Boreout – Ausgebrannt vor Langeweile

Voltaire: „Unser größter Feind ist die Langeweile.“

Boreout nennt man eine neue Berufskrankheit, die durch stupide Tätigkeiten, lähmende Routinen und Unterforderung verursacht wird. Neben der Überforderung, Belastung und dem Burnout gibt es daher auch das „Boreout, also sich zu Tode langweilen. Angeblich leidet mehr als jeder zehnte Arbeitnehme an Unterforderung. Das Phänomen des Boreouts besteht aus drei Teilen: Unterforderung, Langeweile und Desinteresse. Wer in der heutigen Arbeitswelt nicht gestresst ist, gehört nicht dazu, daher ist es verpönt, mit KollegInnen statt über Dauerbelastung von Unterforderung zu reden. Die Betroffenen fühlen sich abends ausgepowert, ohne wirklich Stress gehabt zu haben, empfinden ihre Tätigkeit als sinnlos und spielen sich und anderen hektische Betriebsamkeit vor, ohne echte Ergebnisse zu erzielen. Gelangweilte haben nicht nur das Stresshormon Kortisol im Blut, sondern zeigen auch deutlich erhöhten Puls und Blutdruck, wobei MitarbeiterInnen im Öffentlichen Dienst, die sich oft langweilten,  häufiger einen Herzinfarkt erlitten und  früher als ihre Kollegen starben, die sich nicht langweilten. Langeweile macht darüber hinaus anfällig für Wut, Depressionen, Angst, Alkoholismus und Spielsucht.

Boreout-Betroffene gaukeln vor allem den Vorgesetzten und KollegInnen Geschäftigkeit vor und vertuschen damit, dass sie nichts zu tun haben, und tun so, als ob sie völlig ausgelastet wären. Man verhindert aber dadurch, dass sich die Situation verbessert und verfällt dem Gift des Nichts-Tuns. Boreout bedeutet übrigens nicht gleichzeitig, faul zu sein, denn jemand, der faul ist, will nicht arbeiten. Wer unterfordert ist, will arbeiten, aber das Unternehmen lässt es nicht zu. Das Absitzen von Stunden, in denen man nichts zu tun hat und einfach auf den Arbeitsschluss wartet, wird auf Dauer möglicherweise krank. Ursache ist meist, wenn jemand am falschen Ort arbeitet. Daher ist eine positive Unternehmenskultur und zukunftsorientierte Personalplanung, eine richtige Beförderungspolitik und gute Kommunikation das beste Mittel gegen Boreout.

Woran erkennt man ein Boreout?
Trifft das auf Sie oder einen Ihrer Mitarbeiter zu?

  • Sie lassen keinen Blick auf Ihren Bildschirm zu.
  • Sie stehen oft in anderen Büros zum Plaudern.
  • Es werden häufig Rauchpausen gemacht.
  • Die Aktivität, etwa in Besprechungen, ist gering.
  • Es gibt kein Interesse an Fortbildungen.
  • Kein Wunsch nach Aufstiegsmöglichkeiten
  • Das Interesse an Kundenbelangen fehlt.
  • Die Fehlerquote steigt.
  • Die Anzahl der Krankheitstage ist hoch.
  • Es kommen keine Verbesserungsvorschläge.

Übrigens: Blaise Pascal schreibt, dass der gelangweilte Mensch das Nichts, seine Verlassenheit, seine Unzulänglichkeit, seine Abhängigkeit, seine Ohnmacht, seine Leere fühlt.

Quellen:
Seiwert-E-Newsletter No 36,09/2008
OÖN vom 20.3.2010