Zum Inhalt springen

Frustration als Motor des Fortschritts?

    Anzeige

    Der Erwerb neuer Kompetenzen, sei es im Sport oder in der Kunst, führt unweigerlich an einen Punkt, an dem die sichtbaren Fortschritte trotz intensiver Bemühungen ausbleiben. Dieses Phänomen wird als Lernplateau bezeichnet und führt bei vielen Lernenden zum vorzeitigen Abbruch, da es fälschlicherweise mit persönlichem Versagen gleichgesetzt wird.

    Wissenschaftlich betrachtet ist dieses Plateau jedoch kein Stillstand, sondern eine hochproduktive Phase der neuronalen Konsolidierung. Ein entscheidendes Missverständnis besteht oft in der Gleichsetzung von aktueller Leistung und tatsächlichem Lernen. Während die Leistung eine flüchtige Momentaufnahme darstellt, die von Faktoren wie Müdigkeit oder Tagesform beeinflusst wird, beschreibt Lernen die dauerhafte Verankerung von Fähigkeiten im Gehirn.

    In Phasen der Stagnation arbeitet das Gehirn im Hintergrund an sogenannten „Basic Action Concepts“ (BACs). Dabei handelt es sich um mentale Baupläne für Bewegungsabläufe, die während eines Plateaus optimiert, verfeinert und effizienter miteinander verknüpft werden. Dieser Prozess der internen „Werkstattreinigung“ ist die Voraussetzung für den nächsten großen Leistungssprung.

    Der Weg zur Meisterschaft folgt dabei einem dreistufigen Modell: der kognitiven Phase, in der volle Konzentration auf jeden Einzelschritt nötig ist, der assoziativen Phase, in der Plateaus am häufigsten auftreten und Abläufe verfeinert werden, sowie der autonomen Phase, in der Handlungen vollautomatisch ablaufen. Um diesen Prozess zu unterstützen, können Konzepte wie der Transfer genutzt werden, also die Erkenntnis, wie bereits vorhandenes Wissen das neue Lernen entweder fördern (positiv) oder behindern (negativ) kann.

    Ein weiteres mächtiges Instrument ist das mentale Training. Durch die bewusste Visualisierung von Bewegungen aus der Innen- oder Außenperspektive werden dieselben Nervenbahnen aktiviert wie beim physischen Training. Obwohl mentales Training die Praxis nicht ersetzen kann, wirkt es in Kombination mit körperlichem Üben synergetisch.

    Fazit: Ein frustrierender Trainingstag ist somit kein Beweis für Ineffektivität, sondern ein Zeichen dafür, dass das Gehirn die notwendige Schwerstarbeit leistet, um ein solides Fundament für zukünftige Höchstleistungen zu schaffen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, die Frustration als notwendigen Teil des Wachstumsprozesses zu akzeptieren.


    Nachricht ::: Stangls Bemerkungen ::: Stangls Notizen ::: Impressum
    Datenschutzerklärung ::: © Werner Stangl :::

    Schreibe einen Kommentar