Multimodales Stresskompetenz-Training

Stress wird häufig durch ein übermäßig ausgeprägtes Bedürfnis nach ständiger Selbst- und Situationskontrolle verursacht, wobei Menschen im dritten, vierten und fünften Lebensjahrzehnt, also in den Jahren Jahren, in denen die Familien, die Freundeskreise, die beruflichen Karrieren, der Wohlstand aufgebaut werden, am stärksten betroffen sind. In dieser Zeit wird der Mensch mit auf Dauer nicht völlig realisierbaren Bedürfnisse nach Liebe, Zuwendung, Macht, Ordnung, Leistung, Sinnlichkeit, Ordnung, Freiheit, Sicherheit oder Geborgenheit konfrontiert.Bei extremer Ausprägung einzelner Werte- bzw. Bedürfnisbereiche kann es zu Überhöhungen und Fehlbewertungen im Stresserleben kommen, was etwa als ´irrationale Ideen´, ´Denkfehler´, ´Antreiber´  beschrieben wird.

Mit Hilfe der narrativen Methode können in einem Stresskompetenz-Training die stressfördernde Wirkung solcher Gedanken sichtbar gemacht und Strategien zu ihrer Abschwächung bzw. Rationalisierung entwickelt werden. Im Stresskompetenz-Training besteht die wichtige Aufgabe darin, die Bedeutung der individuellen Werte- und Bedürfnisstruktur für das persönliche Stresserleben bzw. entsprechende Bewertungsprozesse bewusst zu machen, aktuell zu erkennen und gegebenenfalls zu beeinflussen. Hinsichtlich der persönlichen Bedürfnis- und Wertestruktur sollte dabei eine mögliche Balance zwischen oft einander entgegengesetzten Polen angestrebt werden, wobei vor allem die Arbeit an den Ressourcen, insbesondere die Erschließung neuer Ressourcen eine große Bedeutung gewinnt.

Mathesius & Scholz (2014) haben das Trainingsprogramm „Multimodale Stresskompetenz“ entwickelt, wobei ein Baukastenprinzip einen variablen person-, gruppen- und settingbezogenen Einsatz ermöglicht, d. h., die KlientInnen erhalten Raum für die individuelle Nutzung eigener Erfahrungen und Vorstellungen. Dieses Stresskompetenz-Training soll Denk-, Gefühls- und Handlungsmuster entwickeln bzw. verstärken, die einen möglichst dauerhaften, erfolgreichen Umgang mit Stress ermöglichen, wobei das auf drei Ebenen geschieht:

  • Ressourcen der Persönlichkeit, kognitiv-emotionale Bewertungsprozesse, Handlungs- und Verhaltensstrategieen und Spannungsregulation,
  • biologische, psychische und soziokulturelle Grundlagen des Erlebens und Verhaltens der Persönlichkeit,
  • Wissensvermittlung, Fähigkeit zur Selbstreflexion, Strategien und Methoden, Fertigkeiten und Techniken.

Man geht dabei davon aus, dass das Training der Verhältnismäßigkeit von Gefühlen den größten Transfereffekt auf die Verhältnismäßigkeit von Wahrnehmungen, Gedanken und Handlungen ermöglicht, sodass der rationale Umgang mit Gefühlen als besonders effiziente Strategie für die nachhaltige Verbesserung der Stresskompetenz angesehen betrachtet wird. Emotionsregulation steht gleichzeitig im Zentrum der Spannungsregulation, in deren Rahmen Strategien, Methoden und Techniken entwickelt werden, die einen gesundheitsfördernden und vorausschauenden Umgang mit Stressfaktoren ermöglichen.

Literatur
Mathesius, R. & Scholz, W.-U. (2014). Multimodale Stresskompetenz (MMSK) – Konzept, Didaktik/Methodik, Übungsmaterial. Pabst.