Anmerkung zum Marshmallow-Test

Der Marshmallow-Test gehört zu den bekanntesten Experimenten der Psychologie zum Belohnungs- bzw. Bedürfnisaufschub, bei dem man vierjährigen Kindern Süßigkeiten anbietet und sie vor die Wahl stellt, entweder die Süßigkeit sofort zu essen oder später eine zweite zu bekommen, wenn sie der Versuchung widerstehen können und auf den sofortigen Genuss verzichten. Dieser Belohnungsaufschub gelang einigen Kindern gut, anderen hingegen nicht.

Ein neueres Experiment zum Marshmellow-Test von Ma et al. (2020) zeigte, dass es bei diesem Versuch auch eine Rolle spielt, wer die Wartezeit bestimmt. Waren es nämlich LehrerInnen, warteten die 3- und 4-Jährigen am längsten, bei Gleichaltrigen warteten sie noch halb so lang, doch am schnellsten griffen die Kinder zu, wenn niemand eine genaue Zeit ansagte, sondern nur allgemein von Wartezeit sprach. Offenbar ist der Wunsch, andere zu beeindrucken stark ausgeprägt und motiviert das menschliche Verhalten schon in diesem Alter. Kinder können offenbar schon sehr früh Hinweise erkennen, was Menschen um sie herum wertschätzen und welches Verhalten sie eher missbilligen.

Literatur

Ma, Fengling, Zeng, Dan, Xu, Fen, Compton, Brian J. & Heyman, Gail D. (2020). Delay of Gratification as Reputation Management. Psychological Science, doi: 10.1177/0956797620939940.
Stangl, W. (2020). Stichwort: ‘Marshmallow-Test’. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: https://lexikon.stangl.eu/3697/marshmallow-test/ (2020-09-12)