Anorexie – Magersucht

In der Biographie von Magersüchtigen finden sich häufig Einflüsse aus der Herkunftsfamilie oder von anderen bedeutsamen Bezugspersonen. So haben Betroffene, die eine Magersucht entwickeln, oft schon früh viel Verantwortung für andere übernommen, etwa für die eigenen Eltern, haben sich dabei mit einem Elternteil verbündet oder werden von ihren Eltern emotional und psychisch missbraucht, nicht selten als Partnerersatz, als Vorzeigekind oder zum Bewältigen einer unglücklichen Ehe. Schon früh mussten sie dabei einem bestimmten Bild der Eltern entsprechen und eigene Bedürfnisse und Gefühle zurückstellen, wodurch sie durch das Zurückstellen der eigenen Bedürfnisse eine Angst vor der Welt und einem unabhängigen Leben außerhalb der Familie entwickeln. In nicht wenigen Fällen tritt die Magersucht auch bei homosexuellen Männern auf, wobei hier die die Ablehnung der eigenen Homosexualität zur Selbstabwertung, zur Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und einer inneren Leere einhergehen kann, d. h., die Betroffenen versuchen ihre psychischen Probleme durch die Erkrankung zu kompensieren. Letztlich neigen Magersüchtige zu Perfektionismus und rigidem Denken, haben Angst vor Kontrollverlust und schränken ihr Leben auf die Themen von Ernährung und eigene Körperlichkeit ein, sie leben sozial zurückgezogen und entwickeln in dieser Hinsicht zwanghafte, depressive, histrionische und narzisstische Züge.

1. Definition
Anorexie (=Magersucht) ist eine Krankheit, bei der sich Menschen selbst zum Aushungern zwingen. Sie tritt üblicherweise bei jungen Frauen auf, bei denen es nach außen den Anschein hat, es sei alles in Ordnung. Es besteht eine intensive Angst der Betroffenen davor, dick zu werden obwohl sie zum Teil stark untergewichtig sind. Bei dieser Krankheit kommen oft starke Depressionen, ein geringes Selbstwertgefühl und Störungen der familiären Beziehungen zum Vorschein (vgl. Zimbardo 1992, S. 505).
2. Definition
Anorexie, auch Magersucht genannt, wurde erstmals 1874 von Sir William Gull erkannt. Er stellte fest, dass viele junge Frauen sich oftmals weigern zu essen und trotz ihrer Abmagerungserscheinungen oft über manische Energien verfügen. Sir William Gull erfasste sehr genau das Wesen jener Krankheit, die heute eine der häufigsten ist. Susie Orbach entwickelte etwas später eine Theorie. Diese besagt, dass Anorexie bei Mädchen eine Reaktion auf deren Rolle als Sexobjekt in einer patriarchalischen Gesellschaft sei (vgl. Cohen, 1995 S. 29).
3. Definition
Die Magersucht (Anorexie) kommt sehr häufig bei jungen Mädchen in der Pubertät vor und tritt fast immer mit Begleiterscheinungen wie Verstopfung und Menstruationsstörungen auf. Die betroffenen Personen empfinden ihre private und berufliche Situation sehr häufig als ausweglos. Die Nicht-Beachtung dieser Essstörung kann zu schweren körperlichen Schädigungen führen (vgl. Michel & Novak, 1991 S. 97).
4. Definition
Die Hauptform der Anorexie (Magersucht) ist die Anorexia nervosa, auch Pubertätsmagersucht genannt. Diese Essstörung ist gekennzeichnet durch eine Ablehnung der Nahrungszufuhr oder auch durch absichtliches Erbrechen. Sehr häufig ist diese Erkrankung bei intelligenten, ehrgeizigen, jungen Frauen vorzufinden und wird oftmals als Reifungskrise bezeichnet. Die Betroffenen wollen meist kindliche Körperformen bewahren und nehmen sehr häufig einen lebensgefährlichen Gewichtsverlust in Kauf (vgl. ohne Autor, 1996, S. 29).
5. Definition
Unter Anorexie (Magersucht) versteht man Betroffene, die die Nahrungsaufnahme verweigern und mit Gewalt versuchen ihr Körpergewicht zu verringern. Diese Essstörung tritt meist bei jungen Menschen am Beginn der Pubertät auf. Bei einem Teil der Erkrankten verschwindet diese Störung ohne jegliche Behandlung wieder. Bei einem weiteren Teil der Betroffenen kann eine Psychotherapie helfen. Ungefähr ein Drittel dieser Menschen bleibt magersüchtig und einige Menschen sterben auch in Folge dieser Essstörung (vgl. ohne Autor, 1995, S. 108).

Essstörungen betreffen aus der Perspektive der Allgemeinheit meistens vor allem um junge Frauen und das sicher nicht zu unrecht, denn tatsächlich machen sich viele Mädchen bereits im frühen Alter sehr konkrete Gedanken über ihren Körper und ihr Gewicht. Bedenkliche Schönheitsideale in den Medien oder in sozialen Netzwerken tragen ihr Übriges dazu bei. Allerdings haben Studien gezeigt, dass etwa 15% der 40 bis 50jährigen Frauen bereits einmal mit einer Essstörung zu kämpfen hatten, wobei bei 3% die Problematik sogar innerhalb des letzten Jahres aufgetreten war. Genannt wurden verschiedenste Auftrittsformen wie Magersucht, Bulimie oder Esssucht, wobei nach offiziellen Zahlen im selben Zeitraum nur 1% der Frauen zwischen 15 und 30 betroffen waren. Aufgrund der Stigmatisierung von Essstörungen muss hier allerdings von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden. Die Studienergebnisse widersprechen demnach der gängigen Annahme, dass eklatante Ernährungsprobleme nur in jungem Alter eine Rolle spielen. Risikofaktoren für Frauen mittleren Alters sind Todesfälle im nächsten Umfeld, Trennungen und finanzielle Probleme, d. h., solche Probleme können auch bei erwachsenen Frauen eine Identitätskrise auslösen, in der nicht wenige ihre Emotionen gegen den eigenen Körper richten. Sowohl für Betroffene als vor allem auch für Angehörige ist es wichtig, Essstörungen sehr ernst zu nehmen, wobei eine Herangehensweise mit Sprüchen wie “Iss doch was” oder “Du schaust so dünn aus” ist eher schädlich als hilfreich. Sinnvoller ist es, in einem Gespräch Verständnis für die zugrundeliegenden Probleme aufzubringen.

Literatur
Cohen, D. (1995). Lexikon der Psychologie. München: Wilhelm Heyne Verlag.
Michel, C. & Novak, F. (1991). Kleines Psychologisches Wörterbuch. Freiburg: Herder.
Ohne Autor, (1995). In Lexikon-Institut Bertelsmann (Hrsg.), Lexikon der Psychologie (S. 108). Gütersloh: Bertelsmann Lexikon Verlag.
Ohne Autor, (1996). In Meyers Lexikonredaktion (Hrsg.), Schüler Duden. Die Psychologie (S. 29). Mannheim: Dudenverlag.
Zimbardo, P. G. (1992). Psychologie. Berlin: Springer Verlag.
https://www.gesund.at/beauty/magersucht-aeltere-frauen/ (17-01-20)


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