Herbstblues im November

Etwa jeder zehnte Erwachsene leidet unter Herbst-Winter-Depressionen, wobei ein Grund dafür der Mangel an Licht ist, der mit den Herbst- und Wintermonaten einhergeht. Im Winter, wenn die Tage kurz sind und die meisten Menschen viel zu wenig draußen sind, produziert der Körper mehr Melatonin als sonst. Im Gegensatz zu einer „normalen“ Depression, die meist mit Appetitlosigkeit und Schlafstörungen einher geht, haben Menschen mit dieser Störung eher ein erhöhtes Schlafbedürfnis und einen Heißhunger auf Kohlenhydrate.

Ausgelöst wird diese sogenannte „Saisonal Abhängige Depression“ (SAD) vor allem durch den Lichtmangel, denn ohne ausreichendes Tageslicht fährt der Körper die Produktion des Hormons Serotonin herunter und in der Dunkelheit steigt der Melatonin-Spiegel, der in der Nacht den Schlaf steuert und die Menschen daher müde macht. Betroffene fühlen sich unausgeglichen und antriebslos, es fällt ihnen schwer, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, sie verlassen deshalb nur noch selten ihre Wohnung, vernachlässigen den Kontakt zu Freunden und Familie. Ältere und alleinstehende Menschen sind besonders anfällig für Herbstdepressionen, wobei auch der Erinnerungsmonat November eine Rolle spielen kann, aber auch die Vorausschau auf Weihnachten, wenn vielleicht geliebte Menschen fehlen werden.

Übrigens: Arbeitgeber in skandinavischen Ländern, die von langen, dunklen Tagen besonders betroffen seien, haben deshalb die Arbeitszeit verändert, sodass mam im Sommer sechs bis sieben Stunden arbeitet, im Winter neun bis zehn Stunden am Tag, da Menschen in der dunklen Jahreszeit weniger produktiv sind und mehr Zeit brauchen, um ihr Pensum zu schaffen.

Im Detail alles zur Herbst-Winter-Depression und was man dagegen tun kann.

Gegen den Novemberblues in Stockholm

In Stockholm geht im November vor vier Uhr nachmittags die Sonne unter und der Winter ist für viele Menschen sehr hart, meint die Psychologin Mia Fahlén und will gemeinsam mit zwei Kolleginnen einsame Schweden vor grauer Grübelei retten mit Therapie auf der Taxifahrt. Eine Woche lang sitzt Fahlén in Stockholmer Taxis auf der Rückbank, und wer einen Wagen bucht, bekommt ihre Hilfe auf Wunsch dazu, ohne Aufpreis. Zum Psychologen zu gehen ist für viele Schweden ein großer Schritt, aber ins Taxi zu steigen ist einfacher. Viele Menschen brauchen gerade in dieser Zeit jemanden zum Reden und öffnen sich, wobei der Winterblues in Stockholm jedes Jahr ein großes Thema ist und eine Taxifahrt eine gute Gelegenheit zum Nachdenken darstellt. Allerdings dauert die Therapie manchmal auch nur ein paar Minuten, denn die Länge der Fahrt ist entscheidend dafür, wie weit man bei der Therapie kommt. Nach einer Blitztherapie zwischen Hauptbahnhof und Rathaus alle Probleme los zu sein, das können die Taxi-Patienten nicht erwarten. Aber die Psychologinnen können ihnen neue Wege aufzeigen, wie sie damit umgehen können, denn das Problem in Worte zu fassen kann ein erster Schritt sein.

Quellen
Stangl, W. (2012). Herbstblues, Winterdepression.
WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/EMOTION/Depression-Winterblues.shtml (12-09-21)
Taxi-Therapie gegen den November-Blues. express.de vom 7. November 2014.