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Die Macht der Routine: Warum das Gehirn auf Autopilot schaltet

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    Der Mensch verbringt den Großteil seines Alltags in einem Zustand der Automatisierung, wie aktuelle Studien belegen. Während frühere Schätzungen davon ausgingen, dass etwa die Hälfte unseres Handelns auf Gewohnheiten basiert, zeigen neuere Daten, dass wir bei rund zwei Dritteln unserer Aktivitäten ohne bewusste Entscheidung beginnen und diese zu fast 90 Prozent ohne Nachdenken ausführen.

    Dieser „innere Autopilot“ dient vor allem der kognitiven Entlastung: Indem banale Abläufe wie Hausarbeit oder Kaffeetrinken automatisch ablaufen, spart das Gehirn wertvolle Kapazitäten für komplexe Entscheidungen. Besonders bei Müdigkeit oder Erschöpfung greifen wir verstärkt auf diese gelernten Muster zurück. Dabei arbeiten unsere Gewohnheiten meistens für uns, da die Mehrheit der automatisierten Handlungen mit unseren tatsächlichen Absichten übereinstimmt.

    Dennoch erfordert die Etablierung neuer, positiver Routinen Ausdauer: Je nach Komplexität der Aufgabe – vom Wassertrinken bis zum Sport – benötigt das Gehirn zwischen zwei Monaten und einem halben Jahr, bis eine Handlung so tief verankert ist, dass sie keine bewusste Willenskraft mehr erfordert.

    Um den „Autopiloten“ Ihres Gehirns effektiv zu programmieren, können Sie die Erkenntnisse aus der Forschung nutzen. Hier sind praktische Tipps, wie Sie die Phase der Anstrengung überwinden und neue Routinen festigen:

    • Das „Habit Stacking“ (Gewohnheits-Stapeln): Koppeln Sie die neue Tätigkeit an eine bereits bestehende 90-Prozent-Routine. Wenn Sie zum Beispiel mehr Wasser trinken wollen, nehmen Sie sich vor: „Immer wenn ich mir morgens meinen Kaffee mache (bestehende Gewohnheit), trinke ich zuerst ein Glas Wasser (neue Gewohnheit).“
    • Die Hürden senken: Da das Gehirn bei Müdigkeit auf den Weg des geringsten Widerstands schaltet, bereiten Sie alles vor. Legen Sie die Sportkleidung schon abends bereit oder stellen Sie die Vitamine direkt neben die Kaffeemaschine. Je weniger Sie nachdenken müssen, desto eher greift der Autopilot.
    • Beständigkeit vor Intensität: Es ist wichtiger, eine Tätigkeit regelmäßig auszuführen, als sie perfekt zu machen. Um die neuronale Bahn im Gehirn zu festigen, zählt die Wiederholung. Ein fünfminütiges Workout jeden Tag ist effektiver für die Gewohnheitsbildung als ein zweistündiges Training alle zwei Wochen.
    • Den „Cue“ (Auslöser) definieren: Gewohnheiten brauchen einen klaren Startpunkt. Das kann eine Uhrzeit, ein Ort oder ein bestimmtes Gefühl sein. Ohne diesen Auslöser muss das Gehirn jedes Mal eine bewusste Entscheidung treffen – und das verbraucht die Kapazitäten, die wir laut Studie eigentlich sparen wollen.
    • Geduld einplanen: Wie im Text erwähnt, dauert es bei komplexen Dingen wie Sport bis zu sechs Monate. Erwarten Sie in den ersten Wochen Widerstand. Akzeptieren Sie, dass die bewusste Steuerung anfangs anstrengend ist, bis die 66-Prozent-Marke der Automatisierung erreicht ist.

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