Scharlatanerie in der Personalberatung und im Coaching

Uwe Peter Kanning, Professor für Wirtschaftspsychologie an der FH Osnabrück und Autor von mehr als einem Dutzend Fachbücher über Diagnostik, Soziale Kompetenzen und Personalentwicklung, entlarvt in einigen Untersuchungen die heute häufig anzutreffende Scharlatanerie in der Personalberatung und im Coaching, wobei der dabei von “Experten” verbreitete Humbug oft erst auf den zweiten Blick erkennbar ist, Er legt dar, wie sowohl in der Personalberatung als auch im Coaching Scharlatane eine Menge verdienen. Er schreibt: “Scheinbar ist für viele Menschen die Zwielichtigkeit dieser Methoden keineswegs offenkundig. Dies soll Anlass genug sein, einmal genauer hinzuschauen. Sie werden dem intellektuellen Grauen begegnen …”
Viele der Personal-Gurus arbeiten dabei mit positiven und so allgemeinen Aussagen, dass die meisten Menschen ihrem Urteil natürlich zustimmen. In der Psychologie ist das als Forer-Effekt oder Barnum-Effekt bekannt: Gibt man Menschen eine abstrakte Rückmeldung, dann finden sich viele wieder und sagen, genau, das bin ich. Keiner der akademisch gebildeten Personalmanager war bei den Versuchen Kanins jedoch in der Lage, diese simplen Taschenspielertricks zu durchschauen.

Übrigens: Dass Menschen an Astrologie oder Horoskope glauben, hat ebenfalls mit dem Barnum-Effekt zu tun, denn Aussagen über die eigene Persönlichkeit sind so allgemeingültig und vage formuliert, dass jede und jeder von uns sich darin wiederfindet. Wenn es im Horoskop heisst: «Dank Merkur fühlen Sie sich gesund und kräftig. Was Sie nicht merken: Ihr Körper verschleisst langsam.» Oder: «Mit Mars in Ihrem Zeichen sind Sie feinfühlig. Allerdings ist Kommu­nikationsplanet Merkur noch bis zum 17. August rückläufig. Da sind Sie zunächst einmal unsicher bei Entscheidungen.» Hinzu kommt, dass sich Menschen gerne selbst betrügen, denn von allen Behauptungen sucht man sich jene heraus, die die eigene Meinung über bestätigen, und zwar vor allem die positiven.