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Multitasking doch möglich?

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    Vom Denken zum Autopiloten: Wie intensives Training die Architektur des Gehirns verändert

    Das menschliche Gehirn besitzt die faszinierende Fähigkeit, sich durch intensive Übung physisch so umzustrukturieren, dass komplexe Aufgaben im Laufe der Zeit ohne spürbare bewusste Anstrengung bewältigt werden können. Cox et al. (2026) haben in einer umfassenden Längsschnittstudie untersucht, wie dieser Übergang von einem mühsamen Lernprozess zu einem automatisierten Ablauf auf neuronaler Ebene stattfindet. Während herkömmliche Lerntheorien davon ausgehen, dass das Gehirn beim vermeintlichen gleichzeitigen Ausführen mehrerer Aufgaben lediglich sehr schnell die Aufmerksamkeit hin- und herschaltet, zeigen die neuen Erkenntnisse, dass durch dauerhaftes Training echtes Multitasking möglich werden kann.

    Für diese Untersuchung trainierte man Testpersonen über einen Zeitraum von fünf bis zehn Wochen in mehr als 30.000 Durchgängen darauf, mittels einer App subtile Unterschiede bei der Kategorisierung von veränderten Autobildern zu erkennen. Die Gehirnaktivität vor und nach dieser intensiven Trainingsphase wurde präzise per funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI) und Elektroenzephalogramm (EEG) aufgezeichnet. Die Ergebnisse verdeutlichen eine fundamentale funktionelle Verlagerung: Zu Beginn des Lernprozesses war vor allem der präfrontale Cortex aktiv, der für bewusstes, tiefes Denken zuständig, aber in seiner Kapazität stark limitiert ist – was das Lernen anfangs so anstrengend macht.

    Nach dem wochenlangen Training verlagerte sich die visuelle Verarbeitung und Kategorisierung jedoch in den ventralen okzipito-temporalen Cortex, ein Gehirnareal, das wie eine Bibliothek für Erinnerungen und komplexe Objekte fungiert. Gleichzeitig verringerte sich die neuronale Verbindung zum präfrontalen Cortex, während die Verknüpfung zu den motorischen Ausgabebereichen zunahm. Das Gehirn entkam dadurch dem sogenannten „frontalen Nadelöhr“, wodurch die Aufgabe von einem kontrollierten, aufmerksamkeitsintensiven Prozess in einen reibungslosen, automatisierten Ablauf im Hintergrund überging.

    Diese gesteigerte Automatisierung führte im Experiment nachweislich dazu, dass die Probanden die Kategorisierung selbst bei der gleichzeitigen Bewältigung einer Zweitaufgabe fehlerfrei und effizient durchführen konnten. Die Entdeckung dieser neuronalen Plastizität eröffnet neue Perspektiven darauf, wie getrennte neuronale Schaltkreise durch Erfahrung so aufeinander abgestimmt werden können, dass paralleles Handeln möglich wird – auch wenn alltägliche Grenzen wie das gefährliche Tippen von Textnachrichten am Steuer eines Autos aufgrund der visuellen Ablenkung von der Straße bestehen bleiben (Cox et al., 2026).

    Literatur

    Cox, P. H., Scholl, Clara A., Laws, M. L., Jaimes, N. E., Jiang, X., & Riesenhuber, M. (2026). Extensive Experience Remodels Neural Task Circuitry to Escape the Frontal Bottleneck and Increase Automaticity of Categorization. Journal of Cognitive Neuroscience, 1–23.


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