Psychologie des Abnehmens

Gleich zu Beginn: Es gibt keine Psychologie des Abnehmens. Dass manche Menschen daran glauben, dass es eine Psychologie des Abnehmens gibt, liegt daran, dass in den Medien und in unzähligen Ratgebern für Diäten der Gedanke verbreitet wird, dass das Abnehmen etwas mit Psychologie zu tun haben könnte. Viele Abnehmbücher dieser Zeit stellen trendige Diäten vor oder plädieren für mehr Achtsamkeit, was ja eine psychologische Komponente darstellt. Die Wahrheit, Wie viele Menschen schon an ihrem eigenen Leib erfahren haben, ist die, dass Abnehmen wenig bis gar nichts mit psychologischen Aspekten zu tun hat. Die wichtigsten Eigenschaften eines Abnehmwilligen sind Realismus und Geduld und die Erkenntnis, dass Abnehmen kein Mysterium ist. Die einzigen, die sich der Psychologie bedienen, sind die Autoren und Verlage, die Bücher zum Abnehmen herausbringen, denn sie suggerieren den Menschen, dass sie mit ihrem Körper nicht zufrieden sein dürfen. D.h., sie suggerieren eine negative Emotion, die dem Abnehmen grundsätzlich entgegensteht. Alleine aus diesem Grund ist das Scheitern vorprogrammiert.

Die einfache Grundregel für das Abnehmen lautet: Die Energiebilanz muss negativ sein. Der Jojo-Effekt ist dadurch bedingt, dass man weniger isst, wodurch aber der Grundumsatz sinkt und man aufhört mit dem weniger Essen, auch wieder zunimmt.  ist garantiert. Damit das Gewicht eines Menschen gleich bleibt, muss die Energiebilanz gleich null sein, d. h., der Energie-Input muss gleich sein wie der Energie-Output. Bei manchen Menschen ist der Grundumsatz sehr hoch zu sein, also nehmen sie kaum zu, obwohl sie viel essen und wenig bis keinen Sport machen. Der Grundumsatz ist genetisch verankert und sinkt mit dem fortschreitenden Alter ab etwa 30 Jahren. Zum Abnehmen braucht man keine Waage, denn die optische Kontrolle und die Hosenprobe sind völlig ausreichend.

Beziehungsstatus und Gewicht

In einer Studie (Mata et al., 2018) wurde untersucht, wie sich Veränderungen im Zusammenleben oder im Familienstand auf den Body Mass Index (BMI) im Laufe der Zeit auswirken. Über zwanzigtausend Probanden, die die deutsche Bevölkerung repräsentierten, und über achtzigtausend Beobachtungen über sechzehn Jahre hinweg lieferten dabei die Daten. In persönlichen Interviews wurden demographische Merkmale erhoben, darunter Lebens- und Familienstand, Größe, Körpergewicht und gewichtsrelevantes Verhalten (Bewegung, gesunde Ernährung und Rauchen). Zu den Kontrollvariablen gehörten das Alter, Statusänderungen, Lebensereignisse wie Kinderkriegen oder Veränderung des Erwerbsstatus, wahrgenommener Stress und subjektive Gesundheit.

Es zeigte sich, dass das Zusammenleben zu einer signifikanten Gewichtszunahme bei Männern und Frauen führte, nach vier Jahren oder länger, etwa doppelt so viel wie in der Ehe (Kontrolle von gewichtsbezogenem Verhalten, Alter, Kindern, Beschäftigung, Stress und Gesundheit). Der Body Mass Index nach einer Trennung war weitgehend vergleichbar mit dem Body Mass Index vor Beginn des Zusammenlebens, wobei Frauen im ersten Jahr etwas Gewicht verloren (Heiratsmarkthypothese, wonach Menschen auf Partnersuche sich um ein niedrigeres Körpergewicht bemühen, da dies mit mehr Attraktivität verbunden wird), Männer hingegen nahmen nach vier oder mehr Jahren der Trennung etwas an Gewicht zu. Eine Änderung im Beziehungsstatus hat offenbar auch eine Änderung der Essgewohnheiten zur Folge.

Scheidung ist demnach ein guter Prädiktor für eine Gewichtszunahme, wobei Veränderungen in der Bewegung, gesunde Ernährung und Rauchen nicht die Auswirkungen von Veränderungen im Beziehungsstatus auf den Body Mass Index verminderten. Die Ergebnisse erweitern und qualifizieren frühere Ergebnisse bestätigen frühere Untersuchungen, dass der Nutzen von Ehe oder Zusammenleben nicht unbedingt einen gesünderen Body Mass Index beinhaltet, wobei Beziehungsübergänge, insbesondere das Eingehen einer Partnerschaft oder eine Trennung wichtige Zeitfenster für die Prävention von Gewichtszunahme sein könnten.

Im Schlaf abnehmen?

Kurioses verspricht ein Sportwissenschaftler in seinem Buch „MindSlimming“, nämlich dass man sich schlank träumen kann, wobei es sich um eine Konditionierung handelt, bei man mit Hilfe eines Ankerwortses körperliche Übungen ohne Anstrengung im Schlaf durchführt. Zu Beginn des Schlafs ist nach seiner Aussage das Unterbewusstsein besonders aufnahmefähig, nämlich dann, wenn man sich im entspannten Zustand (Alphaphase) befindet. Am Beginn steht bei dieser Methode körperliches Training, bei dem man die Hauptmuskelgruppen in Verbindung mit dem Ankerwort trainiert. Jedes Mal, wenn man die Bewegung einer Übung ausführt, stellt man sich zusätzlich vor, wie die Muskeln zum Beispiel eine Wasserflasche anheben und man spricht bei jeder Bewegung das Wort Flasche aus. Je öfter man diese Übung ausführt, desto stärker verbindet das Gedächtnis die Wasserflasche mit der Übung selbst, wobei es irgendwann genügt, vor dem Einschlafen das Wort Flasche zu denken, dem dabei führt man in Gedanken die Übung mit der Flasche aus, um die entsprechende Körperreaktion abzurufen. Die Übungen werden am Ende des Programms immer weniger werden, und am Schluss ist es ausreichend, die körperlichen Übungen einmal in der Woche durchzuführen, um den Körper nicht vergessen zu lassen, was er beim Aussprechen des Ankerbegriffs umzusetzen hat. An den übrigen sechs Tage muss man sich die Bewegung nur detailliert mit dem Ankerwort ins Gedächtnis rufen.

Siehe dazu Richtig abnehmen passiert im Kopf.

Literatur

Mata, J., Richter, D., Schneider, T., & Hertwig, R. (2018). How cohabitation, marriage, separation, and divorce influence BMI: A prospective panel study. Health Psychology, 37, 948-958.