. Die Ergebnisse von Gruppendiskussionen zeigten, dass Mädchen durchaus Erfahrungen mit Internetpornografie machen, ihr aber durchaus distanziert gegenüber stehen und eine deutliche Kritik an der sexistischen Darstellung von Frauen äußern. Beim Umgang mit diesen Erfahrungen spielen verschiedene Distanzierungsstrategien sowie der Austausch mit der Freundinnengruppe eine essenzielle Rolle (De la Fuente Camps & Ruck (2018).

Literatur

De la Fuente Camps, Alba & Ruck, Nora (2018). „Wenn man da aus Versehen draufklickt“. Vorstellungen und Erfahrungen weiblicher Jugendlicher im Umgang mit Internetpornografie. Psychologie & Gesellschaftskritik, 42, 27-52.
http://www.kn-online.de/top_themen/?em_cnt=27181&em_loc=70 (08-10-22)