Das Gedächtnis im Alter

Nach Expertenmeinung erreicht mit Anfang 40 das menschliche Gedächtnis den Zenit seiner Leistungsfähigkeit, danach lässt das autobiografische und Faktengedächtnis allmählich nach. Studien bestätigten, dass ältere Erwachsene im Vergleich mit jüngeren häufiger Stellvertreterwörter wie „der Dingsda“ oder „das Teil“ anstatt der konkreten Bezeichnung für eine Person oder einen Gegenstand benutzen.  Auch zahlreiche neurowissenschaftliche Forschungsarbeiten belegen, dass Altern mit einem Rückgang der geistigen Leistungsfähigkeit verbunden ist, aber Altern ist  nicht nur Abbau, sondern auch Anpassung. Welche strukturellen und funktionellen Veränderungen im Gehirn mit dem Altern verbunden sind, ist Gegenstand vielfältiger Untersuchungen in der gegenwärtigen biopsychologischen Alternsforschung. Von zentralem Interesse ist dabei, inwiefern auch adaptive Prozesse der neuronalen Plastizität mit dem Altern verbunden sind. Die dabei erlangten Erkenntnisse reflektieren eine Vielzahl von möglichen Ursachen und Mechanismen für die Erklärung altersabhängiger neurokognitiver Veränderungen.

Hans Markowitsch (Universität Bielefeld) verweist darauf, dass ungefähr ab dem 50. Lebensjahr auch das autobiografische Gedächtnis abgebaut wird, ebenso Teile des Faktengedächtnisses, also das deklarative Gedächtnis, das Informationen speichert, auf die bewusst zugegriffen wird. Mit zunehmendem Alter können daher bestimmte kognitive Fähigkeiten abnehmen, sodass die Veränderungen des Arbeitsgedächtnisses, der Aufmerksamkeitsprozesse und des räumlichen Denkens die Bedienung technischer Geräte in Arbeit und Alltag beeinträchtigen können. Insgesamt betrachtet vergisst der Mensch jedoch relativ wenig, denn das nichtdeklarative Gedächtnis ist gar nicht alterssensibel, bekanntlich laufen Verhaltensweisen wie Schwimmen oder Radfahren auch im hohen Alter noch automatisch und verlässlich ab. Das „schlechtere Gedächtnis“ liegt aber oft auch daran, dass es Älteren oft schwerer fällt, Störfaktoren auszublenden und sich auf das Wichtige zu konzentrieren. Ältere Menschen sollten in solchen Situationen gelassen bleiben, denn Stress, Leistungsdruck und Angst sind Gift für das Erinnern. Wer sich nämlich ständig mit seinen Gedächtnisproblemen auseinandersetzt, blockiert sich selbst und verschlimmere die Situation
Oft handelt es sich auch um ein Zugriffsproblem, denn die Kapazität des Langzeitgedächtnisses ist beinahe unbegrenzt, allerdings sammeln sich im Laufe eines Lebens so viele und auch so ähnliche Information an, dass man die gewünschte nicht mehr so schnell findet. Monika Knopf (Goethe-Universität Frankfurt/Main) stellte fest, dass im Allgemeinen das Gedächtnis auch im höheren Alter dann gut funktioniert, wenn besonders Sachen und Ereignisse erinnert werden müssen, die sie eine konkrete Situation eingebunden sind, wenn also Erinnerungsstützen vorhanden sind. Übrigens auch Jüngeren macht es Probleme, sich den Namen eines Menschen zu merken, den man mit vielen anderen zugleich kennengelernt hat.

Ein hoher Leistungsstandard kann jedoch aufrechterhalten bleiben, wenn Betroffene Strategien der Selektion, Optimierung und Kompensation anwenden. Daher sollte man ältere Benutzer im Umgang mit neuen Technologien durch spezielle Trainingsmaßnahmen beim Wissenserwerb unterstützen. Es sollte vor allem darauf geachtet werden, dass eine größere Schrift verwendet und die Belastung des Arbeitsgedächtnisses auf einem geringeren Niveau gehalten wird, wobei Letzteres besonders durch eine anfängliche Reduzierung der Komplexität erreicht werden kann. Das läßt sich dadurch bewerkstelligen, dass Zusatzfunktionen zunächst deaktiviert und erst nach einer Phase der Wissensvermittlung freigeschaltet werden. wodurch es zu einer Fehlerreduktion und Motivationsverstärkung kommt.

