Einsamkeit als Stressfaktor

    Es macht bekanntlich einen Unterschied, ob man die Ruhe der Einsamkeit aus der sozialen Integration heraus sucht, oder ob man unfreiwillig viele Stunden am Tag, vielleicht sogar viele Tage die Woche, allein ist, wobei es in der Bewertung und Stressbelastung des Gehirns einen gehörigen Unterschied macht, ob man im Trubel der Arbeit und des Alltages seine Einsamkeit in Ruhe und Muße sucht, oder ab man sich alleingelassen fühlt, ausgeschlossen aus Gemeinschaften und keinen Anschluss findet.

    Einsamkeit durch soziale Isolation führt wie Schmerzen aus einer körperlichen Ursache zu Dauerstress im Körper, der einige Areale im Gehirn aktiviert, die über Hormone die Freisetzung von Stresshormonen im Blut fördert, die sich bei langer Dauer negativ auf das Blutgefäßsystem, das Herz und am Ende rückwirkend auch auf das Gehirn auswirken. Dies kann auf Dauer zu Schädigungen und zu Fehlregulation im Gehirn führen, sodass stimmungsaufhellende Neurotransmittersysteme nicht mehr aktiviert werden. Dadurch kann Einsamkeit ein unentdeckter Krankheitsverursacher sein, bis hin zu Herzinfarkten, Schlaganfällen, Demenz und Depression.

    Menschen in Isolation sollten sich dahe genau überlegen, was ihnen fehlt und was nicht, denn fehlt der soziale Kontakt, ist es etwa eine gute Strategie, andere Menschen über soziale Medien, Telefon oder auch altmodische Briefe zu erreichen. Kann man z.B. nicht seine Wohnung verlassen, etwa auf Grund einer Quarantäne, ist es eine gute Option, sich einem Hobby zu widmen, für das bisher wenig Zeit vorhanden war. Wer viel Zeit allein verbringt, kommt schnell ins Grübeln, das kann unter anderem auch zu bedrohlichen Ängsten führen. Vor allem Menschen mit einem hohen Ausmaß an Neurotizismus machen sich häufig Sorgen, sind ängstlich und lassen sich schnell unter Druck bringen. Die Gefahr ist dabei, dass sich jemand seinen Ängsten und Sorgen hingibt, statt seine Probleme aktiv zu lösen.

    Siehe auch Risikofaktor Einsamkeit .


    Die Einsamkeit
    hockt wie eine Bettlerin
    vor meinem Haus.

    Sie fordert nichts –
    und keine Gabe
    öffnet ihre Faust.

    Ihr leerer Blick
    durchdringt die Tür,
    die ich vergeblich
    vor ihr verschließe.

    Ihr lautes Schweigen
    dringt in jeden Raum,
    in den ich fliehe.

    Sie nistet achtlos
    wie ein schwarzer Vogel
    in den Gedanken.

    Der Mantel der Nacht
    kann mich nicht wärmen,
    aus dem Zerrbild der Träume
    gebiert sich ein neuer Tag.


    Quelle
    Stangl, W. (2018). Die Einsamkeit. SIEB.10 @ 4711.
    WWW: http://literatur.stangl.eu/die-einsamkeit/ (2018-06-09).


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