Motive zur Wahl des Wohnortes

Zusammenhang mit dem Studienort unter Berücksichtigung der Auswirkungen auf das soziale Leben

Wenn man beschließt zu studieren, steht nicht immer die Entscheidung für eine Studienrichtung im Fordergrund. Auch die Wahl der Universität und des Studienortes können bestimmende Faktoren sein.

So zeigt eine zweijährige Studie von Antonitsch-Krainer-Lerchster & Ukowitz an der Uni Klagenfurt, dass Jugendliche im letzten Mittelschuljahr, ihre Entscheidung des Studienortes eher von der Distanz als vom Studienangebot abhängig gemacht wird. In der Studie wird als eines der Hauptziele „Weg von zu Hause“ formuliert. Die Studienorte Graz, Wien und Innsbruck gehören laut der Studie zu den beliebteren Universitätsstandorten. Auch Städte im Ausland freuen sich großer Beleibtheit. Die Befragten geben an, dass sie den Schritt von zu Hause wegzugehen als wesentlichen Bestandteil des Erwachsenwerdens und des Gewinns von Selbständigkeit erkennen (vgl. Antonitsch, Krainer, Lerchster & Ukowitsch 2007, S. 22).

Weiter Gründe für die Wahl des Studienortes sind:
– Kosten eines Studentenheimplatzes/einer Wohnung/eins Zimmers in einer WG
– Peers
– Jobchance
– Attraktivität des Studienortes
(vgl. Antonitsch, Krainer, Lerchster & Ukowitsch 2007, S. 28 ff)

In der Projektstudie „Wissensmanagement zur Organisation des Studienverlaufs“ von Hermann & Jahnek gaben 30 % der befragten Studierenden an, dass sie einen Zusammenhang zwischen dem Studienerfolg und der Distanz zwischen Studienort und Wohnort, vermuten. Dies wird damit begründet, dass es mit zunehmender Distanz schwieriger wird auf dem Laufenden zu bleiben und in dem sozialen Gefüge der Universität eingebettet zu bleiben. Auch wird vermutet, dass mit der abnehmenden Nähe ebenfalls das Studium an Bedeutung verliert (vgl. Hermann & Jahnek 2004, S. 5).

Auf Grund der in den Kursen „Arbeitstechniken und Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens“ durchgeführten eigenen empirischen Erhebung können folgende Aussagen getroffen:

50% der Befragten wohnen nicht am Studienort. Davon gaben 50% an, dass sich ihre Wohnentscheidung positiv auf ihre Freizeitgestaltung ausgewirkt hat. 20% gaben an, dass sich ihre Entscheidung positiv auf ihre Lernzeit ausgewirkt hat. Für 60% hatte die Wahl des Wohnortes negative Folgen für die Lernzeit. 15% konnten eine positive Auswirkung auf ihre Arbeitsituation und 15% eine negative Auswirkung feststellen. Auf den Faktor Freunden und Familie gaben 75% einen positiven Einfluss an.

35% der Befragten zogen auf Grund des Studiums an den Studienort. Davon brachte die Wohnortswahl für 43% eine positive und für 7 % eine negative Auswirkung auf die Freizeitgestaltung. 64% bemerkten einen positiven Einfluss (vgl. 20%! bei auswärtigen Studenten) und 7% einen negativen auf die zur Verfügung stehende Lernzeit. Auf die Arbeitssituation ergab sich für 21% eine positive und 36% eine negative Konsequenz. Die Beziehung zu Familie und Freunden wurde bei 43% positiv und bei 36% negativ beeinflusst.

Schubach et al. (2016) haben untersucht, inwiefern der Wohnort bzw. ein Wohnortwechsel eine Auswirkung auf die Identitätsentwicklung junger Erwachsener hat. Untersucht wurde dabei die Entwicklung regionaler Identität im jungen Erwachsenenalter, also in einer Lebensphase, die besonders häufig durch Wohnortwechsel geprägt ist, wobei über einen Zeitraum von sechs Monaten Hochschulabsolventen befragt wurden. Es zeigte sich dabei, dass die Umzieher weniger stabil in Bezug auf ihre Identitätszugehörigkeit waren als AbsolventInnen, die in diesem Zeitraum nicht den Wohnort gewechselt hatten. Offenbar haben Ortsveränderungen Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung junger Erwachsener.

Literatur
Antonitsch, K., Krainer, L., Lerchster, R., Ukowitz, M. (2007) Forschungsbericht – Kriterien der Studienwahl von Schülerinnen und Schülern unter der speziellen Berücksichtigung von IT-Studiengängen an Fachhochschulen und Universitäten.
WWW: http://www.uni-klu.ac.at/iff/ikn/downloads/IT-Campus-Endbericht_gesamt.pdf (07-11-25)
Hermann, T. , Jahnek, I. (2004). Wissensmanagement zur Organisation des Studienverlaufs.
WWW: http://www.imtm-iaw.rub.de/imperia/md/content/projekte/wis.pdf (07-11-25)
Schubach, E., Zimmermann, J., Noack, P. & Neyer, F.J. (2016). Me, myself, and mobility: The relevance of region for young adults‘ identity development. European Journal of Personality, 30, 189–200.