Hund und Mensch, ein Vertrauensverhältnis

Hunde bauen im Verlaufe ihres Lebens eine enge und vertraute Beziehung zu ihren Haltern auf. Darin unterscheiden sie sich von anderen Haustieren, wobei das vermutlich an bestimmten sinnesmäßigen Ausstattungen liegen dürfte. Berns et al. (2015) haben die Geruchsverabeitung im Gehirn von Hunden untersuchte, während diese mit verschiedenen Gerüchen von fremden und vertrauten Menschen und Hunden konfrontiert wurden. Hunde bevorzugten dabei nicht nur den Duft des Menschen, sondern vor allem den ihres Hundebesitzers. Dieser aktivierte das Belohungszentrum im Gehirn, was vermuten lässt, dass Hunde nicht nur grundsätzliche Zuneigung für den Menschen empfinden, sondern ihren Besitzer als Familie anerkennen. Schon Gácsi et al. (2014) haben gezeigt, dass die Gehirnaktivität bei Hunden angeregt wird, wenn Hunde menschliche Laute hören, denn Hunde besitzen ähnlich wie Menschen spezielle Areale für die Verarbeitung von Sprache und nehmen dabei auch den emotionalen Gehalt wahr, der über die Stimme transportiert wird. Man vermutet, dass Hunde sich ihren Haltern gegenüber ähnlich verhalten, wie es Kinder mit ihren Eltern tun, denn bei Gefühlen wie Angst oder Sorge suchen ihren Besitzer auf. Das gilt etwa nicht für andere Haustiere wie Pferde oder Katzen. Allerdings sprechen viele Menschen mit einem Hund wie mit einem Kleinkind, d. h., sie wechseln in eine höhere Tonlage und reden besonders deutlich. Allerdings ist das nur in Bezug auf Welpen angebracht, denn nur diese reagieren auf eine solche Ansprache besonders aufmerksam. An erwachsene Hunde sollte man sich nach Untersuchungen von Ben-Aderet et al. (2017) hingegen auf eine erwachsene Art und Weise wenden. Es zeigte sich nämlich, dass älteren Hunde auf die Babysprache nicht wirklich ansprechen, sondern diese haben im Laufe ihres Lebens gelernt, menschliche Laute, die nicht direkt von ihren Besitzern kommen, weitgehend zu ignorieren.

Aus Untersuchungen weiß man, dass die Qualität der Bindung zwischen Hund und Besitzer eine wesentliche Rolle spielt, ob der Stresslevel in Form des Cortisolspiegel beim Umgang miteinander sinkt oder steigt. Bei Hunden mit einer sicheren Bindung zu ihren Haltern ist der Abfall des Stresshormons nach einem gemeinsamen Spiel und einem Bindungstest deutlich nachweisbar. Das liegt übrigens auch daran, dass  Hunde Eigenschaften von ihren HalterInnen übernehmen. Hunde, deren Halter offen und optimistisch sind, tun sich leichter beim Stressabbau. Wenn man auf einen Hund trifft, der nervös, ängstlich oder sogar angriffslustig wirkt, kann man davon ausgehen, dass sein Besitzer gestresst und unausgeglichen ist, denn auch Hunde neigen zu einem schlechteren Stressmanagement, wenn sein Besitzer generell unsicher in Beziehungen ist. Zudem sind Hunde, die keine sichere Bindung zu ihrem Halter haben und ihn oder sie als unzuverlässigen Partner erleben, gestresster als Hunde verlässlicher Besitzer. Hunde sind sind wie Menschen soziale Wesen und eine über die Jahrtausende gemeinsame Geschichte hat bei beiden ihre Spuren hinterlassen. So haben Hunde durch das Zusammenleben mit den Menschen gelernt, deren Mimik und ihr Verhalten zu lesen und deren Gefühle perfekt einzuschätzen. Aber auch Menschen lassen sich von ihren Hunden beeinflussen, was etwa un der tiergestützten Therapie genutzt wird, bei der sich Menschen in Anwesenheit eines ausgeglichenen Tieres entspannen können. So können in einer tiergestützten Therapie traumatisierten Menschen, die etwa ihr Vertrauen in andere Menschen verloren haben, über die Empathie eines Tieres, etwa eines Hundes oder Pferdes, wieder Kontakt aufnehmen.

Tipps für Hundehalter und jenen, die Hunden begegnen

In der Aargauer Zeitung vom 14. April 2016 erklärt Roman Huber, dass ein Hund nicht ohne Grund beisst und dass es wichtig ist, die Körpersprache eines Hundes zu lesen. Die meisten Bisse passieren, wenn ein Hund Angst hat, überfordert oder gestresst ist, im Spiel übereifrig wird oder Schmerzen hat, worauf auch die Tagesform des Hundes Einfluss haben kann. Viele Beißvorfälle sind zu verhindern, wenn der Halter die Körpersprache, das Ausdrucksverhalten, die Beschwichtigungs- und Stresssignale seines Hundes kennt und diese beobachten gelernt hat. Ein Hundehalter muss wissen, wenn er den Hund aus einer Situation herausnehmen muss, der dieser nicht gewachsen ist. Hunde sind auch nur von der Leine zu lassen, wenn Überblick besteht, denn die Freiheit des Hundes endet dort, wo der Rückruf nicht mehr funktioniert.

