Psychotherapeutische Schmerztherapie

Auch wenn eine Psychotherapie einen chronischen Schmerz kaum beseitigen kann, ist sie wertvoll, denn sie kann Betroffenen dabei helfen, nicht gegen, sondern mit dem Schmerz zu leben. Wesentlich ist dabei, den Selbstwert- und das Kompetenzerleben des Betroffenen dauerhaft zu stärken, wobei es nicht nur auf rationale Einsichten ankommt, sondern entscheidend ist vielmehr die wiederholte und direkte Erfahrung.

Eine Herausforderung für die Therapeutin bzw. den Therapeuten besteht darin, gute Voraussetzungen für solche Erfahrungen zu schaffen, die Therapiesituation auch unter schwierigen Bedingungen so zu gestalten, dass Fähigkeiten und Stärken des Betroffenen unmittelbar zum Tragen kommen können, etwa dadurch, dass er die bisherige Auseinandersetzung des Betroffenen mit seinem Schmerz anerkennt, ihn in Überlegungen zum Therapieverlauf einbezieht, Vorbehalte und Einwände nicht voreilig als Widerstand abwehrt, sondern ernst nimmt.

Der Therapeut darf sich dabei nicht entmutigen lassen, denn einer Veränderung psychischer Prozesse liegt eine Veränderung neuronaler Vorgänge zugrunde und diese Veränderungen brauchen Zeit. Das Wissen um diese Mechanismen bewahrt den Therapeuten bzw. die Therapeutin vor Ungeduld, Enttäuschungen sowie davor, die willentlichen Einflussmöglichkeiten des Klienten bzw. der Klientin zu überschätzen. Auch hält es ihn davon ab, sich Behandlungsprogrammen zuzuwenden, die die Verantwortung allzu sehr auf den Betroffenen übertragen, also auf seinen Willen und seine Einsatzbereitschaft. Der Wille des Patienten ist zwar eine wesentliche Voraussetzung jeder Therapie, nicht aber allein entscheidend für den Erfolg.

Jeder Mensch muss für sich einen Weg finden, mit dem Schmerz zu leben, nicht, mit ihm fertig zu werden, nicht, ihn zu bewältigen, sondern mit ihm zu leben. Es ist daher eines wichtig, sich nicht als Opfer des Schmerzes zu sehen, ihn weder als Feind, noch als Freund zu betrachten, sondern mit Gleichmut, etwa so, wie man das näher rückende Alter betrachtet.


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