Wenn sich Stress auf den Magen schlägt

Sind Menschen gestresst oder haben sie Kummer oder Angst, reagiert ihr Körper, indem er zuerst Adrenalin ausschüttet, also jenes Hormon, das für die Aktivität zuständig ist und den Menschen auf Kampf- und Fluchtreaktionen vorbereitet. Einige Minuten später wird Cortisol ausgeschüttet, das dem Körper hilft, alle Kräfte zu mobilisieren, das Herz schlägt schneller und auch der Blutdruck steigt, damit Organe und Muskeln schnell mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden können. Für diese Abwehrbereitschaft benötigen Herz, Lunge und Muskeln Energiereserven, die aus dem Magen-Darm-Trakt abgezogen werden. Die menschlichen Verdauungsprozesse kosten insgesamt sehr viel Energie, d. h., sie benötigen viel Sauerstoff und Blut. Doch in Belastungssituationen ist das unproduktiv, daher stellen sie in einer solchen Stresssituation ihre reguläre Tätigkeit ein und transportieren die Nahrung nicht mehr weiter. In einer milden Form löst das Bauchdrücken und Übelkeit aus, im Extremfall will der Körper die Nahrungsreste aber schnellstmöglich loswerden, etwa durch Erbrechen oder Durchfall.
Da von Natur aus Stressreaktionen des Körpers nur für kurze Zeiträume ausgelegt sind, können Beschwerden chronisch werden, wenn  der Körper sich von der Stressbelastung sich nicht erholen kann. So kann etwa ein Reizmagen entstehen, der dadurch definiert wird, wenn Betroffene länger als drei Monate unter Völlegefühl, Krämpfen, Übelkeit, Erbrechen oder Aufstoßen leiden, ohne dass eine organische Ursache gefunden werden kann. Zu den typischen Symptomen eines Reizdarms gehören Blähungen, Stuhlunregelmäßigkeiten, Stiche in der Herzgegend, vermehrtes Schwitzen, Kreislaufstörungen sowie Probleme beim Wasserlassen.
Dass nicht alle Menschen gleich auf Stress reagieren, dürfte diese unterschiedliche Sensibilität für Stress zum Teil angeboren sein, zum Teil sicher aber auch erworben. Menschen, die in früher Kindheit viel Zuwendung erfahren haben, sind stressresistenter als Menschen, bei denen das nicht der Fall war. Außerdem spielt der eigene Umgang mit solchen Beschwerden für deren Intensität eine wichtige Rolle, denn körperliche Stressreaktionen wie etwa Bauchweh oder Magenschmerzen verstärken sich, wenn die Betroffenen sie als Katastrophe wahrnehmen. Körperreaktionen sind aber in begrenztem Maße trainierbar, d. h., dass durch wiederkehrende Reizsituationen einen gewissen Gewöhnungseffekt erreicht werden kann.