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Die unbewusste Linkstendenz: Warum Menschen beim Gehen den Gegenuhrzeigersinn bevorzugen

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    Echeverría-Huarte et al. (2026) haben durch Zufall während der Corona-Pandemie ein bemerkenswertes und stabiles Bewegungsmuster bei Fußgängern entdeckt: Bei Videoanalysen von frei beweglichen Fußgängergruppen in Spanien und Japan stellte sich heraus, dass Menschen auf offenen Flächen unbewusst dazu neigen, sich gegen den Uhrzeigersinn, also in einer Linksdrehung, zu bewegen. Dieses Phänomen trat in 32 von 33 Versuchsdurchläufen auf und betraf rund 80 Prozent der Versuchsteilnehmer fast unmittelbar.

    Überraschenderweise erwies sich dieser Linksdrall als äußerst robust und unabhängig von kulturellen Prägungen, Alter, Geschlecht oder sozialer Gruppendynamik. Selbst Faktoren wie Händigkeit, Fuß- oder Augendominanz lieferten keine Erklärung für das Verhalten. Lediglich das Alter zeigte einen minimalen Effekt, da das Muster bei Kindern und Jugendlichen besonders ausgeprägt war, was eine rein kulturell erlernte Gewohnheit ausschließt. Man konnte zudem zeigen, dass die Tendenz auf individueller Ebene entsteht und nicht das Resultat von kollektiven Interaktionen oder hoher Menschendichte ist.

    Obwohl die genauen biologischen, neurologischen oder biomechanischen Ursachen – wie etwa eine Asymmetrie in der Gleichgewichtssteuerung oder Schrittfolge – noch ungeklärt sind, spiegelt sich diese Präferenz bereits in vielen alltäglichen Konventionen wider, wie etwa bei der Laufrichtung in Sportstadien, Auto- und Pferderennen oder der Wegführung in Supermärkten. Für die Praxis der Stadtplanung sowie die architektonische Gestaltung von Bahnhöfen, Stadien und Veranstaltungsflächen bietet diese universelle Neigung entscheidende Erkenntnisse, um Personenströme künftig sicherer, effizienter und staufrei zu leiten.

    Literatur

    Echeverría-Huarte, I., Feliciani, C., Shi, Z., Nishinari, K., Sánchez, A., Garcimartín, A., & Zuriguel, I. (2026). Individual locomotor bias drives counterclockwise motion in pedestrian crowds. Nature Communications, 17(1), doi:10.1038/s41467-026-73713-w.


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