Moderne Arbeitsplätze zwischen Schutz, Wohlgefühl und Öffentlichkeit

Das menschliche Gehirn selektiert Information und entscheidet permanent, welche Informationen es unterdrücken soll und auf welche es sich fokussieren soll. Dieser Wechsel strengt das Gehirn an, aber je wacher man ist, desto einfacher selektiert es, aber auch je später der Tag, desto anstrengender wird es, aufmerksam zu bleiben. Dabei spielt der Ort, an dem man arbeitet, eine große Rolle für die Leistung, die man erbringen kann. Ein nachgewiesener Leistungskiller ist dabei das Großraumbüro, denn am produktivsten arbeiten Menschen alleine. Den eigenen Flow ohne Ablenkung beizubehalten, kann man übrigens trainieren, denn Forschungen belegen, dass meditierende Menschen durch ihre Übungen eine zigfach höheree Konzentrationsfähigkeit zeigen als Ungeübte. Dabei gilt auch, dass nur länger und mehr zu arbeiten, Menschen nicht produktiver macht, sondern man muss auch verinnerlichen, dass das Gehirn Produktivitätsphasen hat, die man auch respektieren sollte. Wenn Menschen sich auf etwas fokussieren, brauchen sie Ruhe und keine Ablenkung, d. h., man sollte sich immer wieder Regenerations- und Inspirationsphasen nehmen, also eine Auszeit vom Denken. Wichtig ist dabei das Aufstehen und Bewegen.

Arbeitsplätze sollen den dort Tätigen ermöglich, möglichst effektiv arbeiten können. Vieles hängt von den zu erfüllenden Aufgaben und den individuellen Vorlieben ab, vom Arbeits- und Raumklima und auch dem kulturellen Hintergrund. Studien in Australien zu Auswirkungen moderner Bürogestaltung zeigen, dass MitarbeiterInnen in Großraumbüros schneller gestresst und auch weniger produktiv sind. Neunzig Prozent der Untersuchten berichten, dass sie außer mit schlechtem Raumklima in Großraumbüros vor allem mit Reizüberflutung, Verlust von Privatsphäre und Identität, niedriger Produktivität und geringer Zufriedenheit kämpfen.
Je niedriger MitarbeiterInnen in der Hierarchie angesiedelt sind, umso weniger erfüllt ihr Arbeitsplatz individuelle Ansprüche, wobei das Gefühl des Beobachtetseins und die Vorstellung, dass KollegInnen ihre Arbeit stets überwachen könnten, die Befragten quält und letztlich in ihrer Produktivität behindert. Konkurrenz ist im Büro daher eher kontraproduktiv.
Eine Distanz von mindesten eineinhalb Metern muss eingehalten werden, damit sich Menschen an einem solchen Arbeitsplatz überhaupt wohlfühlen können und sie brauchen Sicht- und Hörschutz, um konzentriert arbeiten zu können. Der Geräuschpegel, etwa durch Telefongespräche der Kollegen, mindert häufig die Konzentration und führt auch zu Streit. Grenzverletzungen rufen bekanntlich Aggressionen hervor.
Großraumbüros brauchen nicht nur hochwertige Möbel, sondern daneben Zonen, in denen der Einzelne, je nach Anforderung, konzentriert arbeiten kann, auch Team-Bereiche und Arbeitszonen, wo die „Begegnungswahrscheinlichkeit“ hoch ist, die zwangloses Kommunizieren ermöglicht. In all diesen Bereichen ist es ebenfalls sehr wichtig, dass richtige Lichtkonzept zu wählen. So müssen an Bildschirmarbeitsplätzen aufgrund der Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV) Normen zur Beleuchtung eingehalten werden. Die internationale Norm EN 12464-1 gibt hierbei vor wie eine Beleuchtung von Arbeitsstätten auszugestalten ist. Normalerweise werden über die großen Strecken der Arbeitsplätze in Großraumbüros lange Schienensysteme verwendet um möglichst viel Oberfläche auszuleuchten. Ein Problem bei Großraumbüros ist die grundlegende Lautstärke die durch Telefonate und Gespräche der Mitarbeiter untereinander zustande kommt. Hier wird oftmals versucht mit Schallschutztrennwänden ein wenig Abhilfe zu schaffen. Dies wiederum kann dem bestehenden Lichtkonzept entgegenwirken und so dunkle Ecken an den Computerarbeitsplätzen verursachen. Als Lösung bieten sich Wandleuchten an, die sowohl indirekt wie auch direkt den individuellen Arbeitsplatz beleuchten. Durch die Vielzahl an verschiedenen Designs kann auch mit den Lampen ein wenig die Eintönigkeit in den Großraumbüros aufgelockert werden. Ein schöner Arbeitsplatz kann auch dazu beitragen den Stress zu mindern. Denn das Auge isst/arbeitet schließlich mit.

