Wirkt sich Gewalt in der Erziehung auf die Gehirne von Kindern aus?

Widrige Umstände in der Kindheit und Angst werden schon lange mit einem erhöhten Risiko für psychische Störungen im späteren Leben und auch mit einer Reihe von strukturellen Anomalien des Gehirns in Verbindung gebracht. Nach einer neueren Studie von Suffren et al. (2021) führen dabei wiederholte Schläge, Wutausbrüche oder ständiges Anschreien dazu, dass bestimmte Gehirnregionen nachweislich kleiner bleiben, wobei davon besonders Bereiche betroffen sind, die mit der Verarbeitung von Gefühlen zu tun haben.

Ausgangspunkt der Untersuchung war die Entwicklung von Kindern von der Geburt bis ins Jugendalter, wobei bei diesen, als die Kinder in der Zeit zwischen 2 und 9 Jahren alt waren, der Erziehungsstil erhoben und Gefühls- bzw. Angstzustände bei den Kindern erhoben worden waren. Im Alter zwischen 12 und 16 untersuchte man dann die Gehirne dann mittels Voxel-basierter Morphometrie, wobei kleinere Volumina der grauen Substanz im präfrontalen Cortex und in der Amygdala bei Jugendlichen mit hohem Grad an strenger Erziehung im Zeitverlauf beobachtet werden konnten.

Darüber hinaus fand man signifikante Interaktionseffekte zwischen Erziehungspraktiken und Angstsymptomen, was physiologisch bedeutet, dass streng erzogenen Kinder einen kleineren präfrontalen Cortex und eine kleinere Amygdala aufweisen als Gleichaltrige, also genau in den Gehirnregionen, die eine bedeutende Rolle bei der Steuerung von Emotionen sowie bei Angst und Depressionen spielen.

Literatur

Suffren, Sabrina, La Buissonnière-Ariza, Valérie, Tucholka, Alan, Nassim, Marouane, Séguin, Jean R., Boivin, Michel, Kaur Singh, Manpreet, Foland-Ross, Lara C., Lepore, Franco, Gotlib, Ian H., Tremblay, Richard E. & Maheu, Françoise S. (2021). Prefrontal cortex and amygdala anatomy in youth with persistent levels of harsh parenting practices and subclinical anxiety symptoms over time during childhood. Development and Psychopathology, doi:10.1017/S0954579420001716.


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