Geschlechtsspezifische Suchtarbeit

Da die Strukturen der Sucht bei Frauen und Männern unterschiedlich sind, sollte eine geschlechtsspezifische Suchtarbeit aus wissenschaftlicher Sicht die Regel sein, doch die Praxis setzt es nur selten oder inkonsequent um. Männer trinken, rauchen, kiffen oft zunächst in einer Art Initiationsritus, etwa im Kontext der Eroberung öffentlicher Räume, um mit ihrem Substanzmissbrauch Stärke und Dominanz – oft als Kompensation von Unsicherheiten und Überforderungen – zu demonstrieren. Bekanntlich tendieren vor allem marginalisierte Männer wie Arbeitslose zu externalisierenden Bewältigungsmustern mit psychoaktiven Substanzen.

Hingegen wirkten starker Alkoholkonsum und verschiedenste Formen der Abhängigkeitserkrankung bei Frauen eher peinlich und sind daher im Vergleich zu Männern öffentlich weniger häufig zu finden. Frauen mit den unterschiedlichsten Belastungen bevorzugen leichtere Alkoholika, trinken und kiffen eher heimlich bzw. favorisieren euphorisierende Substanzen. Allein jüngere Frauen versuchen, mit dem männertypisch imponierenden Substanzmissbrauch Schritt zu halten, wobei neben psychisch-gesellschaftlichen Rollenanforderungen bei Frauen eine kleinere Leber den Missbrauch begrenzt.

Siehe auch Geschlecht und Sucht.

Literatur

Heinzen-Voss, D. & Stöver, H. (Hrsg.) (2016). Geschlecht und Sucht – Wie gendersensible Suchtarbeit gelingen kann. Pabst Science Publishers.
Stangl, W. (2014). Geschlecht und Sucht. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GESCHLECHT-UNTERSCHIEDE/Geschlecht-Sucht.shtml (14-11-21)