Macht korrumpiert

Power tends to corrupt, and absolute power corrupts absolutely.
John Emerich Edward Dalberg-Acton (Letter to Bishop Mandell Creighton, 1887)

Psychologisch definiert sich Macht dadurch, dasss ein Mensch mehr Kontrolle über eine andere Person hat als sie über einen selber. Macht kann dabei Last oder Gelegenheit sein, je nachdem, wie sie wahrgenommen wird. Meist sind es Erfolgsmenschen, die an die Macht wollen, wobei manche Menschen eher nach Erfolg als nach Sicherheit streben, denn sie denken weniger über mögliche Niederlagen und Verluste nach und sehen die Welt als Chance, die eigenen Ziele zu erreichen, auch wenn sie es damit anderen manchmal schwer machen. Dabei ist das Klischee vom Machtmenschen kein Zufall, denn wer sich wie ein Vorgesetzter benimmt, hat nicht schlechte Chancen, schließlich auch einer zu werden. Allerdings bleibt es nicht nur bei der Darstellung, denn Macht verändert Menschen tatsächlich: Man hat keine Hemmungen mehr und ist eher mit eigenen Zielen beschäftigt als mit denen anderer Menschen, wobei diese Enthemmung Vor- und Nachteile hat, denn einerseits können Machtmenschen leichter mit Stress umgehen und kreativer als andere Menschen sein, andererseits korrumpiert Macht, jedoch nur unter bestimmten Umständen, denn Macht korrumpiert meist nur diejenigen, die sie noch nicht vollständig haben.

Machtmenschen hören anderen Menschen in der Regel nicht mehr zu, sondern wollen ihnen eher ihre Vorstellungen und ihren Willen aufzwingen, d.h., sie nehmen ihre Gesprächspartner nicht ernst. Das wird den Betroffenen nicht immer sofort bewusst, löst aber im Verlauf der Kommunikation häufig Unbehagen aus. Auch lernen Machtmenschen durch den Umgang mit anderen Menschen wenig oder gar nichts mehr hinzu, wobei sie sich konsequenter Weise eher mit solchen Menschen umgeben, die ihnen nach dem Mund reden. Dadurch stabilisieren  sie zwar ihre Herrschaft, aber sie werden zunehmend blind für das, was in der Realität vor sich geht. Hinzu kommt der psychologische Mechanismus, dass nur jene Informationen, die den eigenen Ideen, Vorstellungen und Wünschen entsprechen, bereitwillig aufgenommen werden, aber alles andere, was den eigenen Bildern und Wünschen widersprspricht, in der Regel abgewiesen wird. Zwar gilt diese psychologische Gesetzmäßigkeit für alle Menschen, aber eben im Besonderen für Menschen in Machtpositionen. Meist agieren Machtmenschen nicht alleine, sondern sie sind eingebettet in ein System, das die Machtblindheit begünstigt, wobei Macht bei Menschen äußerst begehrt ist, d.h., viele wollen Macht haben. So  es etwa in vielen Unternehmen zu einem geheimen Machtkampf, sodass die Auseinandersetzung um Machtpositionen inhaltliche Fragen immer mehr in den Hintergrund drängt beziehungsweise nur mehr dafür benutzt wird, um Machtvorteile zu erringen. In hierarchischen Strukturen wie in Unternehmen entsteht durch eine solche Mikropolitik auch die Tendenz, dass eher die Machtmenschen an die Spitze gelangen bzw. das System bringt diese häufig erst hervor.