Psychologie und Gesetze

In Gesetzestexten werden häufig Annahmen über menschliches Verhalten gemacht, die aus einer naiven Psychologie resultieren, zu denen aber bereits Forschungen vorliegen, die diese Annahmen falsifizieren oder zumindest deutlich einschränken. Aus dieser Sichtweise heraus stellt die Tätigkeit von Gesetzgebern eine deutliche Überforderung dar, wobei die Anforderungen an die die Gesetze formulierenden Personen, deren Motivationslage und deren erwünschte Kompetenzen nicht vorhanden sind. Oft erweist sich schon die Diagnose gesellschaftlicher Phänomene als sachlich ungeeignet. Die Verhaltenssteuerung durch Sanktionen ist in diesen Fällen ebenfalls zu einfach, vielmehr wären kreative Ideen in diesem Kontext sehr wichtig. Eine stärkere Einbeziehung der Betroffenen in die Gestaltung und damit in eine stärkere Übernahme der Verantwortung wären oft angebracht. Die meisten Gesetze wären aus der Sicht der Psychologie erheblich zu überarbeiten, um die von der Politik vorgegebenen und letztlich durch die Gesetze angestrebten Ziele auch erreichen zu können. Dabei muss man sicherlich auch auf der Ebene dieser Ziele eine umfassende Wertdiskussion führen. Gesetzliche Regelungen, die Verhaltensgesetze missachten, sind in ihrer Auswirkung oft nicht vorhersehbar und sollten vermieden werden, denn die auf Grund naiver Vorstellungen vom menschlichen Verhalten zustande kommenden Gesetze können sich als kontraproduktiv erweisen.