Misstrauen und Kontrolle in Unternehmen führen zur „inneren Kündigung“

Eine ausgeprägte Misstrauenskultur in Unternehmen führt häufig zu einer „inneren Kündigung“ der Beschäftigten. Produktivität, Dynamik und Stabilität sinken, dokumentiert Dr. Kai Krämer (Universität Mainz) in einer Studie.
„Unter der Annahme, dass Mitarbeiter extrinsisch motiviert und stark kontrolliert werden müssen, kommen autoritäre Führungsstile und kontrollzentrierte Managementinstrumente zum Tragen. Inadäquate Führungsstile zeigen sich etwa in der Zurückhaltung relevanter Informationen, in intransparenten Entscheidungsprozessen von oben, fehlenden Mitwirkungsmöglichkeiten, mangelnder Gesprächs- und Diskussionsbereitschaft. Dies bewirkt bei betroffenen Mitarbeitern ein Gefühl des Kontrollverlusts und der Machtlosigkeit.
Außerdem kann sich durch fehlende Transparenz der Unternehmenszusammenhänge, ständig wechselnde Geschäftspolitik, unklare und nicht nachvollziehbare Ziele und häufige oder unerwartete Umorganisationen eine gewisse Visionslosigkeit verbreiten, die einen Mangel an Sinnstiftung bei den Arbeitenden bewirkt.“ Die Studie erschien in dem interdisziplinären Sammelband „Stress im Erwerbsleben: Perspektiven eines integrativen Gesundheitsmanagements„.

Brinkmann (2005) hat ebenfalls das Phänomen der inneren Kündigung untersucht, wobei über 3000 ProbandInnen aus allen Branchen sich an der Studie beteiligten: Ca. 35% der Befragten bezeichneten sich selbst als innerlich gekündigt. Ursachen wurden vor allem in einem problematischen Führungsverhalten der Vorgesetzten gesehen, aber auch suboptimale Arbeitsbedingungen, Konflikte im Kollegenkreis sowie zunehmende psychische Belastungen am Arbeitsplatz wurden als Gründe angeführt. Symptome waren mangelnde Eigeninitiative, Verhaltensveränderungen oder Passivität bei Teamarbeit. Psychologisch gesehen war es für viele Teilnehmer der Fragebogenaktion zu einem Bruch des psychologischen Arbeitsvertrages gekommen, der die wechselseitigen, aber meist unausgesprochenen Erwartungen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber beinhaltet. Letztlich bedeutet dieser Bruch auch eine wirtschaftliche Einbuße, denn nicht nur der Arbeitnehmer selbst leidet, auch das Unternehmen kann sein eigentliches Potenzial nicht nutzen.