Aber keine Zwangskommunikation durch ungehinderten Sicht- und Hörkontakt!
Das heute moderne Desk Sharing beschneidet die Privatsphäre noch deutlicher und ein solches System gelingt nur, wenn die MitarbeiterInnen als Ausgleich teilweise auch zu Hause arbeiten dürfen.

Um die Arbeitsatmosphäre angenehmer zu gestalten, können etwa schalldämpfende Teppichböden oder eine geschickte Aufteilung der Büromöbel dazu führen, dass der Geräuschpegel sinkt. Auch Möbel oder Pflanzen sind ein probates Mittel, um Lärm im Raum durch Gespräche und Geräte zu reduzieren, aber auch eine genügende Anzahl an Rückzugs- und Ruhearbeitsplätzen kann das Problem teilweise entschärfen. Neben der Produktivität kann der Lärm im Büro auch die Gesundheit schädigen, denn wenn man diesem permanent ausgesetzt ist, kann man zwar oberflächlich den Eindruck erhalten, dass man sich an die Geräusche gewöhnt hat, doch unterschwellig geht die Belastung weiter, wobei Herzprobleme, Magenverstimmungen oder Schlafstörungen die Folge sein können.

Lärmpegel als Stressfaktor

Wer in einem Großraumbüro arbeitet, kennt die Belastungen durch ständiges Telefonklingeln, Gespräche unter Kollegen, Maus- und Tastaturgeräusche, was vor allem daran liegt, dass Sprache vom Gehirn wie andere Geräusche nicht ausgeblendet werden kann, d. h., das menschliche Hörsystem kann sich nicht adaptieren. Menschen können sich effektiv nicht gegen diesen störenden akustischen Einfluss wehren, denn das Gehirn richtet sich automatisch auf Sprachverarbeitung aus, während das Klingeln von Telefonen oder die Tippgeräusche mit der Zeit ausgeblendet werden können. Nach Untersuchungen kann die Leistungsfähigkeit von MitarbeiterInnen durch einen hohen Lärmpegel am Arbeitsplatz um fünf bis zehn Prozent sinken, wobei Plaudereien unter Kollegen dabei der größte Störfaktor sind. Daher ist es z. B. auch nicht möglich, in einem Großraumbüro wissenschaftliche Arbeiten zu verfassen oder komplexe Berechnungen anzustellen. Diese Form von Großraumbüros bringen zwar Vorteile im kommunikativen und sozialen Bereich, aber akustisch sind sie nicht vorteilhaft, wobei etwa ein doppelter Abstand eine Reduzierung des Schalls um die Hälfte bedeutet. Mehr Raum für die Beschäftigten rechnet sich für Arbeitgeber auf jeden Fall, denn wer am Platz für die MitarbeiterInnen spart, muss nicht nur mit einer verminderten Leistungsfähigkeit sondern auch mit mehr Krankenständen rechnen, denn ein hoher Lärmpegel versacht manchmal so massiven Stress, dass es zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie Kopfschmerzen oder Bluthochdruck kommt.

Quellen
Hamburger Abendblatt vom 31. Januar 2009