Auswirkungen des Fernsehkonsums bei Erwachsenen

Es gibt zahlreiche Untersuchungen über die Auswirkungen des Fernsehens auf die Kognition bei Kindern (Stangl, 2012), doch viel weniger Forschung über die Auswirkungen bei älteren Erwachsenen. Fernsehen ist für das menschliche Gehirn insofern paradox, als permanent wechselnde sensorische Stimuli das Gehirn bis zum Stress aktivieren, während der Körper in mehr oder weniger Bewegungslosigkeit verharrt, wodurch einerseits die Wachsamkeit hoch gehalten wird wird, gleichzeitig das Gehirn aber die Fähigkeit verliert, sich zu fokussieren. Fancourt & Steptoe (2019) haben nun untersucht, ob das Fernsehverhalten von Erwachsenen ab fünfzig Jahren mit einem Rückgang der Kognition verbunden ist. Unter Verwendung von Daten aus der English Longitudinal Study of Aging wurden multivariate lineare Regressionsmodelle verwendet, um Zusammenhänge zwischen dem Fernsehkonsum und der kognitiven Leistung sechs Jahre später zu finden. Dabei wurden demographische Variablen wie sozioökonomischen Status, Gesundheit, Einkommen, soziale Einbindung und körperliche Aktivität kontrolliert.
Es zeigte sich, dass mehr als 3,5 Stunden pro Tag TV-Konsum mit einem Rückgang des verbalen Gedächtnisses in den folgenden sechs Jahren verbunden ist. Dieser Rückgang findet sich insbesondere bei jenen mit besseren kognitiven Leistungen zu Studienbeginn, insbesondere bei der semantischen Sprachkompetenz.

Literatur

Fancourt, Daisy & Steptoe, Andrew (2019). Television viewing and cognitive decline in older age: findings from the English Longitudinal Study of Ageing. Scientific Reports, 9, doi:10.1038/s41598-019-39354-4.
Stangl, W. (2012). Der Einfluss des Fernsehens auf die geistige und emotionale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/MEDIEN/Fernsehwirkung.shtml (2012-04-28).