Emotionen bei Problemlösungen

Gefühle spielen bei der Bewältigung von komplexen Problemen sowohl im Alltagshandeln als auch in Organisationen eine wichtige, wenn nicht gar entscheidende Rolle, denn manchmal mobilisieren und lenken Gefühle die Geschehnisse in eine positive Richtung, manchmal aber stehen sie auch einer erfolgreichen Lösung im Wege. Ist ein Problem komplex und die Problemlösung möglicherweise riskant und folgenschwer, kann die/der Entscheider/in verunsichert und in manchen Fällen von Angst wie gelähmt sein. Aus psychologischer Sicht bietet bei Entscheidungen aber ein hohes Selbstvertrauen gute Voraussetzungen für eine angemessene Bearbeitung und Entscheidung, wobei vier Aspekte erfolgreichen Problemlösens in komplexen Situationen im Vordergrund stehen:

  • Selbstvertrauen und Kompetenzgefühl verstärken das Durchhaltevermögen und die Power, sich am Problem festzubeißen.
  • Emotionale Verbundenheit mit der Problemstellung ermöglicht es, die Bedeutsamkeit der aktuellen Situation für die Befriedigung eigener Motive zu erleben, d. h., gute Problemlöser sind in der Lage, sich emotional anzupassen.
  • Funktionales Denken bedeutet, dass es in komplexen Systemen weniger erfolgversprechend ist, möglichst viel über eine Situation zu wissen und Ist-Zustände möglichst vollständig zu erfassen, sondern vielmehr in dem Bewusstsein zu handeln, nicht alles wissen zu können, Informationen über die Veränderung der Zustände zu sammeln. Funktionales Denken besteht auch darin, dass eine Situation im Hinblick auf ihre Wirkvariablen analysiert wird, wobei im Zentrum der Überlegungen  die Beziehungen zwischen den Variablen des Systems stehen.
  • Erfahrung im Umgang mit komplexen Anforderungen besteht nicht unbedingt in der Verfügbarkeit vieler, verschiedener Strategien, sondern vielmehr darin, eine persönlich erfolgreiche, generelle Strategie den situativen Erfordernissen anpassen zu können und auf dieser Basis eine erfolgreiche Komposition einer Abfolge an Maßnahmen zu entwickeln.

Letztlich lösen Erfolge beim Lösen komplexer Probleme eine positive Weiterentwicklung aus, d. h., für zukünftige Fälle wird das Selbstvertrauen gesteigert. Die Neigung zur emotionalen Verbundenheit wird ebenfalls erhöht, und eine höhere Verfügbarkeit erfahrungsgemäß erfolgreicher Denkformen ist vorhanden. Ein Prozess der Kompetenzentwicklung für das komplexe Problemlösen ist eingeleitet und verstärkt sich im Folgenden selbst.

Literatur
Starker, Ulrike (2013). Emotionale Adaptivität – Ein integratives Problemlösemodell. Beiträge zur Arbeitspsychologie, Band 4. Pabst.