Gibt es Unterschiede zwischen Nutzern und Nicht-Nutzern von Sozialen Medien?

Derzeit nutzen 2,7 Milliarden Menschen mindestens eine der Social-Media-Plattformen Facebook, WhatsApp und Instagram. Frühere Forschungsarbeiten zur Untersuchung individueller Unterschiede zwischen Nutzern und Nicht-Nutzern dieser Plattformen haben sich in der Regel auf eine Plattform konzentriert, doch nutzen in der Regel Einzelpersonen jedoch eine Kombination dieser Plattformen.

In einer Studie haben Marengo et al. (2020) untersucht, wie die Nutzung dieser Plattformen mit soziodemografischen Merkmalen und den Big Five-Persönlichkeitsmerkmalen zusammenhängt. Ausgewertet wurden für die Online-Studie Fragebögen von rund dreitausend Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus Deutschland, die ein Smartphone besitzen, das Alter der Teilnehmenden betrug 35,53 Jahre im Schnitt, ein Großteil der Befragten war dabei zwischen 22 und 49 Jahren. In der Stichprobe erwies sich der Messenger-Dienst WhatsApp als die am häufigsten verwendete Plattform mit der größten Reichweite (92 %), dahinter folgten Facebook (57,7%) und Instagram (46,3%). Es zeigte sich, dass 33,2% der Gesamtstichprobe alle Plattformen gleichzeitig nutzte, die ausschließliche Nutzung von WhatsApp betrug 24,1 %, eine Kombination aus WhatsApp und Facebook 22,5 % sowie die Kombination von WhatsApp und Instagram 12,1 %.

Beim Vergleich von Alter, Geschlecht oder Bildungsgrad zeigte sich, dass das Alter die stärkste Verbindung mit den Social-Media-Präferenzen hatte, wobei Nichtnutzer und WhatsApp-Benutzer mit 42 bis 43 Jahren die älteste Gruppe bildeten. Die Befragten, die sowohl WhatsApp als auch Instagram verwendeten, waren dabei mit einem Durchschnittalter von 26 Jahren die jüngsten. Auch sind Frauen in sozialen Medien stärker vertreten, und zwar unabhängig davon, welche Kombination von sozialen Plattformen untersucht wurde. Die Untersuchung der Persönlichkeitsmerkmale zeigte, dass der Neurotizismus, also die emotionale Labilität, bei Menschen, die alle Plattformen oder nur WhatsApp und Instagram nutzen, signifikant ausgeprägter war als bei jenen, die keine Plattform oder nur WhatsApp verwenden. Das Merkmal Extraversion unterscheidet besonders Social-Media-Nutzer und Nicht-Nutzer, was mit früheren Studien übereinstimmt.

Lebenszufriedenheit und Mediennutzung

Die Beziehung zwischen der Nutzung sozialer Medien – also den Gebrauch von TikTok, Twitter, Whatsapp etc.- und der Lebenszufriedenheit ändert sich im Laufe der Entwicklung von Jugendlichen, wie eine Analyse von Orben et al. (2022) von britischen Datensätzen von Probanden und Probandinnen zwischen zehn und achtzig Jahren ergeben hat. Dabei zeigte sich, dass die Querschnittsbeziehung zwischen selbstberichteter Nutzung sozialer Medien und der Bewertung der Lebenszufriedenheit bei jüngeren Jugendlichen am negativsten ist. Dabei waren etwa eine übertriebene Fixierung auf bestimmte Körperbilder, weniger Zeit im Freien und Schlafmangel einige der Ursachen, die zur Unzufriedenheit beitrugen. Darüber hinaus waren geschlechtsspezifische Unterschiede in dieser Beziehung bei den Jüngeren nur während dieser Zeit vorhanden. Längsschnittanalysen von Probanden und Probandinnen zwischen zehn und einundzwanzig Jahren deuteten auf unterschiedliche Entwicklungsfenster der Empfindlichkeit gegenüber sozialen Medien in der Adoleszenz hin, in denen eine höhere geschätzte Nutzung sozialer Medien einen Rückgang der Lebenszufriedenheitsbewertungen ein Jahr später vorhersagte bzw. sagte eine niedrigere geschätzte Nutzung sozialer Medien einen Anstieg der Lebenszufriedenheitsbewertungen voraus. Dabei könnten auch soziale Veränderungen wie das Verlassen des Elternhauses oder der Start ins Berufsleben eine Erklärung sein, die in diesem Zeitraum stattfinden. Diese Zeitfenster treten bei Männern und Frauen in unterschiedlichem Altersstufen auf. Abnehmende Lebenszufriedenheitswerte sagten aber auch einen späteren Anstieg der geschätzten Nutzung sozialer Medien voraus, der jedoch nicht mit dem Alter oder dem Geschlecht zusammenhing. Es zeigte sich also, dass die Internet-Kommunikation nicht nur der Auslöser für Unzufriedenheit sein muss, sondern auch eine Möglichkeit bietet, mit dieser umzugehen.

Siehe dazu auch Facebook-Kultur: Der Wertewandel in den Gemeinschaftsbeziehungen.

Literatur

Marengo, D., Sindermann, C., Elhai, J. & Montag, C. (2020). One Social Media Company to Rule Them All: Associations between Use of Facebook-Owned Social Media Platforms, Sociodemographic Characteristics, and the Big Five Personality Traits. Frontiers of Psychology, 11, doi:10.3389/fpsyg.2020.00936.
Orben, Amy, Przybylski, Andrew K., Blakemore, Sarah-Jayne & Kievit, Rogier A. (2022). Windows of developmental sensitivity to social media. Nature Communications, 13, doi:10.1038/s41467-022-29296-3.
Stangl, W. (2022, 30. März). Die Nutzung sozialer Medien und Lebenszufriedenheit. arbeitsblätter news.
https:// arbeitsblaetter-news.stangl-taller.at/die-nutzung-sozialer-medien-und-lebenszufriedenheit/


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