Wie kommen Erinnerungen ins Gedächtnis?

Erinnerungen werden im mittleren Temporallappen seriell verarbeitet, denn während das Langzeitgedächtnis Erinnerungen durch Änderung der Verknüpfungen zwischen den Nervenzellen dauerhaft speichert, bleibt der Inhalt des Kurzzeitgedächtnisses flüchtig, denn er besteht aus elektrischen Erregungsmustern, die für eine kurze Zeitspanne von wenigen Sekunden bis Minuten aufrecht erhalten wird, und sobald die Erregung abklingt, ist diese Erinnerung gelöscht. Der Hippocampus filtert die Eindrücke aus dem Kurzzeitgedächtnis und entscheidet, woran man sich längerfristig erinnern kann. Die elektrische Aktivität im Hippocampus ändert sich zyklisch, wobei der Hippocampus gleichzeitig in verschiedenen Frequenzen, den Bändern, schwingt: Das Theta-Band schwingt mit vier bis acht Hertz deutlich langsamer als das Gamma-Band, das auf 25 bis 100 Hertz kommt.

Man unterscheiden fünf relativ unabhängige Langzeitgedächtnisformen, diese sich in der Evolution nacheinander entwickelt haben, aber nicht unbedingt speziellen Arealen im Gehirn eindeutig zugeordnet werden können, denn bekanntlich sind Erinnerungen überall. Die beiden ersten beiden Systeme funktionieren unbewusst, denn im prozeduralen Gedächtnis (Kleinhirn und Basalganglien) werden grundlegende Bewegungsabläufe gespeichert, und entwickelt sich als erstes im Leben, wenn das Neugeborene beginnt, Bewegungsabläufe zu wiederholen. Das Priming (assoziativer Cortex) ist ein Lerneffekt, der dazu führt, dass man bereits Gesehenes unbewusst schneller wiedererkennt. Das perzeptuelle Gedächtnis (sensorischer Cortex) schließlich, das wie die beiden nachfolgenden auch bewusst arbeitet, sorgt dafür, dass man Objekte identifizieren und kategorisieren kann. Das perzeptuelle Gedächnis ist somit für Muster zuständig, der polymodale Cortex der linken Großhirnrinde speichert Fakten wie die Sprache. Bleibt ein Wort im Gedächtnis, so wird drei Zehntelsekunden nach dem Lesen der rhinale Cortex (Riechhirn) im mittleren Schläfenlappens aktiv, fünf Zehntelsekunden nach dem Lesen zeigt sich eine elektrische Aktivität im Hippocampus. Fakten ohne Kontext werden im semantischen Gedächtnis (vorrangig linke Gehirnrinde) gespeichert.

Diese vier Gedächtnissysteme haben Menschen mit Säugetieren und Vögeln gemeinsam, während das episodisch-autobiografische Gedächtnis nur beim Menschen nachweisbar ist, das bewusst erlebte Momente des Lebens speichert. Erinnerungen werden somit im autobiografischen Gedächtnis abgelegt, an dem mehrere Gehirnareale beteiligt sind, darunter die frontalen und temporalen Areale der rechten Gehirnhälfte.

Das Langzeitgedächtnis entwickelt sich erst im Verlauf des zweiten Lebensjahrs, denn vorher können sich Kleinkinder nur sehr schlecht an länger zurückliegende Ereignisse erinnern. Sechs Monate alte Kleinkinder behalten Erlebnisse etwa nur 24 Stunden im Gedächtnis, mit neun Monaten steigt das Erinnerungsvermögen schon auf einen Monat. Die Ausbildung des Langzeitgedächtnisses ist eng an die Entwicklung des Gehirns gekoppelt, denn auch wenn der Frontallappen im Gehirn, der für das Speichern und Abrufen von Erinnerungen zuständig ist, sich zwar bereits gegen Ende des ersten Lebensjahrs entwickelt, so reift er aber erst vollständig im Verlauf des zweiten Lebensjahrs aus, wodurch auch die Fähigkeit zunimmt, sich über längere Zeiträume an bestimmte Ereignisse zu erinnern.

Quelle und Linktipp: http://www.3sat.de/page/?source=/nano/medizin/153128/index.html (11-04-12)

Auf dieser Webseite findet sich ein sehr anschauliches Video, das den hier geschilderten Sachverhalt verdeutlicht. Weitere Informationen finden sich in den Arbeitsblättern zu, Thema Gehirn: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GEHIRN/