Identität

Identitäten bilden sich immer entlang des Kontextes von gesellschaftlichen Wertigkeiten, die ein oben und ein unten, ein besser und ein schlechter mitbedingen. Identität ist demnach nicht etwas, was man hat und dessen man sich im Prozess einer wie auch immer vorgestellten Adoleszenz bewusst werden muss, oder das sich entlang natürlicher Prozesse bilden muss, sondern Identitätsbildungen sind häufig persönliche Reaktionen auf Einschränkungen und Verletzungen. Diese Beeinträchtigungen geschehen in der Regel im Kontext bereits kursierender diskursiver Identitätsansprüche, wobei eine Identität zu haben und diese zu verteidigen angeblich dem Leben wie aber auch dem Leiden erst einen Sinn gibt. Das häufig und global vertretene Konzept einer eindeutigen Identität von Menschen, Nationen, Bevölkerungsgruppen ist daher eher kritisch bzw. ambivalent zu betrachten. Vielmehr sollte man eher danach fragen, welche Bedingungen es sind, die Identifikationen überhaupt ermöglichen, aber auch zu untersuchen, wie diese Bedingungen durch Identifikationen erst erzeugt werden. Die Beziehungen, die Menschen zu sich selbst unterhalten müssen, sind keine Identitätsbeziehungen, sondern sie sollten eher Beziehungen der Differenzierung, der Schöpfung und der Innovation sein, denn es ist sehr langweilig, immer derselbe zu sein, wie Foucault meint (Stangl, 2003).

1. Definition
„Identität ist das Gesamt der Antworten auf die Fragen: Wer bin ich? Wer sind wir?“
(Reinhold 1992, S. 247).

2. Definition
„Identität meint den Zielzustand, sich durch Integration neuer Erfahrungen wandeln und mit widersprüchlichen Normen umgehen zu können, ohne die eigenen Intentionen (»mein wahres Selbst«) aufzugeben“ (Kneck & Sandfuchs 1994, S. 156).

3. Definition
Identität wird als Einheit von Einstellungen, Gefühlen und des Verhaltens bei verändernden Umweltbedingungen und bei Fortschreiten der Zeit, beschrieben (vgl. Brunner & Zeltner 1980, S. 100).

4. Definition
Identität wird als Übereinstimmung eines individuellen Wesens oder einer Sache mit sich selbst bezeichnet. Bei der Identität des Menschen wird in der Psychologie von einem dynamischen Selbstkonzept gesprochen, welches sich lebenslang entwickelt und durch das soziale Umfeld und kontinuierlichen Veränderungen in Form von Identitätskrisen gefährdet ist (vgl. Köck & Ott 1994, S. 312).

5. Definition
„Die völlige Übereinstimmung einer Person oder Sache mit dem, was sie ist oder als was sie bezeichnet wird“ (Autorengemeinschaft & Redaktionelle Leitung 2006, S. 94).

Siehe auch Identitätsentwicklung

Literatur

Autorengemeinschaft & Redaktionelle Leitung (2006). Brockhaus Enzyklopädie. Leipzig: F.A.
Brockhaus GmbH Leipzig, Bibliographisches Insitut & F.A. Brockhaus AG.
Brunner, R. & Zeltner, W. (1980). Lexikon zur Pädagogischen Psychologie und Schulpäda-
gogik. München: Ernst Reinhardt Verlag.
Keck, R. W. & Sandfuchs, Uwe (1994). Wörterbuch Schulpädagogik. Bad Heilbrunn: Verlag
Julius Klinhardt.
Köck, P. & Ott, H. (1994). Wörterbuch für Erziehung und Unterricht. Donauwörth: Verlag
Ludwig Auer
Reinhold, G. (1992). Soziologie-Lexikon. München: R. Oldenbourg Verlag.
Stangl, W. (2003). Stichwort: ‘Identität’. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: https://lexikon.stangl.eu/522/identitaet/ (03-05-03)