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Kognitive und soziale Intelligenz

Sind intelligente Menschen auch sozial geschickt? Aus einem Alltagsverständnis heraus würden viele diese Frage wohl verneinen. Es gibt intelligente Menschen, die Bestleistungen in Schule und Beruf erbringen, deren Stärken aber nicht im sozialen Bereich liegen. Ebenso gibt es Menschen, die in Schule und Beruf an intellektuelle Grenzen stoßen, es aber durch soziales Geschick auf der Karriereleiter weit nach oben schaffen. Bislang konnten in der Forschung allerdings soziale Fähigkeiten kaum statistisch von akademischen Fähigkeiten unterschieden werden.

Neueste Forschungsergebnisse aus der Dissertation von Kristin Seidel zeigen jedoch eine klare Separierbarkeit der sog. „sozialen Intelligenz“ von der klassischen „akademischen Intelligenz“. Im Unterschied zu bisherigen Studien wurde die soziale Intelligenz mit einem neuen multimediagestützten und realitätsnahen Leistungstest, dem sog. Magdeburger Test zur sozialen Intelligenz (MTSI, Süß, Seidel, Weis, 2008) untersucht. Zuvor nutzten Studien zur sozialen Intelligenz meist Fragebögen, in denen Probanden ihre sozialen Fähigkeiten selbst beurteilen oder von anderen einschätzen lassen sollten sowie verhaltensnahe Assessment Center-Übungen.

Als weiteren Befund zeigt die Arbeit von Kristin Seidel auf, dass Personen mit guten auditiv sprachlichen Fähigkeiten, durchschnittlich über bessere soziale Fähigkeiten verfügen. Hier gibt es zwei Deutungsalternativen: Entweder fördern das auditive Diskriminationsvermögen und -gedächtnis das Verständnis sozialer Situationen, oder Personen mit einem hohen sozialen Geschick entwickeln ein besseres Gespür für auditiv sprachliche Wahrnehmung und Gedächtnis.

Die Autorin schreibt abschließend, dass sie ihr Arbeit eigentlich mit einem Kommentar zur aktuellen „Inflation der Intelligenzen“ begann, aber auch einige Argumente anführte, warum auditive und soziale Intelligenz Kandidaten tragfähige Konstrukte sind. Seidel konnte zeigen, dass diese beiden nicht unter dem Label der inflationären Konstrukte subsumiert werden sollten. Die einzigartigen Komponenten der Konstrukte, des sozialen Verständnisses, der nonverbalen auditorischen Intelligenz und der auditorischen Sozial-/Emotionswahrnehmung sind jedoch enger als erwartet. Man sollte daher die taktilen, olfaktorischen und kinästhetischen sensorischen Modalität nicht ignorieren, wobei vor allem die taktile sensorische Informationsverarbeitung mit den kognitiven Funktionen zusammenhängt.


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