Östrogen und Gedächtnis

Nach neueren Untersuchungen (Lu et al., 2019) ist das weibliche Sexualhormon Östrogen möglicherweise auch von Bedeutung für kognitive Fähigkeiten, denn wie Experimente an Mäusen zeigten, fördert eine im Gehirn von Männern und Frauen produzierte Form dieses Botenstoffs die synaptische Plastizität und damit Lern- und Erinnerungsprozesse. Bei Mäusen war in Experimenten die synaptische Plastizität durch das fehlende Östrogen offenbar deutlich geschwächt, denn es veränderten sich die Synapsen als Reaktion auf Lernprozesse weniger stark, vor allem kam es zu einer verminderten Langzeitpotenzierung, die eine nachhaltige Verstärkung der Signalübertragung bei bestimmten Synapsen bewirken. Ob das allerdings auch auf den Menschen zutrifft, müssen weitere Studien allerdings noch bestätigen. Allerdings klagen Frauen in den Wechseljahrenüber kognitive Probleme wie Vergesslichkeit, Lernschwierigkeiten, Konzentrations- und Denkstörungen, und haben Probleme mit geistigen Aufgaben, die sie vorher leicht bewältigten. Wissenschaftler untersuchten Frauen in vier Gruppen: Die Frauen befanden sich entweder am Beginn der Wechseljahre mit einem noch regelmäßigen Zyklus, in den frühen Wechseljahren mit ersten Unregelmäßigkeiten der Menstruation, in den späten Wechseljahren oder im ersten Jahr nach der Menopause. Bei Tests zur Aufmerksamkeit, zum Gedächtnisses, zur Geschicklichkeit und zur Feinmotorik zeigte sich, dass Frauen im frühen Stadium der Menopause bei Lern- und Gedächtnisaufgaben sowie der Feinmotorik schlechter abschnitten als Frauen der anderen Gruppen. Da Hippocampus und präfrontaler Cortex bei der Aufnahme und Verarbeitung neuer Informationen wichtig sind, und diese Areale mit zahlreichen Östrogenrezeptoren ausgestattet sind, arbeiten sie besonders gut unter Östrogeneinfluss. Kommt es dann zu Schwankungen im Östrogenspiegel, reagieren diese beiden Regionen empfindlich (vgl. Weber et al., 2012, Weber & Mapstone, 2009).

Literatur

Lu, Yujiao, Sareddy, Gangadhara R., Wang, Jing, Wang, Ruimin, Li, Yong, Dong, Yan, Zhang, Quanguang, Liu, Jinyou, OConnor, Jason, Xu, Jianhua, Vadlamudi, Ratna K. & Brann, Darrell (2019). Neuron-Derived Estrogen Regulates Synaptic Plasticity and Memory. The Journal of Neuroscience, doi:10.1523/JNEUROSCI.1970-18.
Weber, M.T., Mapstone, M., Staskiewicz, J. & Maki, P.M. (2012). Reconciling subjective memory complaints with objective memory performance in the menopausal transition. Menopause, 19, 735-741.
Weber, M. T. & Mapstone, M. (2009). Memory complaints and memory performance in the menopausal transition. Menopause, 16, 694-700.