Der Umgang mit Ärger

Es wäre dumm, sich über die Welt zu ärgern. Sie kümmert sich nicht darum.
Mark Aurel

An Ärger festhalten ist wie wenn du ein glühendes Stück Kohle festhältst mit der Absicht, es nach jemandem zu werfen – derjenige, der sich dabei verbrennt, bist du selbst.
Gautama Buddha

Einige Menschen ärgern sich permanent und intensiv, andere gehen gelassen mit den Unannehmlichkeiten des Alltags um, wobei ein Stück weit dieser Form der Emotionalität genetisch vorbestimmt ist, doch Menschen sind auch davon stark geprägt, wie in der eigenen Familie mit Frustrationen, Stress und Konflikten umgegangen wurde, d. h., wenn Eltern bei jeder Kleinigkeit ausrasten, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind solche Verhaltensmuster übernimmt. Zwar ist Ärger eine natürliche, häufig angemessene Reaktion, die in Situationen entsteht, in denen man verletzt wird, sich bedroht oder als nicht wahrgenommen fühlt, in denen Grenzen überschritten oder Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Ärger zeigt den Menschen also, dass etwas nicht so ist, wie sie es sich vorstellen, d. h., Ärger kann auch ein wichtiger Motor für Veränderungen sein.
Ärger ist somit ein Grundgefühl, wobei sich Menschen nach Schätzungen zweimal in der Woche ärgern und sich nach durchschnittlich einer Stunde diese Basisemotion von selber wieder verflüchtigt. Der Ärger kommt in unterschiedlichster Stärke daher, von der flüchtigen Irritation über die nagende Frustration bis zum bebenden Zorn, wobei das Spektrum breit und die Grenzen  fließend sind.
Verärgerte Menschen haben eine typische Mimik: zusammengezogene Augenbrauen, geweitete Pupillen, stechender Blick, von den Biologen als Drohstarre bezeichnet, wobei dann üblicherweise eine aggressive Reaktion folgen sollte, um den Ärger zu lösen. Eine solche Reaktion ist in einer zivilisierten Gesellschaft aber nicht immer angebracht bzw. verbietet sich, um nicht in eine Spirale von Aggression und noch mehr Ärger und Wut zu geraten. Einiges an dieser Emotion ist auf Grund der evolutionären Basis heute noch sehr sinnvoll und hilfreich, denn Ärger ist ein unangenehmes Empfinden, das sehr deutlich anzeigt, dass man etwas verändern will. Daher ist es wichtig, sich den Ärger bewusst zu machen und ihn erst einmal auszuhalten, um also einen inneren Aufschub zu erreichen und sich einen ruhigen Moment auszuwählen, sich mit der Ursache des Ärgers auseinanderzusetzen.

Ärger als Dauerzustand ist vergleichbar mit Dauerstress, d. h., Blutdruck, Puls, Atemfrequenz und Muskelspannung steigen, ebenso das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, aber auch chronische Schmerzen, Verdauungs- und Schlafstörungen können eine Folge sein. Daher ist es wichtig, ein positiveres Verhältnis zu dieser Emotion zu finden. Erst wenn man sich eingestehen kann, dass man ärgerlich ist, kann man sich mit den Gründen auseinandersetzen. Oft sind es Ängste, Enttäuschungen, Selbstüberschätzung oder auch Langeweile. Ärger schadet vor allem dann, wenn er in keinem nachvollziehbaren Verhältnis zum Auslöser steht, denn meist steckt hinter dem Ärger oft ein ganz anderes Gefühl wie Hilflosigkeit, Einsamkeit, Sehnsucht oder die Traurigkeit darüber, nicht wertgeschätzt zu werden.  Man vermutet, dass etwa ein Fünftel der Menschen ein „Feindseligkeitssyndrom“ besitzt, das sich im Wesentlichen aus drei Komponenten zusammensetzt: chronisch zum Ärger bereit, leicht erregbar, tendenziell aggressiv. Solche feindseligen Menschen kommen von ihrem Ärger kaum herunter, denn es gibt immer Neues, über das sie sich aufregen können. Da Ärger zu unterdrücken aber auch das ungehemmte Ausleben für den Organismus schädlich sind, ist es notwendig, mit der Zeit eine Ärger-Kontrolle zu entwickeln, wobei es gilt, den Ärger bewusst wahrzunehmen und ihn gezielt zu regulieren, indem man selbst bestimmt, wann man sich die Zeit nimmt, sich in Ruhe mit dem großen Ärger zu beschäftigen.

Eine Untersuchung zeigt, dass Ärger einen negativen Einfluss auf das Fahrverhalten und die Risikobereitschaft von Autorfahrern hatte, denn mussten  Probanden eines Experiments von Roidl et al. (2014) für eine gewisse Zeit hinter einem extrem langsamen Fahrzeug bleiben, traten sie danach umso heftiger auf das Gaspedal und fuhren deutlich riskanter als normalerweise, wobei dieser Effekt einige Minuten anhielt. Das beste Mittel gegen Ärger im Straßenverkehr ist nach Ansicht von Experten, sich in den anderen hineinzuversetzen, also zu überlegen, welche Gründe dieser haben könnte, langsam zu fahren? Wie fühlt er sich, wenn ich dicht auffahre und mit Lichthupe drängele? Diese Art von Empathie hilft, Gefahrensituationen zu vermeiden.

Literatur

Roidl, E., Frehse, B. & Höger, R. (2014). Emotional states of drivers and the impact on speed, acceleration and traffic violations: A simulator study. Accident Analysis and Prevention, 70, 282-292.
http://www.apotheken-umschau.de/Psyche/Psychologie-Warum-aergern-wir-uns-so-haeufig-171667.html (12-07-17)
https://www.migrosmagazin.ch/psychologie-des-aufregens (19-05-23)