Die Erwartungen an Lithium als schnelle Lösung gegen den geistigen Abbau im Alter haben einen Dämpfer erhalten. Eine aktuelle klinische Pilotstudie untersuchte, ob eine geringe Dosierung des Stoffes den kognitiven Verfall bremsen kann. Während die Sicherheit der Behandlung positiv bewertet wurde, blieb der statistische Beweis für eine therapeutische Wirkung aus. Dennoch liefert die Untersuchung wertvolle Erkenntnisse für die zukünftige Forschung, insbesondere im Hinblick auf die optimale Dosierung und die Auswahl geeigneter Patientenkollektive.
Die kürzlich veröffentlichte LATTICE-Studie der University of Pittsburgh untersuchte über einen Zeitraum von zwei Jahren an 80 Probanden über 60 Jahren, ob niedrig dosiertes Lithiumcarbonat den kognitiven Verfall bei beginnenden Gedächtnisproblemen aufhalten kann. Die Ergebnisse fielen jedoch ernüchternd aus, da keines der sechs primären Studienziele eine statistische Signifikanz erreichte. Obwohl die Lithium-Gruppe im Vergleich zur Placebo-Gruppe eine minimale Tendenz zu einem langsameren Abbau des verbalen Gedächtnisses zeigte, reichten die Daten nicht aus, um Zufallseffekte sicher auszuschließen. Ein wesentlicher Erfolg der Studie lag hingegen im Nachweis der Verträglichkeit: Im Gegensatz zur hochdosierten Anwendung in der Psychiatrie traten bei der niedrigen Dosierung keine schweren Nebenwirkungen auf. Die Forscher stellten fest, dass eine tägliche Dosis zwischen 150 und 300 Milligramm die Grenze der Verträglichkeit für ältere Menschen darstellt, während höhere Mengen kaum toleriert wurden. Wissenschaftlich bleibt die Lithium-Theorie dennoch spannend, da Alzheimer-Patienten oft einen Lithium-Mangel in den betroffenen Hirnarealen aufweisen, wobei die dortigen Eiweißablagerungen das Spurenelement binden. Experten diskutieren nun, ob alternative Verbindungen wie Lithiumorotat die Blut-Hirn-Schranke effektiver überwinden könnten als das verwendete Lithiumcarbonat. Trotz des ausbleibenden Durchbruchs dient die LATTICE-Studie als wichtiges Fundament für künftige Untersuchungen, die sich stärker auf Patienten mit bereits nachgewiesenen Amyloid-Ablagerungen konzentrieren sollen. Bis zu einer klinischen Zulassung bleibt es jedoch ein weiter Weg, und Mediziner warnen ausdrücklich vor einer Selbstmedikation aufgrund der potenziellen Toxizität von Lithium.
Literatur
Butters, M. A., et al. (2024). Low-Dose Lithium Carbonate for the Treatment of Mild Cognitive Impairment: The LATTICE Randomized Clinical Trial. JAMA Neurology, doi:10.1001/jamaneurol.2024.xxxx
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