Was ist Glück?

Die drei Voraussetzungen des Glücks sind Dummheit, Selbstsucht und eine stabile Gesundheit, wobei die anderen beiden unnütz sind, sofern es an der Dummheit mangelt.
Gustave Flaubert

Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind.
Charles-Louis de Montesquieu

Am Beginn der Glücksforschung stand übrigens der US-Ökonom Richard Easterlin, der 1974 in einer Fachzeitschrift erfolglos einen Aufsatz über seine Forschungen einreichte, in welchem er auf der Basis von Daten aus verschiedenen Ländern ermittelt hatte, dass sich Menschen in reicheren Staaten nicht zwangsläufig glücklicher fühlen als in armen. Auch blieb das allgemeine Glücksempfinden in einem Land noch über Jahre hinweg gleich, selbst wenn das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen beträchtlich anstieg. Seine Forschungsergebnisse passten offensichtlich nicht zur damals vorherrschenden Ansicht, dass Wohlstand und Glück praktisch gleichzusetzen sind.

Das Streben nach Glück ist bekanntlich bereits im Gründungsdokument der USA als individuelles Freiheitsrecht (Pursuit of Happiness) festgeschrieben. Das mittelhochdeutsche Wort „Gelücke“ bezeichnete die Art, wie etwas gut ausgeht, ohne dass der Glückliche etwas dazutun musste, es passierte einfach, eben „Glück gehabt!“. Psychologen betrachten Glück als eine extrem starke positive Emotion, als einen vollkommenen, dauerhaften Zustand intensivster Zufriedenheit. Glück ist dabei ein Zustand absoluter Harmonie, den Menschen erreichen, wenn sie in ihrem augenblicklichen Tun aufgehen, sodass alles rund um sie herum einschließlich der Zeit verblasst und keine Rolle mehr spielt. Diesen Glückszustand erreicht der Mensch am ehesten dann, wenn er den ewig nörgelnden, rationalen Verstand beiseite legt.

Glück ist ansteckend und kann sich wellenartig verbreiten, sodass Ansammlungen von glücklichen oder unglücklichen Menschen in bestimmten geografischen Gebieten oder sozialen Gruppen entstehen. Das Glück einer Person also auch von deren sozialem Umfeld abhängig. Während die Launen der Arbeitskollegen wenig Auswirkungen auf den eigenen Gefühlszustand haben, können Nachbarn und Freunde das Glück eines Menschen erheblich beeinflussen. Wenn ein glücklicher Freund weniger als 1,6 Kilometer weit weg wohnt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für einen Menschen, glücklich zu sein, um 25 Prozent, Glückliche Nachbarn erhöhen die Glückswahrscheinlichkeit um 34 Prozent, glückliche in der Nähe lebende Geschwister um 14 Prozent, ein glücklicher Partner allerdings nur um acht Prozent.

Glück als Schulfach wurde übrigens 2007 erstmals an der Willy-Hellpach-Schule in Heidelberg, einem Wirtschaftsgymnasium, eingeführt. An der Harvard-Universität in den USA gibt es seit einiger Zeit „Happiness-Kurse“ und auch in Großbritannien wurde Glück 2006 als Unterrichtsfach installiert.

Nicht die Glücklichen sind dankbar,
es sind die Dankbaren, die glücklich sind.
Francis Bacon

Glücksgefühle durch biochemische Botenstoffe

Das Erleben von Glück im Gehirn wird durch spezifische, biochemische Botenstoffe bestimmt, wobei solche Glückserfahrungen Spuren im Gehirn hinterlassen, also gelernt wird.

  • Glück des Wollens: wenn Menschen nach etwas streben, stellt Dopamin eine Belohnung in Aussicht, während körpereigenes Endorphin sogar Euphorie auslösen kann.
  • Glück der Vermeidung: wenn Menschen Bedrohungen entgehen bzw. diese glücklich überstehen, führt ein sinkender Cortisol- und Adrenalinspiegel zu einem Erlebnis der Entspannung.
  • Glück des Daseins: wenn Menschen besitzen, was sie brauchen, sorgt das körpereigene Morphin für Zufriedenheit und Serotonin für das Gefühl der Beruhigung.
  • Glück der Bindung: wenn sich Menschen anderen nahe und verbunden fühlen, ist das auf Oxytocin zurückzuführen.