Übernachtungsbeziehung statt Ehe

Die Beziehungsmuster in Partnerschaften haben sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert, denn auf Grund längerer Ausbildung wird später geheiratet und häufig ohne Legalisierung der Beziehung zusammengelebt. Besonders im westlichen Kulturkreis haben vor allem junge Menschen – aber auch ältere Menschen – zwar feste Beziehungen, doch besteht das gemeinsame Leben darin, gelegentlich beieinander zu übernachten, führen aber dennoch weiterhin ihr eigenes Leben in ihren eigenen Wohnungen. Nach einer Studie von Tyler Jamison (University of Missouri)  haben Paare heutzutage nicht unbedingt Interesse daran, nach dem Zusammensein im Bett noch gemeinsam am Tisch zu sitzen. Ursache für diese Formen der Beziehung liegt in der Unfähigkeit und auch dem Unwillen, sich in einer Beziehung auf Gemeinsames festzulegen, aber auch in Ängsten vor den negativen Folgen einer traditionellen Beziehung, da manche dieser Gruppe Trennungen ihrer Eltern aber auch das Scheitern eigener Beziehungen erlebt haben, und nun davor zurückschrecken, selbst ein ähnliches Schicksal zu erleben bzw. es nochmal zu wiederholen. Einerseits will man bei diesem Beziehungsmuster zwar einen Partner nicht missen, lebt aber dennoch sein eigenes Leben in der eigenen Wohnung. Offensichtlich ist die individuelle Freiheit diesen Menschen wichtiger als den Generationen zuvor, wobei dieser Trend vor allem in Großstädten zu beobachten ist, was sich auch in der größeren Zahl an Ein-Personen-Haushalten widerspiegelt, die vorwiegend von jungen Menschen gehalten werden. Durch Übernachtungsbeziehungen genießt man die Vorzüge einer intimen Beziehung, kann aber die volle Kontrolle darüber behalten, wie viel Energie man in eine Partnerschaft steckt. Bei vielen solcher Übernachtungsbeziehungen spielt aber auch die Sexualität eine wichtige Rolle, die man bei Bedarf einfach ausleben kann, ohne sich einen neuen Partner suchen zu müssen. Vermutlich entwickeln immer weniger Menschen die Bereitschaft, mögliche negative Seiten eines anderen Menschen zu ertragen, d. h., man scheut Konflikte, die in Partnerschaften unumgänglich sind bzw. kann sich im Konfliktfall einfach in seine eigenen vier Wände zurückziehen.