Zusätzlich hilfreich sind folgende Aktivitäten:

  • Körperliche Tätigkeit fordert das Gehirn und ist der stärkste Reiz ist, um Alterungsprozessen im Gehirn entgegenzuwirken. Eine Untersuchung bei Frauen zwischen 70 und 81 Jahren zeigte, dass regelmäßige körperliche Aktivität einschließlich schnellen Gehens eine bessere Hirnleistung und verringerten Rückgang geistiger Fähigkeiten zur Folge hat. Auch Walken, leichtes Joggen, Radfahren, Schwimmen oder Tanzen sind geeignet.
  • Geistige Alltags-Aktivitätkann dadurch gefördert werden:
    • Einkaufszettel nicht benutzen und erst am Ende schauen, ob man etwas vergessen hat.
    • Buch oder Zeitung umdrehen, so dass die Buchstaben Kopf stehen und zehn Zeilen lesen.
    • Lesen und das Gelesene nacherzählen.
    • Handwechsel beim Zähneputzen.
  • Zum Gehirnjogging gehören Schach, Skat, Memory, manche Computerspiele, Erlernen einer Sprache oder eines Instrumentes. Wichtig: Wenn solche Übungen keinen Spaß machen und man sich zu solchen Gedächtnisübungen zwingen muss, dann entsteht zwangsläufig kein gutes Gefühl und entsprechend hoch ist die Abbruchrate, denn man kann sein Hirn nicht über längere Zeit zu etwas zwingen, was man nicht mag. Das Gehirn ist  kein Muskel, der sich trainieren und erst recht keine Maschine, die sich tunen lässt.
  • Freundschaften pflegen, sich austauschen und spazieren gehen.
  • Soziales Engagement und persönliche Weiterbildung.

Ein praktischer Tipp aus www.bz-berlin.de zum Merken von Namen: Legen Sie sich z. B. einen Geburtstagskalender im Kopf an: Merken Sie sich das Geburtsdatum einer beliebigen Person. Ab und zu fügen Sie eine weitere Person mit ihrer entsprechenden Zahl hinzu. Prüfen Sie regelmäßig, ob Sie sich die Zahlen korrekt gemerkt haben und ob Sie sie den richtigen Personen zuordnen können. Funktioniert übrigens auch mit Telefonnummern! Und so lernen Sie Namen und Nummern spielend:

  • Wenn Ihnen jemand vorgestellt wird, versuchen Sie seinen Namen so bald wie möglich selbst auszusprechen.
  • Stellen Sie sich vor, der Name Ihres Gegenübers stehe ihm auf die Stirn geschrieben (Geheimtipp des amerikanischen Präsidenten Roosevelt).
  • Verknüpfen Sie einen Namen mit einer berühmten Person (z. B. einen Udo mit Udo Lindenberg samt Hut).
  • Reimen ist eine ziemlich sichere Methode (z. B. Marie ruft Kikeriki).
  • Teilen Sie Telefonnummern in Gruppen aus zwei Ziffern auf. Vier Nummern behalten Sie besser als acht (z. B. 74 99 35 80 statt 74993580).

Quellen:
Michael Sengpiel, Doreen Struve, Diana Dittberner, Hartmut Wandke (Berlin): Entwicklung von Trainingsprogrammen für ältere Benutzer von IT-Systemen unter Berücksichtigung des Computerwissens. Wirtschaftspsychologie 3/2008, Schwerpunkt: „Alter und Arbeit“. Gastherausgeber: Jürgen Wegge, Ekkehart Frieling, Klaus-Helmut Schmidt
OÖnachrichten vom 08.10.2008
http://www.lexisnexis.de/aktuelles/soziales/151770/
macht-das-alter-vergesslich (08-12-012)
http://www.bz-berlin.de/archiv/
das-kopf-training-article378730.html (09-02-25)