Trennung will gelernt sein

Trennen will gelernt sein, denn wenn man nicht loslässt, kann man keine neuen Beziehungen eingehen, und wenn man nicht gelernt hat, dass irgendwann etwas auch ein Ende haben darf, lässt man sich nicht wirklich auf eine Bindung ein. Trennen und die Gefühle, die damit verbunden sind, lernt man schon in der Kindheit, wobei der Familienstil das Bindungs- und Trennungsverhalten im späteren Leben beeinflusst. Deshalb ist es wichtig, das Trennen mit „kleinen Trennungen“ in dieser Zeit zu lernen, um dann später Enttäuschungen und Illusionen in einer Beziehung bewältigen zu können. Auf dem Weg zu einer Scheidung sind meist schon viele Dinge passiert, die man besprechen oder verändern hätte können, da man sich in einer Beziehung notwendigerweise verändert, man entwickelt neue Interessen und Vorlieben, man löst sich von Mustern der Eltern ab. Da ist es hilfreich im Dialog mit dem Partner, solche Veränderungen, die stets auch Trennungen sind, immer wieder zu besprechen, also eine Art Check-up zu machen, wodurch sich die Beziehung weiterentwickeln kann.

Der Psychotherapeut Christian Asperger sagt in einem Interview, dass soziale Medien das Ende einer Beziehung wesentlich schmerzhafter machen, denn im Social Web stoßen UserInnen fast unweigerlich auf Inhalte, die ihre ExpartnerInnen zeigen. Er gibt daher den Ratschlag, sich nach einer Trennung von Plattformen wie Facebook oder Instagram möglichst fernhalten. Durch Social Media wird es wesentlich leichter, die Spuren einer früheren Beziehung nachzuverfolgen, d. h., die Ex-PartnerInnen sind meistens nur einen Mausklick entfernt, sodass es fast unmöglich ist, diese komplett zu vermeiden. Auch wenn man im realen Leben alle möglichen Maßnahmen setzt, um die früheren PartnerInnen nicht mehr sehen zu müssen, tauchen dennoch Bilder oder andere Inhalte in den Medien auf. Vor allem der Newsfeed auf Facebook kündigt oft erbarmungslos den Anfang einer neuen Beziehung von Ex-PartnerInnen an. Zwar gibt es auf Facebook die Option, nach der Trennung die Inhalte des Ex-Partners zu verstecken, jedoch gilt das nur, wenn UserInnen zuvor ihren Beziehungsstatus angegeben und dann geändert haben. Experten empfehlen daher frisch Getrennten, vorerst eine Social-Media-Pause einzulegen, bis sie den Trennungsschmerz verarbeitet haben. Allerdings wollen manche Menschen aus Neugier häufig wissen, ob die frühere Partnerin oder der frühere Partner die Trennung schneller verarbeitet hat als sie selbst, sodass es für nicht wenige sehr verführerisch ist, den Status von Ex-PartnerInnen zu verfolgen.

Siehe auch Imago-Therapie und Schlechtes Streiten in der Partnerschaft

Literatur

http://www.nachrichten.at/ratgeber/familie/art124,332605 (10-02-06)
https://www.webwizard.at/contator/webwizard/news.asp?nnr=75514 (20-02-27)