Um das Kindeswohl kümmern sich zu viele verschiedene Institutionen

Dem Kindeswohl widmen sich immer mehr Institutionen und Therapeuten, wobei die Gefahr besteht, dass die Vernetzungen und Kooperationen untereinander eher zu einer Art Beschäftigungstherapie von HelferInnen werden. im Laufe der Zeit sind die Arbeitskreise u.a. im Rahmen der Projekte zu den ´frühen Hilfen´ bzw. den Früherkennungen von Kindeswohlgefährdung immer mehr geworden, wobei sich 20 bis 30 verschiedenen Institutionen bzw. Professionen zu einer Hydra mit einer unübersichtlichen Zahl von Köpfen entwickelt hat. Michael Fegert et al. berichten etwa, dass von 47 sexuell missbrauchten Mädchen und Jungen aus Berlin und Köln während der Aufdeckungsphase bereits 45% vier bis sechs Institutionen und 26% sieben bis zehn Institutionen kontaktiert hatten. Zum zweiten Untersuchungszeitpunkt eineinhalb Jahre später hatten sogar bereits fast 60% der Kinder mehr als sieben Institutionen aufgesucht.
Heinz Kindler aus München weist zahlreiche Denkfehler und andere Praxisirrtümer im Kinderschutz wie fehlerhafte Alltagstheorien und missverstandene Forschungsergebnisse. Denn selbst wenn wissenschaftliche Studien vorliegen, ist es für interessierte Fachkräfte aus der Praxis sehr schwer, sich ein eigenes Bild von der Befundlage zu machen, wobei mangelnde Zeit, fehlender Zugriff auf wissenschaftliche Literatur, Motivationsprobleme aufgrund schlechter Erfahrungen mit wenig praxisrelevanter Forschung und ein eingeschränktes Verständnis von Forschung wesentliche Hinderungsgründe darstellen. Daher ist die soziale Arbeit in der prekären Situation, letztlich allein auf Plausibilität, Einfühlung, Engagement und Praxis- bzw. Lebenserfahrung vertrauen zu müssen. Kindler vermutet auch, dass Studienabsolventen in einer der beteiligten Disziplinen nur wenig intensive Kenntnisse der empirischen Befundlage vermittelt bekommen, sodass sich die meisten Fachkräfte zu Beginn einer Tätigkeit ihrer Kinderschutz sich den Kenntnisstand erst aneignen müssen.