Fördern kooperative Computerspiele die Kooperationsfähigkeit?

Das gewalthaltige Videospiele aggressives Verhalten fördern gilt nach derzeitigem Kenntnisstand in der wissenschaftlichen Psychologie als gesichert, jedoch gibt es nur wenige Untersuchungen zu den Auswirkungen von kooperativen Spielen, also von Spielen, die man gemeinsam mit anderen menschlichen SpielpartnerInnen spielt und bei denen man ein gemeinsames Ziel verfolgt. Bei solchen Spielen hängt der Spielerfolg eines/einer SpielerIn vom Spielerfolg eines/einer anderen SpielerIn ab und umgekehrt. Man vermutet, dass analog zu den Wirkungen gewalthaltiger Spiele sich solche Spiele positiv auf Gedanken- und Gefühlswelt sowie auf kooperatives Verhalten auswirken könnten. In drei groß angelegten Studien unter der Leitung von Tobias Greitemeyer (Institut für Psychologie an der Universität Innsbruck) sollten die in zwei vorausgegangenen Pilotstudien entdeckten positive Effekte des gemeinsamen Computerspielens genauer untersucht werden. Eine erste Korrelationsstudie untersucht die Stärke und Art der Auswirkung von kooperativem Videospiel auf die Zugänglichkeit prosozialer Kognitionen. Dabei werden die TeilnehmerInnen zu ihren Vorlieben und Spielgewohnheiten befragt. Anschließend zeigen Wortergänzungsaufgaben den Grad des Vorherrschens kooperativer Denkstrukturen. Diese gelten als Indikatoren für die Bereitschaft zu gemeinschaftsorientiertem Verhalten. Befragungen und sogenannte „Dilemma-Tasks“, in denen die TeilnehmerInnen vor Entscheidungsaufgaben in sozialen Konfliktsituationen gestellt werden, geben Aufschlüsse über deren Persönlichkeitsorientierung. So können kooperativ agierende SpielerInnen von wettbewerbsorientierten und individualistisch orientierten unterschieden werden. Diese Differenzierung zeigt wichtige Bezugspunkte zwischen Spielverhalten und emotionalen Einstellungen auf. Eine Längsschnittstudie wird sich mit dem Grad positiver Effekte nach dem Konsum kooperativer Videospiele auch über Monate hinweg beschäftigen, wobei sowohl Denk- und Gefühlsweisen als auch Verhaltensmuster untersucht werden. Umfangreiche Befragungen an zwei Zeitpunkten mit 4-6-monatigem Abstand zeigen sowohl Veränderungen als auch die Vorhersagekraft der ersten Erhebung auf. Die dritte Studie des Projekts ist experimentell angelegt und befasst sich mit direkt messbaren kausalen Zusammenhängen zwischen Spielverhalten und positiven Effekten. In zwei Versuchsanordnungen verfolgen die TeilnehmerInnen dabei zu zweit entweder ein gemeinsames Ziel oder spielen allein. Anschließend werden die Zugänglichkeit prosozialer Gedanken und die Empathie der TeilnehmerInnen gemessen. Die Ergebnisse der Befragungen und Aufgaben sollen darüber Aufschluss geben, ob prosoziale Gedanken, Gefühle wie Empathie oder beides die Ursprünge gemeinschaftsorientierten Verhaltens sind.

Quelle
http://www.fwf.ac.at/de/public_relations/press/pv201112-de.html (11-12-14)