Heimerziehung

Horst Schreiber vom Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck beschreibt gemeinsam mit FachkollegInnen in seinem Buch „Im Namen der Ordnung. Heimerziehung in Tirol“,  wie sich das Gespenst der Unmoral und des Unrechts oftmals hinter einer sogenannten Ordnung versteckt, die Menschen und Dinge kategorisiert und ihnen einen Wert zumisst, nach dessen Parameter sie dann von der Gesellschaft behandelt und auch misshandelt werden. Das Lesen dieser Berichte von Betroffenen lässt den Atem stocken und Entsetzen aufkommen über diese  Grausamkeiten und Erniedrigungen, die ehemalige Zöglingen aus Tiroler Heimen in lebensgeschichtliche geführten Interviews beschreiben. Die Stimmen der Betroffenen lassen erahnen, welche Leiden sie erduldeten und wieviel Mut, Widerstandskraft und Überlebensenergie sie entwickeln mussten und noch immer brauchen. Am Beispiel Tirols diskutiert dieses Buch die gesellschaftlichen Hintergründe für die unerbittlich harte Erziehung von Kindern aus armen, deklassierten Tiroler Familien. Auftrag und Duldung durch weltliche und geistliche Autoritäten und die Mittäterschaft sowie das Schweigen oder die Hilflosigkeit von FürsorgerInnen, ErzieherInnen und PsychiaterInnen waren dabei zentrale Rahmenbedingungen.

Siehe dazu auch (Sexueller) Missbrauch in der katholischen Kirche