Tatjana Schnell gilt als eine der führenden Forscherinnen auf dem Gebiet der empirischen Sinnpsychologie, wobei ihr zentrales Werkzeug zur wissenschaftlichen Erfassung des Sinnerlebens der Sinntypen-Test ist, der aus einem umfangreicheren Forschungsprojekt hervorging. Im Jahr 2009 veröffentlichte Schnell einen Fragebogen, mit dem sie den Sinntyp der Befragten ermittelt und herausfand, aus welchen Quellen die Menschen ihren Sinn schöpfen. Dieser Fragebogen, bekannt als LeBe (Fragebogen zu Lebensbedeutungen und Lebenssinn), misst die Ausprägungen persönlicher Sinnerfüllung und Sinnkrisen sowie das Ausmaß der Verwirklichung von 26 Lebensbedeutungen beziehungsweise der fünf Sinndimensionen. Das jeweilige Profil erlaubt Schlüsse darauf, ob eine Sinnkrise besteht, ob eine Person ihr Leben als sinnerfüllt wahrnimmt und welche Lebensbedeutungen in welchem Ausmaß dazu beitragen.
Jahre später fand Schnell heraus, dass es auch kürzer geht, indem sich die Sinntypen mithilfe von nur acht Fragen ermitteln lassen, wobei sich das Ergebnis mit dem des längeren Fragebogens deckt.
Das Herzstück des Tests ist die Unterscheidung von Sinntypen, die beschreiben, wie Menschen Sinn in ihrer gegenwärtigen Lebenssituation erleben. Es gibt Menschen, die keinen Sinn in ihrem Leben sehen und darunter leiden – sie befinden sich in einer schmerzhaften Sinnkrise. Andere stecken in einem Konflikt: Sie erkennen zwar einen Sinn in ihrem Leben, aber nicht sehr ausgeprägt; ihnen fehlt etwas. Das ist ein seltener Typ, auf dem schmalen Grat zwischen Erfüllung und Krise. Wiederum anderen ist die Sinnfrage egal – das sind die Indifferenten, die keinen Sinn sehen, dies aber auch nicht besonders stört. Jedenfalls solange nichts sie ins Wanken bringt: Krankheit, Verlust von Angehörigen und andere Ausnahmesituationen können sie früher oder später allerdings derart erschüttern, dass einige in die Sinnkrise rutschen.
Unter Sinnerfüllung versteht Schnell ein grundlegendes Vertrauen in die Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens. Solange dieses Vertrauen vorhanden ist, spüren wir auch nichts von der Sinnerfüllung – ebenso wenig, wie wir bewusst wahrnehmen, dass der Boden, auf dem wir stehen, uns trägt. Sinnerfüllung zeigt sich nach Schnell in vier konkreten Merkmalen: Bedeutsamkeit (ich werde wahrgenommen, erfahre Resonanz auf mein Dasein), Orientierung (ich habe einen Lebensweg gewählt und kenne die Richtung), Kohärenz und Zugehörigkeit.
Neben dem Sinntyp interessiert sich Schnells Forschung auch dafür, woraus Menschen ihren Sinn schöpfen. In ihrer Forschung hat sie 26 Quellen definiert, aus denen Menschen Sinn gewinnen – darunter soziales Engagement, Leistung, Spiritualität, Tradition und Liebe. Besonders wirkungsvoll ist dabei die sogenannte Generativität: Besonders hohe Sinnwerte haben Menschen, die Aussagen tätigen wie „Mir liegt etwas daran, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen“ oder „Ich möchte dazu beitragen, dass auch die Generationen nach uns noch ein gutes Leben haben.“
Die Forschungsergebnisse machen deutlich, warum das Thema so bedeutsam ist. Sinnerfüllung geht einher mit Selbstannahme, Selbstwirksamkeitserwartungen, Regulationsfähigkeiten, Resilienz sowie mit der Befriedigung psychologischer Bedürfnisse wie Autonomie, Kompetenz und sozialer Einbindung. Auch die körperliche Gesundheit und die Lebensdauer werden durch die Sinnerfahrung beeinflusst. Zudem hat Sinnerfüllung einen starken „Puffer-Effekt“: Sie hilft dabei, sich von Stressoren, also schwierigen Ereignissen, nicht so leicht umwerfen zu lassen.
Der Kurztest ist heute über das Portal sinnmacher.eu zugänglich, das Schnell gemeinsam mit ihrem Team entwickelt hat. Ein erster wissenschaftlich fundierter Test zeigt dem Nutzer, welcher Sinntyp er ist und wie es aktuell um seine Sinnerfüllung steht. Wer tiefer einsteigen möchte, kann Sinnmacher Pro nutzen – mit vertiefenden Tests, personalisierten Impulsen und langfristiger Begleitung.
Literatur
Schnell, T., & Becker, P. (2009). Fragebogen zu Lebensbedeutungen und Lebenssinn (LeBe). Göttingen, Germany: Hogrefe.
Schnell, T. (2016). Psychologie des Lebenssinns. Heidelberg, Germany: Springer.
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