Die Wirkung von Licht auf negative Emotionen

Licht verbessert bei Menschen und Tieren bekanntlich die Stimmung, wobei die Amygdala eine entscheidende Rolle bei der Regulierung von Emotionen spielt, einschließlich angstbezogener Reaktionen. Bei Nagetieren etwa erhält die Amygdala direkten Lichteinfall von der Netzhaut, wobei Licht möglicherweise auch eine Rolle beim angstbezogenen Lernen spielt. Eine direkte Wirkung von Licht auf die Amygdala stellt daher einen plausiblen Wirkmechanismus für die stimmungsaufhellende Wirkung auch von Licht beim Menschen dar. McGlashan et al. (2021) legten dazu ProbandInnen in einen Gehirnscanner und wurden abwechselnd 30s Blöcken von Licht (10 Lux oder 100 Lux) und Dunkelheit (<1 Lux) ausgesetzt, wobei sich zeigte, dass in den dunklen Phasen die Amygdala gleichbleibend aktiv war, doch sobald das Licht anging, sank ihre Aktivität wieder rasch ab.

Licht, verglichen mit Dunkelheit, führte bei moderater Lichtexposition zu einer größeren Unterdrückung der Amygdala-Aktivität als schwaches Licht. Außerdem war die funktionelle Konnektivität zwischen der Amygdala und dem ventro-medialen präfrontalen Cortex bei Licht im Vergleich zu Dunkelheit verstärkt. Die angstlösende Wirkung von Licht trägt also vermutlich dazu bei, dass Menschen dank künstlicher Beleuchtung die helle Phase des Tages lange in die Abend- und Nachtstunden hinaus verlängern.
Diese Effekte könnten daher zu den stimmungsaufhellenden Wirkungen des Lichts beitragen, und zwar über eine Reduktion des negativen, angstbezogenen Affekts und eine verbesserte Verarbeitung negativer Emotionen.

Literatur

McGlashan, E.M., Poudel, G.R., Jamadar, S.D., Phillips, A.J.K. & Cain, S.W (2021) Afraid of the dark: Light acutely suppresses activity in the human amygdala. PLoS ONE, doi:10.1371/journal.pone.0252350.


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