Verbale Anzeichen für Lüge

  • Glaubwürdigkeitsphrasen wie „Soweit ich weiß“, „Um ehrlich zu sein“ oder „Ich schwöre“ kommen oft vor, wenn die gespielte Aufrichtigkeit unterstrichen werden soll.
  • Versucht jemand sofort das Thema mit ausweichenden Antworten zu wechseln, Gegenfragen (siehe unten) zu stellen oder Ihre Fragen zu ignorieren? Dann will er vielleicht herausfinden, wie viel Sie bereits wissen.
  • Das wortwörtliche Wiederholen der Frage ist eine Taktik, um Zeit zu gewinnen und eine Antwort zu konstruieren. Will jemand lediglich sichergehen, dass er die Frage richtig verstanden hat, wird er nur einen Teil wiederholen.
  • Angespannte Nerven sorgen oft dafür, dass die Stimmlage höher rutscht, wegen der hohen Konzentration auf die Lüge könnte die Stimme flach und monoton werden, aber sie könnte auch leise und flehend klingen.
  • Unnatürliche Ausformulierung: Versucht eine Person ihre Schuld zu verbergen, betont sie die Wörter eventuell ungewöhnlich. Das natürliche „Ich war´s nicht“, wird dann zu „“ch war es nicht“.
  • Sprachliche Fehler: Viele „Ähm“ und „Äh“, sowie holprige grammatikalische Konstruktionen enstehen, wenn der Gesprächspartner sich eine Lügengeschichte ausdenkt.
  • Wenn der Tonfall betont und unangebracht emotionslos ist, sollten Sie stutzig werden. Denn dann möchte der Gesprächspartner die Bedeutung des Themas herunterspielen.

Lassen Sie das Gegenüber die Geschichte ab einem bestimmten Punkt und aus einer anderen Perspektive wiederholen oder rückwarts erzählen, da die Details logisch sein müssen, wird ein Lügner hier häufig straucheln.

Übrigens spielt auch die Stimmlage eine Rolle bei der Beurteilung von Glaubwürdigkeit: WissenschaftlerInnen forderten Probanden und Probandinnen auf, sich die Stimmen von hypothetischen Kandidaten einer politischen Wahl anzuhören, die sagten: „Ich bitte Sie dringend, im November für mich zu stimmen.“ Die Aufnahmen der Stimmen von Frauen und Männern waren dabei digital so manipuliert worden, dass jede Stimme höher beziehungsweise auch tiefer gemacht werden konnte. Die Versuchspersonen sollten danach sagen, für wen sie stimmen würden und wie sie das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit der SprecherInnen einschätzen. Sie entschieden sich dabei durchgängig für die tiefere Stimme, sodass es unter Umständen auch biologische Ursachen geben dürfte, warum Frauen seltener in politische Funktionen gewählt werden. Vermutlich ist aber auch die Assoziation von Kompetenz oder Führungsqualität mit einer tieferen, männlicheren Stimme ein kulturell geprägtes Stereotyp.


Die wichtigsten Effekte von Gegenfragen sind der Zeitgewinn, das Einholen zusätzlicher Informationen, das bloße Weitergeben der Frage, die Sicherstellung des gemeinsamen Verständnisses aber auch die Unterbrechung des Gesprächsflusses. Mit Gegenfragen kann man sich in hitzigen Gesprächen daher etwas Luft verschaffen, denn das ist vor allem dann angebracht, wenn man den Eindruck hat, das Gegenüber stellt eine Frage mit suggestiv-vorwurfsvollem Hintergrund. Man spürt dabei, dass das Gegenüber eine Frage nur deshalb stellt, weil er oder sie schon ein negatives Verhalten oder einen Fehler vermutet. Bei solchen suggestiv-vorwurfsvollen Frage sollte man dann immer mit einer Gegenfrage antworten, die bewirken kann, dass der Gegenüber über die eigenen Worte nochmal nachdenkt und zu dem Schluss kommt, dass er oder sie zu Unrecht ein Fehlverhalten unterstellt hat. Allerdings kann eine Gegenfrage durchaus als Affront aufgefasst werden kann und eskalierend wirken.


Siehe auch Nonverbale Anzeichen für Lügen


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