Tipps für Hundehalter

  • Der Hund ist nur so weit vom Halter entfernt, als er ihn unter Ablenkung zurückrufen kann.
  • Der Halter ist bei der Sache (nicht am Handy), schaut voraus, und hin und wieder zurück.
  • Er nimmt den Hund an unübersichtlichen Stellen zu sich.
  • Der Halter ruft den Hund bei Begegnungen immer rechtzeitig zurück.
  • Wenn der Hund nicht zu 100-prozentiger Sicherheit beim Halter bleiben kann, dann gehört er während des Kreuzens an die Leine.
  • Hunde, die auf fremde Personen reagieren könnten, werden zur Seite genommen und immer auf der abgewandten Seite geführt, sodass keine Gefahr vom Hund ausgehen kann.

Tipps für Jogger, Walker oder Biker

  • Jogger: Nicht direkt auf den Hund zurennen (ist für diesen bedrohlich). Ruhig weiter joggen, Tempo verlangsamen, aber nicht stehen bleiben.
  • Den Hund ignorieren, wie Luft behandeln, dann ist man für ihn nicht interessant.
    Auf die andere Seite schauen, schon gar nicht fixieren oder streng anstarren, das ist für ihn bedrohlich.
  • Nicht über den Hund beugen, nicht streicheln (höchstens den Handrücken zeigen, damit er selber merkt, dass alles in Ordnung ist), auch nicht wild gestikulieren, schreien oder Arme in die Höhe reißen.
  • Nähert sich der Hund trotzdem, kann ein klares Kommando «Sitz» oder «Stopp» mit Handzeichen nützen.
  • Diese Tipps gelten auch bei einem bellenden Hund, denn der Spruch «Hunde, die bellen, beissen nicht» stimmt schlicht nicht.
  • Läuft der Hund einem nach, nicht beschleunigen oder nach hinten gucken – das animiert ihn zum Mitrennen.
  • Nordic Walker: Stöcke mit hängenden Armen ruhig tragen, lockere Gangart.
  • Biker: Abstand wahren, Tempo reduzieren, allenfalls anhalten und das Rad schützend vor sich hinstellen und eine kurze Strecke marschieren.

Stressabbau bei Hunden durch Kauen und Beißen

Hunde sind Rudeltiere und haben daher das Bedürfnis, immer mit vertrauten Lebenwesen zusammen zu sein, d. h., alleine zu sein empfindet kein Hund als angenehm, wobei sich manche Hunde leichter damit abfinden und andere schwerer. Letztere jaulen dann laut oder zerbeißen Hausschuhe und Polstermöbel, wobei sich das Haustier mit diesen Vandalenakten nicht rächt, weil man es alleine gelassen hat, sondern es ist eine natürliche Reaktion: Wenn Hunde Stress haben, versuchen sie instinktiv, diesen durch Kauen abzubauen. Wenn Hunde alleine bleiben müssen und noch nicht gelernt haben, damit umzugehen, suchen sie sich irgend etwas, das nach ihren Besitzern riecht und zerbeißen es, also Hausschuhe oder Polstermöbel.

Anmerkung: Hunde haben auch ein episodisches Gedächtnis, wie in einer Studie nachgewiesen wurde!

Literatur & Quellen

Ben-Aderet, Tobey,  Gallego-Abenza, Mario, Reby, David & Mathevon, Nicolas (2017). Dog-directed speech: why do we use it and do dogs pay attention to it? Proc Biol Sci.
WWW: http://rspb.royalsocietypublishing.org/content/284/1846/20162429.abstract (17-01-14)
Berns, G. S., Brooks, A. M. & Spivak, M. (2015). Scent of the familiar: An fMRI study of canine brain responses to familiar and unfamiliar human and dog odors. Behavioural Processes, 110, 37–46.
Gácsi, M., Faragó, T., Kis, A. & Miklósi, A. (2014). Voice-Sensitive Regions in the Dog and Human Brain Are Revealed by Comparative fMRI. Current Biology, 24, 574–578.
http://www.aargauerzeitung.ch/leben/leben/ ein-hund-beisst-nicht-ohne-grund-so-lernen-sie-die-koerpersprache-eines-hundes-z u-lesen-130197011 (16-04-14)
http://www.nachrichten.at/nachrichten/kultur/Hundeblick-mit-klarer-Botschaft-Nimm-mich-mit;art16,2311051 (16-08-09)
OÖN vom 2. März 2017