Stimme der Mutter

Bei Neugeborenen beobachtet man, dass sie bevorzugt auf die Stimme der Mutter reagieren, obwohl sie offensichtlich noch keinerlei Form von Sprache oder Parasprache verstehen. Sie kennen aber den phonetischen Fingerabdruck der mütterlichen Klangerzeugung vermutlich schon aus dem Mutterleib. Dieser Klang schafft die Kontinuität zwischen dem Leben innerhalb und außerhalb des Mutterleibes. Die Stimme der eigenen Mutter ist nach zahlreichen Untersuchungen die Lieblingsstimme aller Kinder und hat enormen Einfluss auf ihr Verhalten.  Abrams et al. (2016) haben nun genauer untersucht, welchen Einfluss die mütterliche Stimme auf das Gehirn von Kindern hat. Dabei zeigte sich nicht nur, dass die Kinder die Stimme ihrer Mutter schon in einer weniger als eine Sekunde langen Aufnahme fast immer erkennen konnten, sondern der charakteristische Klang hatte auch Auswirkungen auf die Reaktion des Gehirns: Durch die mütterliche Stimme werden zahlreiche Hirnregionen intensiv angesprochen, die auf eine fremde Stimme gar nicht oder mit deutlich geringerer Aktivität reagieren. Dabei waren nicht nur Areale im auditiven Kortex aktiver, sondern auch solche, die für die Verarbeitung von Informationen und Belohnungsmechanismen eine Rolle spielen. Siehe dazu weiter Wechselhaftigkeit und Veränderlichkeit.

Literatur

Daniel A. Abrams, Tianwen Chen, Paola Odriozola, Katherine M. Cheng, Amanda E. Baker, Aarthi Padmanabhan, Srikanth Ryali, John Kochalka, Carl Feinstein, & Vinod Menon (2016). Neural circuits underlying mother’s voice perception predict social communication abilities in children. PNAS, doi:10.1073/pnas.1602948113.